Anwalts­suche

Qualifikation „Fach­anwalt“: Das kann und das kostet ein Fach­anwalt

11

Fach­anwälte sind erfahren auf ihrem Gebiet. Das ist keine Garantie für erfolg­reiche Arbeit, erhöht für Mandanten aber die Chance, kompetenten Rechts­rat zu bekommen.

Inhalt

Fach­anwalt klingt wie Fach­arzt, ist aber nicht dasselbe. Fach­arzt kann nur ein Arzt werden, der eine fünf­jährige Weiterbildung absol­viert und eine Fach­arzt­prüfung vor einer Ärztekammer abge­schlossen hat. Der Fach­anwalts­titel ist leichter zu haben: Anwälte müssen einen Lehr­gang mit 120 Zeitstunden absol­viert haben und drei Klausuren mit einer Gesamt­dauer von mindestens 15 Stunden bestehen. Die Anwärter müssen zudem eine bestimmte Anzahl von Fällen nach­weisen. Fach­anwalt für Arbeits­recht zum Beispiel kann nur werden, wer zuvor 100 Fälle aus diesem Rechts­gebiet bearbeitet hat.

Kritik an Ausbildung: Die Fach­anwalt­saus­bildung steht in der Kritik. Denn nicht die Rechts­anwalts­kammern veranstalten die Seminare und korrigieren die Klausuren, sondern private Anbieter. Die Kammern verleihen am Ende zwar den Titel, haben aber keine Befugnis, die Qualität der Lehr­gänge zu über­prüfen. Die Veranstalter der Seminare wollen nicht in den Ruf geraten, bei den Prüfungen besonders streng zu sein – sonst buchen die Anwälte ihre Kurse künftig woanders. Aus der Branche ist zu hören, dass die Prüf­linge oftmals vorher gesagt bekommen, was in den Klausuren dran­kommt. Einmal Fach­anwalt, immer Fach­anwalt – Kritiker bemängeln, dass Anwälte nach dem Erwerb des Titels wenig tun müssen, um ihn zu behalten. Sie müssen sich zwar weiterbilden. Doch es reicht, wenn sie einmal pro Jahr an einer zehn­stündigen Fort­bildungs­ver­anstaltung „hörend“ teilnehmen.

Fach­anwalt hat Erfahrung: Trotz aller Kritik ist der Fach­anwalts­titel gerade bei schwierigen Rechts­problemen ein wichtiges Auswahl­kriterium. Wer sich an einen Fach­anwalt wendet, kann damit rechnen, dass sein Anwalt mehr Wissen und Erfahrung auf dem jeweiligen Rechts­gebiet haben wird als ein Durch­schnitts­anwalt. Außerdem: „Mit dem Fach­anwalts­titel bekommt ein Anwalt auch mehr Fälle zu diesem Rechts­gebiet und wird schon aus diesem Grund nach und nach erfahrener als seine Kollegen ohne Titel“, sagt der Berliner Rechts­anwalt Ferréol Jay von Selden­eck. Es gilt daher die Regel: Im Zweifel sollten Ratsuchende besser zu einem Fach­anwalt gehen.

Fach­anwälte sind teurer: Der Rat vom Fachmann hat seinen Preis. Das Soldan Institut für Anwalts­management stellte im Jahr 2009 fest: Fach­anwälte verlangen im Schnitt ein Stundenhonorar in Höhe von 194 Euro. Damit liegen sie 20 Euro über dem Durch­schnitts­satz, den Rechts­anwälte ohne den Fach­anwalts­titel pro Stunde abrechnen.

Rechts­anwälte mit Spezial­gebiet

Ein Anwalt kann nie Fachmann für alle Rechts­gebiete sein. Daher spezialisieren sich viele Anwälte und absol­vieren die Zusatz­ausbildung zum Fach­anwalt. Viele Mandanten suchen direkt nach einem Fach­anwalt. Rechts­anwälte dürfen maximal drei Fach­anwalts­titel führen. Es gibt derzeit insgesamt 20 Fach­anwalts­gebiete. 15 wichtige sind hier aufgeführt.

Fach­anwalt für ...

Ist unter anderem zuständig für ...

Informations­technologierecht (IT-Recht)

Vertrags­gestaltung rund um Internet­dienst­leistungen und Software, Ärger nach Internetkauf, Streit um Telefon­rechnung.

Urheber- und Medienrecht

Streit um Urheberrecht, etwa nach Download aus Online-Tauschbörse (Filesharing), Konflikte um negative Pressebe­richte.

Arbeits­recht

Kündigungs­schutz, Lohn­streit, Streit um Befristung, arbeits­recht­liche Schwerbehindertensachen, Urlaub.

Bau- und Architektenrecht

Streit mit Bauträgern und Hand­werkern um Mängel, Prüfung von Bauverträgen.

Erbrecht

Testamente, steuerliche Beratung zu Erbschaft und Schenkung, Testaments­voll­stre­ckung, Nach­lass­verwaltung.

Familien­recht

Eheverträge, Scheidungs-, Unter­halts-, Kind­schafts­sachen, Versorgungs­ausgleich.

Medizinrecht

Arzt­haftungs­sachen, Streit um private Kranken­versicherung, Rechnungs­streit mit Arzt oder Kranken­haus.

Miet- und
Wohnungs­eigentums­recht

Streit um Neben­kosten, Reparaturen, Kündigung, Modernisierung, Streit mit Nach­barn, Makler, Miteigentümern oder Verwalter, Beratung beim Wohnungs­kauf.

Sozialrecht

Streit um Alters- und Erwerbs­unfähigkeits­rente, Hartz IV, Sozial­hilfe, Arbeits­losengeld, gesetzliche Pflege-, Kranken- und Unfall­versicherung. Schwerbehindertenanerkennung, Bafög.

