Apotheken Test

Falscher Rat zu Medikamenten, verpfuschte Rezepturen, Fehler beim Blutdruckmessen, Lichtschutzfaktor falsch erklärt: Das kann passieren, wenn Sie Ihren Apotheker fragen.

Was Testkunden in vier der zwanzig Apotheken im Test geraten wurde, erstaunt sehr: Nein, es sei kein Problem, Johanniskraut und einen „Blutverdünner“ zusammen einzunehmen. Die Aussage ist falsch. Apothekenpersonal darf das nicht passieren: Johanniskraut vermindert die Wirkung vieler Medikamente, des „Blutverdünners“ zum Beispiel oder auch der Pille.

Nur vier Apotheken berieten bei einer Medikamentenfrage zur Osteoporose-Therapie vollständig und richtig. Das Osteoporosemittel Fosamax darf nicht gleichzeitig mit Kalzium-D3-Tabletten zum Frühstück eingenommen werden. Wir hatten diese Frage bereits bei unserem letzten Test von Versandapotheken aus test 10/07 gestellt. Und blanke Unkenntnis zeigte sich bei Erklärungen zu Sonnenschutzmitteln. So scheiterte Apothekenpersonal zum Beispiel an der Frage, wie lange man sich mit einem bestimmten Lichtschutzfaktor der Sonne aussetzen kann.

All das ist bittere Medizin für jene, die in Apotheken Rat suchen, zu Medikamenten, zum weiteren Sortiment und zu speziellen Angeboten. Apotheken verstehen sich als „unabhängige Gesundheitszentren“. Täglich gehen im Schnitt mehr als 4 Millionen Menschen dorthin. Wegen zunehmender Konkurrenz gibt es besorgte Blicke in die Zukunft, doch das Geschäft ist umsatzstark: In 21 570 Apotheken werden pro Jahr etwa 37 Milliarden Euro umgesetzt.

Probleme mit Rezeptur

Auch unseren Testern wurde oft etwas verkauft, beraten wurden sie aber nicht immer richtig. In vier Apotheken wurden Kunden sogar weggeschickt, weil Substanzen für eine Rezeptur nicht zu beschaffen seien. Wir gingen dem nach – die Möglichkeiten für die Beschaffung der Substanzen waren nicht ausgeschöpft worden.

Der Test wirft ein Schlaglicht auf die Qualität inhabergeführter Apotheken. Wir haben exemplarisch Apotheken in Berlin in Einkaufszentren und Bahnhöfen mit viel Laufkundschaft und hoher Besucherzahl getestet, zusätzlich je eine mit neuen Geschäftskonzepten aus der Gruppe der Doc-Morris- und easyApotheken.

Ob mit herkömmlichem oder neuem Geschäftskonzept: Apotheke ist Apotheke. Kunden sollten überall gut bedient und versorgt werden. Wir haben neben dem Kerngeschäft der Arzneimittelinformation auch weitere Service- und Dienstleistungsangebote geprüft (siehe Ausgewählt, geprüft, bewertet). Das Zusatzgeschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Produkten zur Körperpflege wird zum Beispiel immer wichtiger. „Wer sich nicht mit Angeboten positioniert, ist verloren“, heißt es in der Branche.

Das Testergebnis kann nicht zufriedenstellen – Anspruch und Wirklichkeit klaffen zum Teil stark auseinander. Die Apotheke im Ring-Center erzielte mit dem test-Qualitätsurteil „gut“ das beste Ergebnis – war aber ein Einzelfall. Es folgen acht Apotheken mit „befriedigend“, drei mit „ausreichend“. Acht von 20 erhielten „mangelhaft“. Gründe dafür gab es zum Beispiel, wenn alle drei Beratungen zu Medikamentenfragen im Kern falsch waren, die Rezeptur nicht oder nicht fachgerecht hergestellt wurde (siehe auch Testtabelle Apotheken). Im Test wurden selbst einfachere Fragen zur Medikamenteneinnahme falsch oder unvollständig beantwortet. Aber auch anderes ging schief:

