App-Stores Test

Internetläden bieten Zusatzprogramme für Handys. Sie melden rasant wachsende Verkaufszahlen. Service und Datenschutz lassen zu wünschen übrig.

Wäre Dagobert Duck noch einmal jung, würde er vermutlich nicht am Klondike nach Gold­nuggets schürfen, sondern einen App-Store eröffnen. Beim Geschäft mit Zusatz­programmen für Handys herrscht Gold­gräber­stimmung. Ballerspiel, Sprach­führer, Wetter­dienst – kaum ein Programm, das sich nicht in den virtuellen Kauf­läden besorgen ließe.

Einfach übers Handy herunter­laden

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Einfach drei, vier Klicks auf dem berührungs­empfindlichen Bild­schirm, schon ist ein neues Programm aus dem integrierten App-Shop auf das Smartphone herunter­geladen (siehe „Anwendungen für Handys“). Apps sind wahr­scheinlich auch deshalb so beliebt, weil viele nur ein paar Cent kosten oder sogar gratis sind. In diesen Fällen muss der Käufer dann allerdings oft einge­blendete Werbe­botschaften akzeptieren.

Umgang mit Nutzer­daten mangelhaft

Der schöne bunte Schein trügt, bei näherem Hinsehen zeigten sich bei den meisten App-Stores beträcht­liche Schatten­seiten. Äußerst unbe­friedigend sind die Ergeb­nisse der Shops bei den „Kunden­informationen“ und im „Umgang mit den Nutzer­daten“, auch das „Einkaufen“ lässt oftmals Wünsche offen.

Kein Shop gut, nur zwei befriedigend

Das insgesamt schlechte Gesamt­ergebnis hängt wesentlich mit diesen Mängeln zusammen. Die inhalt­liche Qualität der einzelnen Apps wurde für die Tester aufgrund der Masse kein Bewertungs­kriterium. Einige Internetläden bieten nach eigenen Angaben mehr als 100 000 Apps an (siehe Test Vokabeltrainer-Apps). Bei der Prüfung der App-Stores wollten wir wissen, wie einfach oder schwierig es ist, Apps einzukaufen, und wie informativ die Webseiten sind. Darüber hinaus wurde das Klein­gedruckte – die allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) – juristisch begut­achtet.

Vage Daten­schutz­erklärungen

App-Stores Test

Nutzer können die Qualität von Apps bewerten. In den Erfahrungs­berichten finden sich auch Hinweise auf fragwürdige Daten­abfragen.

Nutzer können die Qualität von Apps bewerten. In den Erfahrungs­berichten finden sich auch Hinweise auf fragwürdige Daten­abfragen.

Die AGB einiger Stores enthalten viele unzu­lässige Klauseln, zahlreiche Daten­schutz­erklärungen sind schwammig formuliert. Wahr­scheinlich dürften die wenigsten Nutzer des Apple App Stores jemals die rund 20 Seiten „Bedingungen“ durch­gelesen haben. Darin lässt sich Apple mehr oder weniger einen Frei­fahrt­schein für den Umgang mit seinen Kunden­daten einräumen. Wer etwa eine Löschung seiner personenbezogenen Daten beantragt, kann nicht sicher sein, dass Apple diesem Anliegen nach­kommt: „Wir können die Bearbeitung von Anfragen ablehnen, wenn diese unbe­gründet wieder­holt werden, unver­hält­nismäßigen tech­nischen Aufwand erfordern oder ... extrem unprakti­kabel sind ...“ Auch die Firma Nokia, Betreiberin des Ovi Stores, sagt unver­hohlen, wie sie mit den Daten ihrer Kunden umgeht: „Daher werden Ihre personenbezogenen Daten möglicher­weise über interna­tionale Grenzen hinaus ... über­tragen ..., in denen es keine Daten­schutz­gesetze für personenbezogene Daten gibt ...“

Kaum Kontakt­möglich­keit zum Store

Problematisch ist auch, dass die Hälfte der App-Stores kein ordnungs­gemäßes Impressum bietet, das an einer über­sicht­lichen Stelle voll­ständige Informationen über den Anbieter zeigt. Dadurch fehlt den Kunden eine einfache Möglich­keit, bei Beschwerden Kontakt mit ihrem Vertrags­partner aufzunehmen.

Experten warnen vor Daten­miss­brauch

Daten­schützer warnen davor, dass App-Shops beziehungs­weise die App-Entwickler über zahlreiche Apps Zugriff auf private Daten wie beispiels­weise das persönliche Adress­buch haben, ohne dass die Nutzer das merken (siehe Interview). Lediglich Wind­ows Phone Marketplace, Android Market und Androidpit bemühen sich diesbezüglich um etwas Trans­parenz, informieren ihre Kunden darüber, auf welche Telefon­funk­tionen und damit auf welche Daten ihre Apps zugreifen.

Stores für jedes Betriebs­system

Welchen App-Store ein Handy­besitzer nutzen kann, hängt vom Betriebs­system seines Smartphones ab. Mitt­lerweile drängen jedoch zunehmend mehr unabhängige Anbieter auf den Markt, die Apps für unterschiedliche Betriebs­systeme anbieten. Neben den Stores von sechs bedeutenden Betriebs­systemanbietern nahmen die Prüfer auch vier App-Stores von unabhängigen Anbietern näher unter die Lupe.

Weil der Touchs­creen eines Smartphones doch recht klein ist, laden Nutzer ihre Apps wegen der besseren Über­sicht auch über den PC herunter und nicht direkt aufs Handy. Das funk­tioniert allerdings nicht bei allen Anbietern gleich gut. Bei einigen muss der Nutzer zuvor eine Store- beziehungs­weise Synchronisations­software auf den Computer herunter­laden, etwa bei Apple und Microsoft. Danach ist der Einkauf bei diesen Anbietern jedoch komfortabel. Bequem funk­tioniert es auch bei Googles Android Market: App am Computer im Internet gekauft und ans Handy gesendet, Synchronisation und Installation erfolgen auto­matisch.

„Sie bekommen sehr wütend!“

An die mitt­lerweile üblichen Qualitäts­stan­dards deutsch­sprachiger Seiten von Internethänd­lern kommen die App-Shops bei weitem nicht heran. Teil­weise sind die Produkt­informationen auf den Webseiten äußerst dürftig und nahezu inhalts­leer, oft nur in Eng­lisch verfasst oder via Über­setzungs­programm in ein hanebüchenes Deutsch über­tragen.

So wird beispiels­weise auf Googles Android Market das millionenfach verkaufte Spiel Angry Birds wie folgt beworben: „Die spannendsten der Aviären Abenteuer geht weiter! Was passiert, wenn der Liebling aller wilden Hühner einge­sperrt und sich ausgeliefert zu Rio? Sie bekommen sehr wütend!“ Brauch­bare Informationen lesen sich anders. Neben den spärlichen Informationen zu einzelnen Apps sind auch Hilfe­texte und Such­funk­tionen oft wenig­über­zeugend. Und angesichts der Masse der angebotenen Apps haben viele Nutzer die Über­sicht schon verloren, bevor sie anfangen zu suchen.

Ein paar Cent mit Kreditkarte bezahlen

Manche App-Shops können auch bei den Zahlungs­modalitäten nicht über­zeugen. Sie verlangen von den Kunden, persönliche Kreditkarten­informationen zu hinterlegen – selbst für Kleinst­beträge.

Insgesamt dürften die Zustände auf dem Markt für Apps manchen Beob­achter an die Sitten im wilden Westen erinnern – Dagobert Duck würde vermutlich seinen Gefallen daran finden.

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