Anwälte können jetzt mit neuen Qualitätssiegeln auf sich aufmerksam machen. Ausgereift ist die Idee aber noch nicht.

Autos und Anwälte

Anwälte Meldung

Die Prüforganisation Dekra schaut nicht nur, ob Autos sicher sind. Über ihre Tochter Dekra Certifications vergibt sie nun auch ein Qualitätssiegel für Anwälte. Wer als Anwalt einen Multiple-Choice-Test im Erb-, Arbeits-, Straf- oder Familienrecht erfolgreich absolviert, kann sich ein Jahr lang auf Briefpapier und Homepage mit dem grünen Logo schmücken. Den Prüfungsstoff hat der Dekra-Partner „Deutsches Anwaltszentrum“ (DAZ) mit Rechtsprofessoren erarbeitet. Die ersten Anwälte haben den Test schon absolviert.

Kein Tätigkeitsnachweis

Zwar ist die Dekra renommiert – eine handfeste Orientierung für die Anwaltswahl bietet ihr Zertifikat den Rechtssuchenden aber noch nicht. DAZ und Dekra behaupten, dass es „eine solide Alternative zur Fachanwaltschaft“ darstelle. Doch für den Fachanwaltstitel – mit dem Anwälte bislang vornehmlich auf Erfahrungen und Arbeitsschwerpunkte hinweisen – wird wesentlich mehr verlangt. Ein Fachanwalt muss mehrere Klausuren bestehen, zahlreiche Seminare besuchen und nachweisen, dass er viele Fälle im betreffenden Rechtsgebiet bearbeitet hat. Im Arbeitsrecht beispielsweise 100. Das Dekra-Zertifikat hingegen bekommt, wer den Klausurstoff gut gelernt hat. Ob er im Rechtsgebiet intensiv tätig ist, besagt das Zertifikat nicht. Das aber könnten Rechtssuchende annehmen, wenn sie das grüne Logo sehen.

Kammer droht mit berufsrechtlichen Schritten

Längst streiten skeptische Fachanwälte und die Dekra vor Gericht um die Zertifizierung und die Anwaltskammer Köln droht mit berufsrechtlichen Schritten, wenn Anwälte mit dem Logo werben. Klein beigeben wollen DAZ und Dekra aber nicht. Sie überlegen jedoch, zukünftig ebenfalls einen Praxisnachweis zu verlangen.

Weiteres Siegel umstritten

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Umstritten ist auch das neue „Qualitätssiegel“ des Verbandes deutscher Prädikatsanwälte. Mit dessen Logo darf sich schmücken, wer als Anwalt einen Fachanwaltstitel, fünf Jahre Berufserfahrung und eine gute Note („Prädikat“) im Examen hat. Gegen diese Werbemöglichkeit geht die Anwaltskammer Nürnberg gerichtlich vor. Ein Prädikat sage nicht viel über die Qualität der anwaltlichen Arbeit.

Tipp

Wenn Sie einen Fachmann in einem Rechtsgebiet suchen, sollten Sie zumindest derzeit noch nach einem Fachanwalt Ausschau halten. Welche Fachanwälte es gibt und welche Rechtsfragen sie bearbeiten, steht unter www.test.de/fachanwalt.

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