Antibiotika Meldung

Diagnose Bronchitis? Dagegen sind Antibiotika oft nicht notwendig.

Chinolone und Fluorchinolone sind häufig verordnete Antibiotika. Ihr Einsatz kann aber schwere Neben­wirkungen haben – unter anderem Sehnenrisse, Nervenschäden, psychische Erkrankungen. Die Europäische Arznei­mittel­behörde EMA will ihre Verordnung deshalb stark einschränken. Betroffen sind bekannte Wirk­stoffe wie Cipro­floxacin, Levofloxacin oder Ofloxacin.

Medizi­nische Alleskönner mit Risiken

Cipro­floxacin und Co sind in Deutsch­land die am vierthäufigsten verordneten Antibiotika. Sie helfen effektiv gegen ein breites Spektrum von Bakterien, weshalb Ärzte sie gern verschreiben. Doch die Mittel können ernste Neben­wirkungen haben, darunter Sehnenrisse, Muskel­schmerzen, Haut- und Nervenschäden, psychische Probleme wie Angst­zustände, Verwirrung und Depression.

Tipp: Antibiotika gelten als gefähr­lich. Zu Recht? Wann helfen die Mittel – und was passiert, wenn Bakterien dagegen resistent werden? Wir klären 7 Mythen über Antibiotika auf.

Über­prüfung auf deutsche Initiative hin

Wissenschaftler machen schon länger auf die Risiken aufmerk­sam. Nun beschäftigte sich auch die europäische Arznei­mittel­behörde EMA damit. Auf deutsche Initiative hin leitete der zuständige Ausschuss 2017 ein Über­prüfungs­verfahren ein, dessen Ergeb­nisse nun vorliegen. Noch haben sie keine unmittel­baren Konsequenzen. Es ist aber davon auszugehen, dass die Packungs­beilagen bald geändert werden. Und schon jetzt liefern die Empfehlungen wert­volle Hinweise für Ärzte und Patienten.

Die neuen Empfehlungen im Über­blick

Nicht verordnen. Bei leichten bis mittel­schweren Infektionen sollen Ärzte Cipro­floxacin und verwandte Mittel nicht mehr verordnen – außer, andere Antibiotika sind nicht möglich.

Neben­wirkungen. Patienten, die schon einmal ernste Neben­wirkungen aufgrund der Mittel hatten, dürfen sie gar nicht mehr bekommen.

Risiko­gruppen. Mit Vorsicht einge­setzt werden sollten die Arzneien speziell bei Senioren, bei Menschen mit einer Nieren­funk­tions­störung oder nach einer Organ­trans­plantation und bei Patienten, die innerlich mit Kortison-Präparaten (Glucocorticoiden) behandelt werden. Hier ist das Risiko für Neben­wirkungen erhöht.

Cipro­floxacin und verwandte Mittel nur bei ernsten Infekten

Die Medikamenten-Experten der Stiftung Warentest bewerten die Mittel seit langem nur für spezielle ernste Lungen- und Blasen­entzündungen als geeignet. Der Nutzen muss die Nachteile über­wiegen. Bei harmloseren Infekten wie Bronchitis, Nasen­neben­höhlen- oder unkomplizierter Blasen­entzündung können Erkrankte zunächst einfache Maßnahmen ergreifen – etwa Nasenspülungen, Inhalationen und viel trinken. Müssen Antibiotika sein, sind andere Mittel vorzuziehen. Wer Chinolone oder Fluorchinolone einnimmt und Neben­wirkungen fest­stellt, sollte sie absetzen – um die Folgebe­hand­lung abzu­stimmen, in ärzt­licher Rück­sprache.

Tipp: Ihr Arzt verordnet ein Mittel, das auf „floxacin“ endet? Dann fragen Sie, ob es wirk­lich notwendig ist. Meist gibt es Alternativen. Welche das sind, zeigt unsere Daten­bank Medikamente im Test. Sie finden dort Bewertungen und aktuelle Preis­vergleiche zu über insgesamt 8 000 Arznei­mitteln für 183 Anwendungs­gebiete.

Unsere Meldung zu den Antibiotika ist am 3. April 2017 auf test.de erschienen. Wir haben sie am 7. November 2018 aktualisiert.

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