Apfelfruchtsaftgetränke: Billig und schlecht

Zwischen Apfelsaft und Apfelfruchtsaftgetränk liegt ein himmelweiter Unterschied. Im Vergleich zu purem Saft sind Fruchtsaftgetränke immer mit Wasser verdünnt, gesüßt und mit Aromastoffen aufgepeppt. Das Ergebnis ist traurig: sehr süße Getränke, die zum Teil kaum noch nach Apfel schmecken. Wegen der niedrigen Preise kaufen sie trotzdem viele Menschen.

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Die Tester der Stiftung Warentest hatten diesmal eine schwere Aufgabe. 19 Apfelfruchtsaftgetränke mussten sie verkosten - von Aldi bis Natreen. Als Vergleichswert diente ihnen ein selbst hergestelltes Fruchtsaftgetränk mit einwandfreiem Fruchtsaft. Ihr Fazit: Etliche Getränke schmeckten weder nach Äpfeln noch rochen sie entsprechend. Stattdessen fanden die Fruchtsaftexperten Bananen- und Birnengeruch sowie andere Fremdtöne. Das Kingsway-Getränk von Netto erinnerte sie beispielsweise an ein „Shampoo mit Apfelduft“.

Kein oder wenig Apfelaroma

Laut Deutschem Lebensmittelbuch müssen Apfelfruchtsaftgetränke zu mindestens 30 Prozent aus Apfelsaft bestehen. Entsprechend viel Aroma aus Äpfeln sollten sie enthalten. Doch in den Getränken von Aldi (Süd), Kaiser's Tengelmann, Rewe, Tip und Wesergold war überhaupt kein Apfelaroma nachweisbar, in fünf weiteren Produkten zu wenig. Hintergrund: Statt hochwertigem Apfelsaft verwenden viele Hersteller billige Fremdaromen. Solche nicht aus Äpfeln stammenden Aromen dürfen sie höchstens zur Abrundung des Apfelgeruchs und -geschmacks einsetzen. Doch einige Hersteller übertreiben es offensichtlich mit den fremden Aromen.

Chinesisches Konzentrat

In vielen Fällen stammt das Apfelsaftkonzentrat unter anderem aus China. Das Land produziert etwa so viele Äpfel wie der ganze Rest der Welt zusammen. Apfelsaftkonzentrat ist einer der vielen chinesischen Exportschlager. Nach Einschätzung von Fachleuten eignen sich chinesische Äpfel jedoch wenig für deutschen Apfelsaft. Sie haben zu wenig Säure und sind zu süß. Deutsche Apfelsorten enthalten etwa doppelt so viel Säure. Doch was bei Apfelsaft undenkbar wäre, ist bei Apfelfruchtsaftgetränken erlaubt: Die Hersteller dürfen die Süße aus Fernost mit Zitronensäure ausgleichen. So entsteht der bei Deutschen beliebte süß-saure Apfel-Geschmack.

Kaum Polyphenole

Frische Äpfel sind normalerweise reich an sekundären Pflanzenstoffen, vor allem an Polyphenolen. Diese wirken antioxidativ und sollen vor Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Trüber Apfelsaft enthält in der Regel eine Reihe dieser gesundheitsfördernden Stoffe. Doch in Apfelfruchtsaftgetränken sind kaum noch Polyphenole zu finden. Möglicherweise waren die entsafteten Äpfel von Natur aus arm an Polyphenolen. Das wäre zumindest typisch für chinesische Apfelsorten. Denkbar ist aber auch, dass die sekundären Pflanzenstoffe bei der Herstellung auf der Strecke blieben - zum Beispiel beim Klären mit verschiedenen Behandlungsstoffen. Fakt ist jedenfalls: Eine gesundheitsfördernde Wirkung haben die getesteten Fruchtsaftgetränke nicht.

Billige Süße

Obwohl die Apfelfruchtsaftgetränke zum Großteil aus Wasser bestehen, bringen sie reichlich Kalorien mit sich: bis zu 90 Kilokalorien je 0,2-Liter Glas. Grund dafür sind die zugesetzten Süßungsmittel. 15 Fruchtsaftgetränke enthalten zugesetzten Zucker, die meisten auch noch Glukosesirup oder Glukose-Fruktosesirup. Beide sind ausgesprochene Billigsüßer und entstehen durch Einsatz von Enzymen etwa aus Mais- und Weizenstärke. Doch auch Apfelfruchtsaftgetränke mit Süßstoff taugen nicht als Durstlöscher: Sie sind ähnlich süß wie die gezuckerten und fördern den Durst. Einziger Vorteil: Sie enthalten weniger Kalorien. Trotzdem rät die Stiftung Warentest auch hiervon ab. Trinken Kinder und Jugendliche regelmäßig Fruchtsaftgetränke, gewöhnen sie sich schnell an den süßen Geschmack und verlangen immer mehr. Besser sind Wasser oder Schorle.

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