Mängel beim Blutdruckmessen

Keine Apotheke überzeugte beim Blutdruckmessen. Es fehlte schon am systematischen Vorgehen. Dazu gehört, den Kunden erst einmal zur Ruhe kommen zu lassen, fachgerecht zu messen, und bei erhöhten Werten die Messung zu wiederholen. In nur 16 von 40 Fällen wurde eine Ruhezeit eingehalten. Obwohl in den Apotheken vielfach erhöhte Blutdruckwerte gemessen wurden, wiederholte das Personal die Messung nur in vier Testfällen. Nur in jedem dritten Fall informierten der Apotheker oder seine Angestellten darüber, dass Blutdruck Tagesschwankungen unterliegt. Auch der Arztbesuch wurde zu selten empfohlen. Einmal stimmte der Rat, nicht aber der recht aufgeregte Ton: „Ihr Blutdruck ist Wahnsinn. Sie müssen unbedingt zum Arzt. Ihre Gefäße können geschädigt werden. Gehen Sie zum Internisten, nicht zum praktischen Arzt. Lassen Sie sich nicht abweisen. Legen Sie diesen Zettel vor.“

Häufig verkauft: Nahrungsergänzung

In einem weiteren Testfall ging es um einen Schüler mit Konzentrationsschwierigkeiten. Unsere Testerin suchte als besorgte Mutter Rat in der Apotheke, wollte wissen, ob dem Kind ein Nahrungsergänzungsmittel helfen könnte. Statt einer ausgewogenen Beratung (siehe Text 3. Beratung zu Gesundheitsprodukten) erlebten wir häufig die hilflose Suche nach einem entsprechenden Mittel. Besonders kritisch ist, wenn vermittelt wird, eine ausge­wogene Ernährung sei mit normaler Kost kaum möglich, ein Nahrungser­gänzungsmittel geradezu erforderlich, wie mit dieser Empfehlung zum Kauf: „Mit unserer heutigen Ernährung können die Stoffe nicht mehr von unserem Körper aufgeschlüsselt werden.“

Zunächst einmal hätte das Problem eingegrenzt werden müssen: Wie zeigt sich die Konzentrationsschwäche des Kindes? Wie alt ist es? Wurde ein Arzt befragt? In fünf Apotheken geschah nichts dergleichen. Es wurde direkt ein Produkt empfohlen, einmal sofort ein teures Arzneimittel verkauft (Vitasprint für 37,95 Euro). Eine andere Erfahrung der Testkundin: „Die Mitarbeiterin suchte lange nach dem Mittel unter ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – die Red,). Sie hat mich beruhigt – mein Kind habe kein ADHS.“ Doch sie verkaufte ein Mittel mit Fisch- und Nachtkerzenöl (Efalex) für 33,90 Euro zur „diätetischen Behandlung von ADHS“. Nur sechsmal wurde keine Nahrungsergänzung verkauft und empfohlen, erst einmal die Ursachen für die Konzentrationsstörung zu finden beziehungsweise zum Arzt zu gehen (siehe auch Test Nahrungsergänzungsmittel für Kinder aus test 06/2008).

Schwächen beim Sonnenschutz

Beim Kauf eines Sonnenschutzmittels für einen Urlaub in der Karibik wurde in 14 Apotheken auf Nachfrage zwar die maximale Verweildauer in der Sonne erklärt (abhängig von Lichtschutzfaktor und Eigenschutzzeit bis Hautrötung eintritt), aber oft falsch. Etwa so: Mit einer Eigenschutzzeit von 20 Minuten könne man bei Lichtschutzfaktor 25 zusätzlich 25 Minuten in die Sonne gehen. Richtig ist: Eigenschutzzeit in Minuten mal Lichtschutzfaktor. Wer ungeschützt nach 20 Minuten eine rote Haut bekommt, könnte sich mit Lichtschutzfaktor 25 theoretisch mehr als 8 Stunden der Sonne aussetzen (20 Minuten mal 25). Diese Zeit sollte aber nicht voll ausgenutzt und Mittagssonne gemieden werden. Nur in sieben Apotheken wurden beide Hinweise gegeben. Zweimal hieß es, Nachcremen verlängere die Verweildauer – das ist falsch (siehe auch Test Sonnenschutzmittel).

Oft fehlen spezielle Gesprächszonen

Das Apothekenpersonal soll sich vergewissern, ob Kunden alles verstanden haben. Das gilt als Standardanforderung, wurde aber meist vergessen. Beratung verlangt oft auch Diskretion. Doch dafür fehlen häufig die räumlichen Voraussetzungen. Der Kunde sollte außerdem wissen, wer vor ihm steht. Nur in drei Apotheken trugen die jeweiligen Mitarbeiter bei allen Testbesuchen ein Namensschild – ihre Qualifikation war darauf nicht immer ausgewiesen.

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