Wer sein gutes Recht durchsetzen will, braucht den richtigen Anwalt. Den zu finden, ist eine Wissenschaft für sich.

Beim Kreuzberger Robert Liebling stimmt die Leistung. Der Fernsehanwalt erklärt alles ­ richtig, aber ohne Fachchinesisch. Ob Arzthaftung oder Mietproblem, Liebling ist in allen Rechtsgebieten zu Hause ­ und gewinnt auch vor Gericht. Fristen hält er ein und zur Verhandlung erscheint der Herr Anwalt pünktlich. Das Kanzleipersonal hält den Chef auf Trab. Schließlich stimmt auch die Rechnung ­ bei Liebling gibt es Recht zum fairen Preis.

Einen Anwalt wie Liebling Kreuzberg im richtigen Leben zu finden, ist gar nicht so einfach. Seit 1985 hat sich die Zahl der Anwälte verdoppelt, über 100.000 sind es mittlerweile. Wer ins Branchenbuch schaut, muss verzweifeln: Über 64 Seiten erstrecken sich etwa die Namen der Berliner Anwälte ­ zumeist kleingedruckt.

Anwälte in der Nähe

Wer da die Übersicht verliert, kann sich die Auswahl durch einen Anruf bei einer der vielen Such-Hotlines eingrenzen lassen, zumeist zum erschwinglichen bundesweiten Ortstarif. Teure Auskünfte über Nummern mit der Vorwahl 0190 sind die Ausnahme, da sich die Hotlines meist durch Gebühren der eingetragenen Anwälte finanzieren. Ein Anruf etwa bei der bundesweit tätigen Deutschen Anwaltauskunft kostet 24 Pfennig pro Minute. Dafür gibt es reichlich Service. Die Hotline-Mitarbeiter grenzen die 50.000 registrierten Anwälte ­ allesamt Mitglieder im Deutschen Anwaltverein ­ durch Nachfragen ein.

Wer beispielsweise eine Bankrechts-Expertin sucht, wird nach der eigenen Postleitzahl gefragt. Rundum wird dann gesucht ­ und auch gefunden: So ermittelt die Anwaltauskunft in Berlin Namen, Nummern und Adressen gleich von mehreren Kolleginnen aus dem Bankrecht. Zusätzlich hat der Suchdienst auch noch 50 männliche Kollegen auf der Liste. Genannt werden am Ende aber maximal drei Suchergebnisse, zur besseren Chancengleichheit der Anwälte gilt das Zufallsprinzip. Wer die Auswahl ver- größern will, muss erneut anrufen. Eine Stichprobe beim 0190-Dienst "Anwaltshotline" für 3,36 Mark pro Minute fällt mager aus: Nur zwei Berliner Bankrechtler fördert die Suche zutage, der Sonderwunsch nach einer Anwältin bleibt unerfüllt.

"Fehlanzeige" lautet die Meldung im Übrigen bei allen Suchdiensten auf die Frage nach einem "besonders guten" Anwalt. Auskünfte gibt es höchstens noch zu Kenntnissen in ausländischem Recht und zu Fremdsprachen. Über Erfolgsquoten und Verständlichkeit der Anwälte sagen die Damen und Herren an den Hotlines nichts.

Experten mit Spezialgebiet

Leichter wird die Suche aber für diejenigen, die Rat in einem der sieben Rechtsgebiete benötigen, für die es Fachanwälte gibt. Rund 11.000 Anwälte haben eine Zusatzausbildung in Gebieten wie etwa dem Arbeitsrecht. Den Titel müssen sich die Juristen durch Seminare und Prüfungen erarbeiten und entsprechende Praxis nachweisen. So hat ein Fachanwalt im Familienrecht mindestens 120 Fälle aus diesem Gebiet bearbeitet und weiß hier mehr als der Durchschnittskollege.

