Die Pille ist eine der sichersten Verhütungsmethoden. Und teuer muss sie auch nicht sein. Bei Antibabypillen, die für die meisten Frauen geeignet sind, können pro Monat mehr als elf Euro gespart werden.

Für die meisten Menschen ist Sex die schönste Nebensache der Welt. Doch wenn eine Liebesnacht nicht ohne Folgen bleibt, kann aus dem Vergnügen ein Problem werden – vor allem für Teenager und junge Frauen.

Heute können Frauen selbst bestimmen, wann sie schwanger werden wollen, ohne bei der Liebe einen Gedanken daran verschwenden zu müssen. Kleine bunte Dragees machen es möglich. Insbesondere für junge Frauen in festen Partnerschaften ist die Pille das Mittel der Wahl. 40 Prozent aller Frauen zwischen 14 und 44 setzen auf die Hormone zum Schlucken. Kein Wunder, schließlich ist diese Methode nicht nur recht komfortabel, sondern auch sehr sicher.

Und die Pille muss auch nicht teuer sein. Mit der günstigsten Pille unserer Auswahl, in der alle Präparate uneingeschränkt empfehlenswert sind, kostet die Verhütung gerade mal 3,27 Euro pro Monat. Das ist Nora-ratiopharm (9,80 Euro für die Dreimonatspackung). Für das teuerste Präparat Mikro-30-Wyeth sind 43,51 Euro in drei Monaten zu bezahlen. Daraus ergibt sich eine monatliche Ersparnis von gut elf Euro.

Mit Netz und doppeltem Boden

Die meisten Pillen sind aus Östrogenen und Ges­tagenen zusammengesetzt. Es sind künstlich hergestellte Hormone, die den natürlichen Sexualhormonen ähneln. Die Östrogene verhindern den monatlichen Eisprung. Gestagene verändern die Konsistenz des Schleims im Gebärmutterhalskanal. Dadurch werden die Spermien auf ihrem Weg in die Gebärmutter behindert. Außerdem beeinflussen sie den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut derart, dass eine befruchtete Eizelle es schwerer hat, sich einzunisten. Einige Gestagene beschleunigen dar­­ü­ber hinaus den Transport der Eizelle im Eileiter. Damit verringert sich der Zeitraum für eine mögliche Befruchtung.

Wie alles begann

Die hormonelle Empfängnisverhütung reicht weit zurück. Schon vor 4 000 Jahren verwendeten Ägypterinnen zerstoßene Granatapfelkerne in Wachs gerollt als Scheidenzäpfchen. Granatapfel enthält große Mengen eines pflanzlichen Östrogens, das den Eisprung verhindert haben könnte.

1951 gilt als das Geburtsjahr der Pille. Damals stellte ein Forscherteam unter George Rosenkranz und Carl Djerassi das erste wirksame Gestagen zum Einnehmen her. 1960 wurde Enovid als erste Pille in den USA eingeführt. Ein Jahr später brachte die Berliner Schering AG mit Anovlar die erste Pille auf den deutschen Markt, zunächst als Mittel gegen Menstruationsstörungen. Erst mit der sexuellen Revolution etablierte sich in den 70er Jahre die hormonelle Verhütung. An der Wirkungsweise hat sich seither nichts geändert, aber der Hormongehalt ist stetig gesunken.

Wer die Wahl hat

Heute gibt es eine Vielzahl verschiedener Pillen. Als Östrogenbestandteil enthalten jedoch fast alle Ethinylestradiol. Sind es 20 bis 30 Mikrogramm, spricht man von „Mikropillen“. Die werden heute üblicherweise verordnet. Abhängig davon, wie Östrogen und Gestagen über den Zeitraum von 21 Tagen in den Dragees verteilt sind, werden sie in Ein-, Zwei- und Dreiphasenpräparate unterteilt. Bei Sorten mit 28 Dragees sind sieben hormonfrei. Sie dienen nur dazu, den Einnahmerhythmus nicht zu verlieren. Minipillen enthalten nur Gestagene und werden täglich ohne Unterbrechung eingenommen. Schon lange auf dem Markt und bewährt sind die Standardgestagene Levonorgestrel und Norethisteron. Als das sicherste gilt derzeit Levonorgestrel. Zum gesundheitlichen Risiko neuerer Ges­tagene wie Desogestrel und Gestoden gibt es dagegen erst wenige Erkenntnisse.

Sicherheitsrisiko

Die Pille kann nur zuverlässig wirken, wenn die Hormone aus dem Verdauungstrakt ins Blut gelangen. Wer innerhalb von drei Stunden nach der Pilleneinnahme erbricht, muss die Einnahme innerhalb von zwölf Stunden wiederholen. Bei mehrmaligem Übergeben ist der Schutz für diesen Monat unsicher. Auch bei Durchfall sollte bis zur nächsten Regel zusätzlich eine weitere Verhütungsmethode angewendet werden.

Nicht ohne Nebenwirkungen

Da die Pille in den natürlichen Hormonhaushalt der Frau eingreift, kann sie auch eine Reihe von unerwünschten Wirkungen mit sich bringen. Deswegen sollten Sie die Pille auch nicht ohne ärztliche Untersuchung und Beratung über das Internet bestellen. Zu den häufigeren, aber eher harmlosen Nebenwirkungen, die den Östrogenen zugeschrieben werden, gehören Brustspannen und geringfügige Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen. Die Gestagene werden für Müdigkeit, depressive Stimmungen und Libidoverlust verantwortlich gemacht. Manchmal tauchen nach längerer Einnahme der Pille im Gesicht dunkle Pigmentflecken auf, die sich durch Sonneneinstrahlung verstärken. Treten in den ersten zehn Tagen nach Beginn des Einnahmezyklus Zwischenblutungen auf, liegt das meist an einem zu geringen Östrogengehalt, in der zweiten Einnahmehälfte deuten sie auf einen zu geringen Gestagenanteil hin. Der Körper braucht etwa drei Monate, um sich auf die Hormondosen einzustellen. Dauern unerwünschte Wirkungen länger, sollten sich die Frauen mit ihrem Arzt beraten und gegebenenfalls zu einem anderen Präparat wechseln.

