Antifaltencremes für die Nacht Test

Auf das Wundermittel gegen Falten müssen wir weiter warten. Doch im Rahmen des Machbaren zeigen immerhin sechs Nachtcremes „gute“ Anti-Age-Effekte.

Helena Rubinstein würde sich im Grabe umdrehen, wenn sie diese Testergebnisse zu Gesicht bekäme: Ihre Nachtcreme mit Antifalteneffekt ist nicht besser als die von Aldi, sondern sogar eine Spur schlechter. Unsere Untersuchung mit modernsten Messmethoden zeigt: Knappe Sieger nach Punkten sind nicht etwa teure Cremes aus der Parfümerie oder der Apotheke, sondern deutlich preiswertere aus dem Drogeriemarkt oder eben auch von Aldi. Die gibt es schon für 2,50 Euro pro 50-Milliliter-Tiegel. Bei Helena Rubinstein kostet die gleiche Menge mit 78,50 Euro mehr als das Dreißigfache.

Ingesamt erzielten von den 16 geprüften Nachtcremes nur 6 ein „gutes“ test-Qualitätsurteil: Aldi (Süd)/Lacura und die Gleichheit von Aldi (Nord)/Biocura Beauty, Diadermine Falten Expert 3 D, L’Oréal Dermo Expertise sowie Helena Rubinstein. Die „gute“ Creme von Lidl/Cien Beauty wird nicht mehr angeboten. Die restlichen sind „befriedigend“, die Nachtcreme von Vichy sogar nur „ausreichend“.

Entknittert und aufgepolstert

Antifaltencremes für die Nacht Test

Vorher, nachher: Nur selten ist die Verbesserung der Augenfältchen so klar zu sehen wie bei dieser Probandin. Besonders deutlich auf den farbigen, drei­dimensionalen Aufnahmen.

Schuld an dem nicht gerade berauschenden Testergebnis ist die Antifaltenwirkung, die keineswegs bei allen überzeugt. Doch gerade damit werben die geprüften Cremes ausdrücklich: „Falten, sogar ausgeprägte, werden entknittert“ verspricht zum Beispiel Garnier. Nacht für Nacht wird die Haut „wie von innen aufgepolstert“, sagen die Rubinstein-Werber. Und Biotherm spricht von einem „Neue-Haut-Effekt bei jedem Erwachen“. Diese Auslobungen verführen immer wieder dazu, tief ins Portmonee zu greifen und statt einer reinen Pflegecreme eine mit zusätzlicher Antifaltenwirkung zu kaufen. Gerade bei Nachtcremes sind diese Anti-Age-Produkte besonders gefragt.

Auch Vichy hält sich bei der Werbung für die Creme Lift­activ Pro Nacht nicht zurück: „Selbst ausgeprägte Falten werden gemildert und sichtbar korrigiert“, heißt es auf der Verpackung. Dabei bietet diese Creme die geringste Faltenreduzierung. Sogar die zum Vergleich mitgeprüfte Standard­emulsion war besser, obwohl sie gar keine Anti-Age-Wirkstoffe enthält.

Bruchteile von Millimetern

Hohe Erwartungen sind jedoch auch bei den anderen Cremes fehl am Platz. In unserer Untersuchung zeigte sich: Selbst die besten Nachtcremes verbessern das Hautbild nur kurzfristig und höchstens um Hundertstel Millimeter. Wenn eine Falte zum Beispiel ursprünglich 0,15 Millimeter tief ist und sich durch die Creme um 20 Prozent verringert, ist sie im Endeffekt 0,12 Millimeter tief. Das ist zwar heutzu­tage genau messbar, aber nur mit guten Augen und gutem Willen erkennbar. Und gegen tiefe Falten wie Krähenfüße oder Mimikfalten sind Cremes sowieso machtlos. Die bilden sich in tieferen Hautschichten, an die kein kosmetisches Mittel herankommt.

Doch auf Basis des Machbaren zeigten sich durchaus Unterschiede zwischen den Produkten. Die deutlichsten Effekte ließen sich bei den „guten“ Cremes feststellen. Wobei es sich auch hier nur um Bruchteile von Millimetern handelt, die die Tiefe der Falten abnimmt.

