Gute Technik. Damit Anti-Schuppen-Shampoos wirken, müssen Nutzer auch die Kopf­haut einschäumen.

Die meisten der elf Produkte im Test bekämpfen Schuppen gut und pflegen das Haar. Eines glänzt mit besonderer Leistung, drei fallen ab.

Mit leisem Schnurren zieht der Kamm seine Bahn durchs nasse Haar. Eine Sache von Sekunden. Dann steht die Maschine wieder still, in die Kamm und Haar­strähne einge­spannt und milli­metergenau ausgerichtet sind. Auf dem Computer­bild­schirm gleich daneben erscheinen Zahlen, eine Kurve zeichnet sich ab. Die Maschine hat errechnet, wie viel Kraft sie für das Kämmen der Haar­strähne aufbringen musste. Je geringer der Kraft­aufwand, desto besser: Schließ­lich wollen Verbraucher ihr Haar auch zu Hause möglichst leicht bändigen – auch jene, die unter Schuppen leiden und daher spezielle Shampoos verwenden.

Die Stiftung Warentest hat elf Anti-Schuppen-Shampoos unter die Lupe genommen, Discounter- und Markenware, darunter ein Naturkosmetikum. Unsere wichtigste Frage lautete: Wie gut wirken die Produkte gegen Kopf­hautschuppen? Zudem wollten wir wissen, wie sie das Haar pflegen. Glänzt es nach dem Waschen? Ist es geschmeidig und lässt sich leicht kämmen? Um das heraus­zufinden, haben sich mehr als 200 Männer und Frauen, die unter Schuppen leiden, vier Wochen lang für uns die Haare gewaschen und ihre Kopf­haut mehr­fach von einer Expertin kontrollieren lassen. Eine Friseurin hat an weiteren 20 Probanden pro Produkt geprüft, wie gut die Shampoos pflegen. Dazu kam der Test mit der schnurrenden Kämm­maschine.

Lidl schafft es an die Spitze

Das Ergebnis ist erfreulich. Lästiges Rieseln können Verbraucher gut behandeln, auch für wenig Geld. An der Tabellenspitze steht das Anti-Schuppen-Shampoo von Lidl. Es schneidet als Einziges im Test insgesamt sehr gut ab. 100 Milliliter kosten umge­rechnet 50 Cent. Noch güns­tiger und insgesamt gut sind die Shampoos von Aldi Süd und Aldi (Nord) sowie das Shampoo von Ross­mann. Im guten Mittel­feld landet Classic Clean des Markt­führers Head & Shoulders. Mit 1,02 Euro pro 100 Milliliter ist es etwa doppelt so teuer wie Lidls Spitzenreiter. Insgesamt ausreichend und damit Schluss­licht ist das einzige Naturkosmetikum im Test: das Shampoo von Logona. Im Vergleich mit einem Naturkosmetik­produkt aus einem früheren Test schneidet es zwar ordentlich ab – immerhin wirkt es gegen Schuppen. Bei der Pflege bleiben aber Wünsche offen.

Alle Shampoos bringen Linderung

Geschickt scheitelt die Expertin das Haar der Probanden. Mit geschultem Blick prüft sie die Kopf­haut: Haben die Shampoos die Schuppen erfolg­reich bekämpft? Sind Rötungen zurück­gegangen? Ihr Fazit fällt positiv aus: Alle geprüften Produkte wirken. Auch die Probanden ergänzen: Der Juck­reiz hat nachgelassen.

Diesen Effekt erzielen die meisten Hersteller durch sogenannte Antimykotika. Das sind Wirk­stoffe, die bestimmte Mikro­organismen auf der Kopf­haut bekämpfen, wie etwa die Hefe Malassezia furfur. „Deren Stoff­wechsel­produkte reizen die Haut und rufen Entzündungen hervor. Die Folgen sind Schuppen, manchmal auch Rötungen und Juck­reiz“, sagt Dr. Annika Vogt, Dermatologin am Haar­kompetenzzentrum der Berliner Charité (Interview).

Besonders häufig fanden wir in den Shampoos Piroctone-Olamine und Zink-Pyrithione, teils kombiniert mit anderen Wirk­stoffen. Einschüchtern lassen müssen sich Anwender davon nicht: Sie gelten als sicher und sind laut EU-Kosmetik­ver­ordnung zugelassen.

Mensch und Maschine: Mit Gefühl und Technik.
Kräf­temessen. Eine mit Shampoo aus dem Test gewaschene Strähne wird für die Kämm­kraft-Prüfung einge­spannt.
Fingerspitzengefühl. Eine Friseurin beur­teilt, wie gut die Produkte das Haar pflegen. Kämmen gehört dazu.

Eine natürliche Alternative? Jein

Zertifizierte Naturkosmetik­hersteller verzichten auf synthetisch hergestellte Antimykotika. Logona setzt gegen Schuppen statt­dessen auf Bio-Wacholderöl. Mit Erfolg. Das Produkt reduziert Schuppen immerhin befriedigend. In diesem Punkt liegt Logona gleich­auf mit Elvital Planta Clear von L‘Oréal, das Pirocton-Olamine enthält. Im Kampf gegen das Rieseln bietet Logona den Anhängern natürlicher Kosmetika also durch­aus eine Alternative.