Steuerrecht

Streit mit Finanz­amt, Steuer­straf­verfahren.

Strafrecht

Straf­verteidigung, Beratung und Vertretung bei Ordnungs­widrigkeiten.

Verkehrs­recht

Unfall­schaden­ersatz, Streit nach Auto­kauf, Ärger mit der Werk­statt oder dem Versicherer, Bußgeld- und Straf­verfahren, Führer­schein­entzug, Ärger beim Leasen und Mieten von Fahr­zeugen.

Versicherungs­recht

Streit um Leistungen etwa vom Rechts­schutz- oder Haft­pflicht­versicherer.

Verwaltungs­recht

Streit um Genehmigungen etwa im Bau- oder Abwasser­recht oder im öffent­lichen Dienst- oder Schulrecht.

Bank- und
Kapitalmarkt­recht

Falsch­beratung bei Kauf von Wert­papieren, Ärger rund um Kredite, Bank­gebühren, Bank­konten und Vermögens­verwaltung, Probleme bei Zahlungs­verkehr mit Kredit- oder Bank­karten.

11

Mehr zum Thema

  • Schlichtung und Mediation Recht bekommen – günstig und ohne Gericht

    - Bei Ärger mit einem Unternehmen ist eine Schlichtungs­stelle erste Wahl. Bei Konflikten zwischen Nach­barn oder in der Familie eignet sich eine Schlichtung oder Mediation.

  • Beratung und Rechts­schutz im Mietrecht Das leistet das Angebot von Conny

    - Das Internetportal Conny.de bietet außer Rechts­durch­setzung auch Mieter­schutz mit Beratung und Prozess­kosten­schutz. test.de hat das Angebot unter die Lupe genommen.

  • Beratung und Rechts­schutz im Mietrecht Das leistet das Angebot von Mieterengel.de

    - Das Internetportal Mieterengel.de vermittelt Anwälte zur Rechts­beratung und bietet Rechts­schutz. Die Stiftung Warentest hat das Angebot unter die Lupe genommen.

11 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Edko2012 am 17.06.2019 um 13:10 Uhr
Dienstleistungsbewertung Rechtsanwälte

Auch ich finde das diese Dienstleistung bewertet werden sollte damit man zumindest
eine entsprechende Vorauswahl treffen kann.
Ich habe zum Beispiel am 01.02.2018 eine Schadensabwicklung Verkehrsrecht bei
einer Kanzlei beauftragt und kann seit einem Jahr keine Aktivität feststellen.
Ich habe mehrfach Kontakt zur Abfrage des Bearbeitungsstatus gesucht und wurde bisher immer mit einem Rückruf vertröstet, der jedoch nie eingetreten ist.
Das heißt neben dem Schaden auf dem ich bisher sitzen geblieben bin, renne ich auch
noch hinter den Juristen her, die von meinem Rechtsschutzversicherer die Deckungszusage erhielten damit es in meiner Sache weitergeht.
Ich denke eine Bewertung dieser Dienstleistung mit Kommentarmöglichkeit wäre hier sehr hilfreich für alle Verbraucher.

Anwaltkaufmann am 05.03.2019 um 11:47 Uhr
Wo sollte ein Rechtsanwalt genommen werden

Nehmen Sie den Anwalt, dem Sie es zutrauen und dem Sie vertrauen, egal ob in der Nähe oder weiter entfernt. Akteneinsicht kann jeder Anwalt bei Gericht beantragen und bekommt sie in der Regel auch. Den weit entfernten Anwälten wird die Akte dann zugeschickt.

andrekochler am 10.02.2019 um 21:05 Uhr
Wo sollte ein Rechtsanwalt genommen werden?

Ich habe einen Erbrechtsstreit und werde voraussichtlich um eine Klage nicht herumkommen. Ist es sinnvoll, sich einen Fachanwalt in seiner Nähe oder im Bezirk des Amtsgerichts (von mir rd. 500km entfernt) zu nehmen (in dem der Fall verhandelt wird), da m. E. nur diese Rechtsanwälte berechtigt sind, dort zB Akteneinsicht zu nehmen. Also wären mit der Beauftragung eines Anwalts außerhalb des Bezirks wieder Mehrkosten notwendig und ggf. mehr Zeit.

cowo999 am 04.02.2019 um 14:15 Uhr
Bewertungen von Anwälten

Eine Bewertung mit Schulnoten ist immer subjektiv und manchmal auch getürkt.
Ich finde, man sollte die Gebührenordnung der Rechtsanwälte dahingehend ändern, dass der Rechtsanwalt auf der Verliererseite nur noch die Hälfte der Gebühr erhält. Dadurch kann sich keiner auf seinen hohen Gebührensätzen ausruhen.
Dann kann man Bewertungen vielleicht angelehnt an den Verdienst vornehmen.

meikeoltmann am 11.09.2016 um 07:23 Uhr
gefährlich

Bei der ganzen Thematik merkt man immer wieder, das dieses sehr umfänglich ist und sehr schnell "gefährlich" werden kann. Wir selbst haben gerade etwas zum Internetrecht hinter uns, ähnliches bei der Nutzung von Bildern via Pixelio. Wir nutzten für einen Kunden ein Bild, welches redaktionell und kommerziell frei gegegeben war. Der Urheber entfernte dieses Bild irgendwann aus der Datenbank und behauptete gegenüber unserem Kunden, er hätte dieses niemals für kommerzielle freigegeben. Unser sehr fitter und Top-Anwalt (...) kann und konnte hier mit weitaus hilfreicheren Tipps und vor allem praktischen Know-How viele Zusatzkosten einsparen. Das Thema Internetrecht sollte also auf jeden Fall mindestens einmal von einem entsprechenden Anwalt beleuchtet werden