Anwendungen fürs Smartphone Meldung

Sie bieten Service, Spiele, sowie Unterhaltung und gehören damit zu den beliebtesten Funktionen von Smartphones. Doch viele Apps leiten persönliche Daten über das Internet weiter – ohne den Nutzer zu fragen. test.de informiert.

Neugierige Software

Dass sich in den Anwendungen für das Smartphone Abofallen verstecken können, ist schon länger bekannt. Nun hat ein internationales Forscher-Team herausgefunden, dass zahlreiche Apps auch die persönlichen Daten vom iPhone übertragen – an die Entwickler des Programms oder an Werbetreibende. Heute stellen die Forscher um Manuel Egele ihre Studie in San Diego vor.

Mehr als die Hälfte geben Geräte-Nummer weiter

Mehr als 1 400 Apps haben die Forscher mit einer speziellen Software untersucht. Der Großteil davon stammt aus Apples iTunes-Store, alle Apps sind kostenlos erhältlich. Die Forscher wollten herausfinden, ob die Apps Daten wie den Browserverlauf, die Telefonnummer oder das Adressbuch weitergeben. Fündig wurden sie vor allem bei der Identifikation-Nummer des Smartphones: 55 Prozent der getesteten Apps leiten diese individuelle Nummer weiter.

Gowalla gibt Adressbuch weiter

Ein Beispiel, das die Forscher genauer untersucht haben, ist Gowalla – ein Geolokalisierungsdienst, verbunden mit den Funktionen eines sozialen Netzwerks. Damit können die Nutzer an realen Orten wie Restaurants oder Sehenswürdigkeiten „einchecken“ und virtuelle Auszeichnungen sammeln. Was den Nutzern von Gowalla bislang noch nicht bekannt war: Die App greift auf das Adressbuch im Smartphone zu und leitet anschließend alle Nutzernamen und deren Email-Adresse weiter. Gowalla hat seinen Firmensitz in Austin, Texas. Insgesamt haben fünf der getesteten Apps auf das Adressbuch zugegriffen.

Vampirspiel saugt Telefonnummer ab

Als besonders gierig stellte sich ein Vampirspiel heraus: „Vampires Live“ liest die Telefonnummer des Smartphones aus und leitet sie weiter auf die Server von „Storm8“, der Entwicklerfirma von „Vampires Live“. Diese Praxis von Storm8 ist Apple seit November 2009 bekannt. Deswegen hatte Apple damals alle Spiele von Storm8 entfernt. Die Programmierer änderten daraufhin die Spiele, so dass diese angeblich nicht mehr die Telefonnummer weiterleiteten.

Verknüpfung der Daten

Jede einzelne Information ist für sich genommen kaum ein Problem. Aber: Je mehr Daten eines Smartphone-Besitzers miteinander verknüpft werden, desto leichter kann er mit gezielter personalisierter Werbung angesprochen werden– ohne großen Aufwand. Wenn zum Beispiel der reale Namen zusammen mit der Identifikationsnummer des Smartphones verbunden sind, können daraus genaue Profile des Nutzerverhaltens erstellt werden. „Ist einmal die Zuordnung von Name und Identifikationsnummer geschafft, können Werbeanbieter bequem verfolgen, wer, wann, welche App verwendet,“ sagt Studienleiter Manuel Egele von der Technischen Universität Wien gegenüber test.de. Das spezielle Problem bei Smartphones: Hier sind sowohl berufliche als auch private Daten gespeichert. Wer darauf zugreifen und die Daten sinnvoll verknüpfen kann, erhält ein relativ präzises Abbild vom Verhalten des Nutzers.

Was passiert mit den Daten?

In der Regel fließen die Daten des Smartphones zu den App-Entwicklern oder zu Werbeanbietern. Und dann? Manuel Egele: “Wenn die Daten dort gelandet sind, ist es nicht mehr möglich nachzuvollziehen, was damit passiert.“ Der Smartphone-Besitzer hat keinen Einfluss darauf, wie seine Daten weiterverarbeitet werden. Zudem sitzen viele App-Entwickler in den USA. Dort sind die Regelungen zum Datenschutz weniger streng als in Deutschland.

Sicherheitscheck nicht öffentlich

Apple wurde bereits auf die Sicherheitslücken in den Apps aufmerksam. Das Unternehmen überprüft deshalb alle kleinen Anwendungen, bevor sie in den iTunes-Store gelangen. Die Kriterien für den Sicherheitscheck sind jedoch nicht öffentlich, kritisieren die Forscher. Bereits in der Vergangenheit habe es geprüfte Apps gegeben, die Apples selbst formulierte Datenschutzrichtlinien verletzten. Apple verweist bei solchen Problemen regelmäßig auf die Entwickler der Apps.

Viele Apps mit geringem Nutzen

Zur Zeit sind allein bei Apple knapp 350 000 Apps erhältlich. Die 1 400 getesteten Apps aus der Studie sind somit lediglich ein Bruchteil aller verfügbaren Anwendungen. Wie viele Apps tatsächlich Daten ungefragt versenden, ist unklar. Und: Alle in der Studie untersuchten Apps sind kostenlos. Viele davon sind Spiele oder simple Anwendungen zum Zeitvertreib, deren tatsächlicher Nutzen oftmals gering ist. Gerade in diesem Bereich verstecken sich die Datensammler.

Vorsicht vor „Jailbreak“

Das Dateisystem des iPhones kann mit einem sogenannten „Jailbreak“ geöffnet werden, um zusätzliche Apps zu installieren. Dadurch wird aber auch das Sicherheitssystem des iPhones sabotiert. Nutzer können somit unbewusst den Datensammlern Zugang zum Smartphone verschaffen. Misstrauisch sollten iPhone-Besitzer bei Werbeeinblendungen werden. Dahinter können sich nicht nur Abofallen, sondern auch die Datensammler verbergen.

Die ganze Studie im Internet alspdf-Datei (englisch)

Dieser Artikel ist hilfreich. 578 Nutzer finden das hilfreich.