Unter Anwälten wird derzeit die Einführung weiterer Fachanwaltstitel, etwa für Verkehrs- oder Baurecht diskutiert. Eingeführt sind diese Sonderqualifikationen aber noch nicht. Das sollte man wissen, denn manche Suchdienste nehmen es mit den Bezeichnungen nicht so genau. So empfahl uns der Berliner Anbieter Anwalt.net einen "Fachanwalt für Bankrecht ­ geprüft von der Rechtsanwaltskammer". Das klingt gut ­ nur leider ist der Titel frei erfunden.

Bekannte fragen

Liegt der eigene Fall nicht in einem der Fachanwalts-Rechtsgebiete, dann kann Mundpropaganda weiterhelfen, sehr oft kommen Anwalt und Mandant durch private Empfehlungen zueinander. Allerdings sollte man bei Tipps ("war nett und erfolgreich") nachhaken: Ging es beim Bekannten ums Mietrecht und hat man selber Ärger wegen einer Baugenehmigung, dann könnte der tolle Anwalt auch die falsche Adresse sein. In jedem Fall ist es hilfreich, wenn man sich schildern lässt, wie der Fall bearbeitet wurde. Ein Anwalt, der Fristen immer erst auf den letzten Drücker wahrnimmt, ist nicht zu empfehlen. Termine sind das A und O im Rechtsgeschäft. Hier lohnt es sich, zweimal nachzufragen. Fast immer, wenn Anwälte später von ihren Kunden verklagt werden, geht es um Schlampigkeiten ­ und nicht um die Qualität juristischer Beratung.

Hilfreich können schließlich auch die "Rankings" von Wirtschaftsmagazinen sein. Gegen solche Bestenlisten kommt selbst von Anwälten, die nicht darin vorkommen, kaum Kritik. Als Manko der Listen steht aber fest: Es werden nie alle guten Kanzleien genannt.

Suchdienste im Internet

Auch im Internet kann man auf die Pirsch gehen, wo zahlreiche kostenlose Verzeichnisse existieren . Per Mausklick kann nach Kanzlei-Lage und Rechtsgebiet gestöbert werden, über Namenseingaben lassen sich auch ganz bestimmte Anwälte finden. Pluspunkt dabei: Hat die gefundene Kanzlei eine Homepage, dann ist ein Link darauf geschaltet, sodass man sich einen Eindruck von seinem möglichen Anwalt verschaffen kann.

Achten sollte man bei der Recherche in Netzverzeichnissen aber immer darauf, dass möglichst viele Anwälte eingetragen sind. Manche "Datenbank" bietet oft nur ein müdes Dutzend Kanzleien. Vorsicht ist auch bei Internetangeboten geboten, die vorgeben, nur überprüfte oder gar sehr gute Kanzleien aufzuführen. Die Zertifikate, die Anbieter wie etwa das selbst ernannte Experten-Netzwerk vergeben, sind Eigenkreationen mit zweifelhaftem Nutzwert.

Honorar steht fest

Die Frage der Honorarhöhe ist bei der Anwaltssuche kein Kriterium. In der Regel gelten gesetzlich festgelegte Gebühren, die sich am Streitwert orientieren. Allzu böse Überraschungen müssen Mandanten beim ersten Gesprächstermin deshalb nicht fürchten. Eine Erstberatung kostet maximal 350 Mark (in den neuen Ländern 315 Mark) zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer. Bei geringem Streitwert liegt die Summe niedriger, 30 Mark sind Minimum. Ob ein Anwalt oder ein Fachanwalt die Rechnung schreibt, spielt keine Rolle: Die Gebühren sind für alle gleich.

Wer sich den Anwalt aus eigener Tasche nicht leisten kann, für den gewährt Vater Staat Beratungshilfe in Form eines Beratungsscheins. Auskunft darüber geben die Rechtsantragsstellen der Amtsgerichte. Nachteil der Beratung "auf Schein": Viele Anwälte scheuen das Prozedere der Kostenerstattung und schützen Überlastung vor, statt das Mandat anzunehmen.

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