Bei der Pflege sieht es anders aus. Als die Friseurin ins Haar der Probanden greift und einzelne Strähnen durch die Fingerspitzen gleiten lässt, ist sie mit zwei Shampoos unzufrieden. Es sind die Produkte von dm und Logona.

Die Messungen in der Zugprüfungs­maschine bestätigen das Urteil der Expertin. Um die Test­strähnen zu kämmen, die mit diesen beiden Shampoos gewaschen wurden, braucht die Maschine deutlich mehr Kraft als bei jenen, die mit den Konkurrenz­produkten behandelt wurden. Fazit der Leiterin des Test­labors: Den Shampoos gelinge es ganz offensicht­lich nicht, die äußere Schicht der Haare zu glätten. Das erhöht den Widerstand beim Kämmen.

Unser Rat

Nur das Anti-Schuppen-Shampoo von Lidl ist insgesamt sehr gut. Es kostet 50 Cent pro 100 Milliliter. Sieben Shampoos schneiden gut ab. Nivea Men (62 Cent) liegt in dieser Gruppe knapp vor den Produkten von Aldi Süd und Aldi (Nord), mit 17 Cent besonders günstig, sowie Schwarz­kopf Men für 96 Cent (Preise je 100 Milliliter).

Ohne Silkone geht es auch

Logona und dm verzichten in den Shampoos auf Silikone. Diese Stoffe glätten die Haar­oberfläche, machen die Mähne geschmeidig und leicht kämm­bar. Bei Umwelt­schützern und vielen Verbrauchern stehen sie aber in der Kritik, weil sie biologisch schwer abbaubar und ihre Auswirkungen auf die Umwelt noch ungeklärt sind. Im Test schafft nur Ross­mann den Drei­klang: gute Anti-Schuppen-Wirkung plus gute Pflege ohne Silikone.

Wirk­stoffe nicht wieder wegspülen

Langes oder strapaziertes Haar braucht­besonders intensive Pflege. Optimal für Schuppen­geplagte ist es, wenn schon das Shampoo gute Arbeit leistet. Denn: Die Wirk­stoffe müssen bei der Wäsche auf die Kopf­haut gelangen. Sie sollten mit zusätzlichen Pfle­gepro­dukten nicht gleich wieder weggespült werden. Wer auf Kur und Spülung nicht verzichten will, sollte diese nur in die Längen geben. Eine Alternative sind sogenannte Leave-on-Produkte, die Nutzer ins Haar sprühen oder einmassieren und nicht wieder ausspülen. Auch Dermatologin Vogt rät zur Zurück­haltung: „Weniger ist mehr, wenn es um die Anzahl der Pfle­gepro­dukte geht.“

Strähne und Schopf: Zweimal waschen mit System
Volle Länge. Damit für alle Haar­wasch­mittel gleiche Prüfbedingungen gelten, gibt eine Uhr die Zeit vor, in der die Tester Natur­haar­strähnen shampoo­nieren und spülen.
Halb und halb im Vergleich. Eine Friseurin scheitelt das Haar der Probandin in der Mitte. Eine Seite wäscht sie mit dem Stan­dard-Shampoo, die andere mit einem Test­produkt.

Maiglöck­chen-Duft in der Kritik

Um ein zartes Maiglöck­chenaroma hervorzurufen, setzen viele Hersteller den synthetischen Duft­stoff Butylphenyl Methyl­propional ein, auch Lilial genannt. Laut EU-Kosmetik­ver­ordnung ist das erlaubt. Weil Lilial aber vergleichs­weise oft allergische Reaktionen auslöst, muss er in der Inhalts­stoff­liste ab einer bestimmten Konzentration gesondert aufgeführt sein.

Einzelne Tier­versuche haben zudem gezeigt, dass Lilial die Fort­pflan­zungs­fähig­keit beein­trächtigen kann. Die wissenschaftliche Daten­lage genügte bislang nicht für eine abschließende Bewertung. 2015 haben Experten des wissenschaftlichen Ausschusses für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) Lilial in Kosmetika daher zunächst als „nicht sicher“ einge­stuft. Die Forscher hatten berück­sichtigt, dass Lilial in etlichen Produkten steckt und ihren Berechnungen vergleichs­weise hohe Konzentrationen zugrunde gelegt. Daher könnten Verbraucher hohen Gesamt­dosen ausgesetzt sein. Nun will der SCCS das Thema noch einmal aufgreifen und im Dezember dazu Stellung nehmen. Hintergrund: Die Interna­tional Fragrance Association, ein Verband der Duft­stoff­industrie, hat neue Daten zur Bewertung einge­reicht.

Im Test findet sich Lilial in der Inhalts­stoff­liste der Produkte von Lidl und Schwarz­kopf Men. Wegen der klaren Kenn­zeichnung und weil wir nur geringe Konzentrationen nachgewiesen haben, ziehen wir für diesen Einsatz von Lilial keine Punkte ab.

Allergiker sollten aufmerk­sam bleiben

Allergiker sollten die Liste der Inhalts­stoffe beim Kauf von Kosmetik­produkten in jedem Fall genau studieren und kritische Stoffe meiden. Das gilt nicht nur für Lilial, sondern auch für Isothiazolinone. Diese Konservierungs­stoffe haben wir bei Head & Shoulders gefunden. In Kosmetika, die auf der Haut verbleiben, wie Bodylotions oder Cremes, sind sie inzwischen verboten. Anders in Shampoos: Da sie wieder ausgewaschen werden, sind sie darin weiter zugelassen.

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