Genug Feuchtigkeit

Trotz minimaler „Entknitterung“ wirkte das Hautbild der Probandinnen nach dem Eincremen mit den getesteten Nachtcremes kurzfristig glatter und praller. Kein Wunder: Sie alle versorgen die Haut ordentlich mit der notwendigen Feuchtigkeit. Noch Stunden später war die Wirkung nachzuweisen. Alle geprüften Cremes sind mindestens „gute“ Feuchtigkeitsspender, RoC Retin-Ox +, Rilanja von Schlecker und Nivea Visage sogar „sehr gute“.

Zwölf Wochen lang im Test

Jeweils 30 Testerinnen haben jede Creme – die Verpackungen wurden neutralisiert – zwölf Wochen lang zweimal täglich angewendet. Und zwar die Testcreme auf der einen Gesichtshälfte, auf der anderen zum Vergleich eine Standardemulsion, deren gute hautpflegende Eigenschaft sich schon in anderen Tests bewiesen hat. Um festzu­stellen, ob die Falten geringer wurden, haben wir den Hautzustand der Probandinnen vor der Anwendung sowie vier und zwölf Wochen später in einem dreidimensionalen Verfahren fotografiert und dann mit speziellen Messmethoden analysiert und beurteilt. Die im Vergleich zu anderen Cremetests auf drei Monate verlängerte Prüfzeit brachte keine deutlicheren Ergeb­nisse. Wir konnten nicht feststellen, dass sich nach dreimonatiger Anwendung wesentlich mehr am Hautbild veränderte als nach vier Wochen.

Der Eindruck der Testerinnen

Natürlich haben wir auch die Probandinnen selbst nach ihrem Eindruck befragt. Die meisten fanden ihre Falten und Fältchen unverändert bis leicht verbessert. Manche sahen sogar deutlich weniger Falten. Vereinzelt gab es auch Testpersonen, die eine Verschlechterung empfanden. Oft wurde die Antifaltenwirkung der Ver­gleichs­emulsion gelobt, obwohl sie mit keinen Anti-Age-Wirkstoffen aufwartet.

Für die Anwendungseigenschaften vergaben unsere Prüferinnen fast durchweg Pluspunkte: Die Nachtcremes sind weder zu dick noch zu dünnflüssig, lassen sich einfach auftragen und verteilen, ziehen schnell ein, duften angenehm und hinterlassen ein gutes Hautgefühl.

Auch an der Verträglichkeit hatten die Prüferinnen nichts auszusetzen. Nur ganz vereinzelt kam es zu kurzfristigen Hautreaktionen wie Jucken oder Rötungen. Wer allerdings erfahrungsgemäß empfindlich auf bestimmte Inhaltsstoffe reagiert, sollte eine Creme erst einige Tage lang in der Armbeuge probieren, bevor sie auf das Gesicht aufgetragen wird.

Ob die Cremes Konservierungsstoffe, Emulgatoren, Parfüm und Farbstoffe enthalten, ist in den Tabellen zu finden. Diese Substanzen werden öfter als andere für Hautreaktionen verantwortlich gemacht.

Für die Frau ab 30

Jede dritte Frau benutzt eine Nachtcreme, meist zusätzlich zur Tagescreme, bei tro­cke­ner Haut manchmal auch als ausschließliches Pflegemittel. Frauen mit normaler oder fettreicher Haut brauchen keine spezielle Pflegecreme für die Nacht. So sind es denn auch vor allem Frauen ab Mitte 30 mit Neigung zu trockener Haut, die sich eine spezielle Nachtcreme kaufen. Im Unterschied zur Tagescreme ist sie oft gehaltvoller, also fettreicher.

Mittlerweile sind die Rezepturen auch so ausgeklügelt, dass man mit ihnen nicht mehr glänzt wie eine Speckschwarte. Aus hautärztlicher Sicht gibt es übrigens keinen Grund dafür, die Nachtcreme unbedingt aus der gleichen Serie zu kaufen wie die Tagescreme.

Verspricht die Creme-Werbung eine „Re­generation“ der Haut, sollte man sich dar­unter keine tiefergehende Wirkung vorstellen. Gemeint ist einfach ein gewisser Erholungseffekt, den eine gute Creme durchaus unterstützen kann. Skepsis ist angebracht, wenn es um die in der Werbung besonders betonten Wirkstoffe geht. Ob nun Ingwer, Kirschkernes­senzen, Hyaluronsäure, Provitamin B5 oder Coenzym Q 10 – Kosmetikexperten betonen: Entscheidend für die Qualität einer Creme ist die Komposition der Ge­samt­rezeptur.

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