Antibabypillen Meldung

Moderne Antibabypillen bergen eine höhere Thrombosegefahr als ältere – und werden dennoch besonders oft verordnet. Das zeigt der aktuelle Arzneimittelreport der Barmer GEK. Die Autoren vermuten, dass Ärzte zu sehr auf Firmenwerbung hören. Frauen sollten darauf drängen, risikoärmere Präparate zu erhalten.

Pille feiert runden Geburtstag

Vor 50 Jahren kam in Deutschland die erste Antibabypille auf den Markt, ein Jahr nach Weltpremiere in den USA. Heute gibt es eine Fülle von Präparaten. Meist enthalten sie eine Kombination aus zwei weiblichen Geschlechtshormonen, den Östrogenen – fast immer Ethinylestradiol – und Gestagenen. Sie verhüten zuverlässig, bergen aber auch Gefahren. Vor allem erhöhen sie das Risiko für – mitunter lebensbedrohliche – Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel (Thrombosen) – und zwar neuere Präparate mehr als ältere.

Größeres Thromboserisiko durch moderne Pillen

Durch die älteren Standardpillen mit dem Gestagen Levonorgestrel kommt es zu etwa 20 Thrombosen pro 100 000 Frauen und Jahr, schreibt die europäische Arzneimittelbehörde. Auch das sind bereits mindestens doppelt so viele Fälle wie bei Frauen, die keine Pille einnehmen. Noch höher liegt das Risiko bei Einnahme der neueren, desogestrel- und gestoden-haltigen Präparate: Hier gibt es 30 bis 40 Thrombosen pro 100 000 Frauen und Jahr. Zu diesen neuen Präparaten zählen etwa Desmin, Femovan, Lamuna, Lovelle, Marvelon und Minulet.

Belastende Daten für Drospirenon

Als relativ gut verträglich galt bislang das noch neuere Gestagen Drospirenon. Es findet sich in den Präparaten Aida, Petibelle, Yasmin, Yasminelle, Yaz. Doch seit 2009 liegen auch dafür belastende Ergebnisse vor. Und die werden nun durch zwei aktuelle Studien an britischen und US-amerikanischen Pillenanwenderinnen bestätigt. Die eine zeigt für Drospirenon ein doppelt, die andere sogar ein dreimal so hohes Thromboserisiko im Vergleich zu Standardpräparate mit Levonorgestrel. Für ein viertes neues Gestagen namens Dienogest fehlen noch Daten zur abschließenden Bewertung. Es steckt im Präparat Valette.

„Marketinggeklingel der Firmen“

Valette war 2010 Marktführer unter deutschen Pillen – mit knapp drei Millionen verkauften Packungen, heißt es im aktuellen Arzneimittelreport der Barmer GEK. Auch Aida, Desmin, Lamuna und Yasmin sind unter den 20 meistverordneten Produkten. Professor Dr. Gerd Glaeske, Reportherausgeber und Leiter der Arzneimittelbewertungen der Stiftung Warentest, vermutet, dass Ärzte zu sehr auf „das Marketinggeklingel der Firmen“ hören. Der Grund: Die neuen, oft noch unter Patentschutz stehenden Präparate werden besonders intensiv beworben. Die Folge: Frauen schlucken Pillen mit erhöhten oder schwer einschätzbaren Risiken.

Standardpräparate sind vorzuziehen

Glaekes Empfehlung: Frauen sollten möglichst Standardpräparate mit niedrig dosiertem Ethinylestradiol und Levonorgestrel (etwa Femigoa, Leios, Leona, Microgynon, Minisiston Miranova, Monostep) nehmen. Zum Verhüten sind sie genauso sicher wie neuere Pillen – bezüglich Thrombosen sind sie sicherer.

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