Gefährliche Nebenwirkungen

Für die gefährlichen Nebenwirkungen spielt vor allem der Östrogenanteil eine wichtige Rolle – je geringer er ist, desto kleiner auch das Risiko. Deswegen sind nur in Ausnahmefällen Präparate mit einem Östrogengehalt von 40 Mikrogramm und mehr geeignet. Auch unter den Gestagenen gibt es einige, die ein größeres Risiko bergen als andere. So ist bei Einnahme von Pillen mit Gestoden oder Desogestrel das Thromboserisiko für Frauen unter 30 Jahren erhöht. Allgemein steigt jedoch das gesundheitliche Risiko durch die Pilleneinnahme für Frauen über 30.

Die Lebensweise wie Rauchen, falsche Ernährung und mangelnde Bewegung können die Risiken verstärken. Zu den seltenen, aber gefährlichen Nebenwirkungen der Pille gehören:

  • Thrombosen. Bei einer Thrombose bildet sich in den Venen ein Blutpfropf. Er verstopft den Blutweg oder wird bis zur Lunge fortgetragen, bleibt in einem Gefäß stecken und führt dort zu einer lebensbedrohlichen Lungenembolie.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für Frauen über 35, die rauchen oder zu hohen Blutdruck haben und schon lange die Pille einnehmen, erhöht sich das Schlaganfallrisiko.
  • Krebs. Die Diskussionen um das Brustkrebs­risiko der Pille sind noch nicht entschieden. Es ist wahrscheinlich dann größer, wenn mit der Pilleneinnahme vor dem 25. Geburtstag begonnen und nach dem 35. Geburtstag damit aufgehört wurde. Das Risiko für Gebärmutterhalskrebs verdoppelt sich nach mehr als zehnjähriger Einnahme der Pille. In Deutschland ist diese Krebsart aber relativ selten (etwa ein Fall unter 10 000 Frauen jährlich).
  • Gewebewucherungen in der Leber und Gallenblasenerkrankungen. Für Pillen-Anwenderinnen verdoppelt sich das Risiko für Erkrankungen der Gallenblase. Selten kommen auch gutartige Gewebewucherungen in der Leber vor, noch seltener sind bösartige Veränderungen. Vereinzelt hat sich daraus aber eine lebensbedrohliche Blutung in den Bauchraum entwickelt.

Achtung: Sie sollten die Pille sofort absetzen und ihren Arzt kontaktieren, wenn Sie migräneartigen Kopfschmerz zum ersten Mal oder ungewohnt stark bekommen, Doppelbilder sehen, es vor den Augen flimmert oder Sie nichts mehr hören, Lähmungen auftreten, Sie Schmerzen in der Leistenbeuge und Kniekehle zusammen mit Schwere- und Stauungsgefühl in den Beinen haben, der Blutdruck für längere Zeit auf über 140/90 mmHg ansteigt, Sie stark juckenden Nesselausschlag bemerken, extrem starke Schmerzen im Oberbauch auftreten, bei Diabetikerinnen, wenn mehrfach Überzuckerung vorliegt.

Nicht nur zum Schlucken

Hormone gibt es aber nicht nur zum Schlucken. Ebenfalls auf hormoneller Basis wirkt die Dreimonatsspritzte (Depo-Clinovir). Sie enthält nur ein Gestagen (Medroxyprogesteron). Es wird in den Gesäßmuskel gespritzt und aus diesem Depot über drei Monate kontinuierlich herausgelöst. Das verhindert den Eisprung. Für die gesamte Zeit bleiben die Blutungen aus. Nach dem Absetzen kann es bis zu einem Jahr dauern, bis sich wieder ein regelmäßiger Zyklus mit Eisprung einstellt. Deshalb ist die Dreimonatspritze nur für Frauen zu empfehlen, denen es nicht gelingt, regelmäßig die Pille einzunehmen oder die andere Verhütungsmethoden nicht vertragen. Außerdem muss der Zyklus vorher stabil gewesen sein.

Das Hormonimplantat Implanon, ein hormonhaltiges Stäbchen, wird unter die Haut des inneren Oberarms implantiert. Dort setzt es kontinuierlich über drei Jahre das Gestagen Etonogestrel frei. Der Erprobungsgrad des Gestagens als Einstoffpräparat ist noch gering und das mögliche Gesundheitsrisiko deswegen nicht einschätzbar.

Hormonfreie Alternativen

Kommt die Pille als Verhütungsmethode nicht infrage, gibt es hormonfreie Alternativen (siehe auch „Der Pearl-Index“:

  • Kalender- oder Rhythmusmethode nach Knaus-Ogino: Hierbei wird versucht, die fruchtbare Zeit auf Basis der vorangegangenen Zyklen rechnerisch zu ermitteln. Doch selbst ein regelmäßiger Zyklus unterliegt immer wieder Schwankungen. Das macht die Methode sehr unsicher.
  • Temperaturmessung/Schleimbeobachtung („natürliche Familienplanung“): Zur Zeit des Eisprungs steigt die Körpertemperatur von etwa 36,5 °C auf 37 °C und bleibt bis zur nächsten Blutung erhöht. Außerdem verändert sich die Konsistenz des Schleims, der vom Gebärmutterhals abgesondert wird. Durch Messung und Beobachtung dieser Veränderungen lassen sich die fruchtbaren bzw. unfruchtbaren Tage ermitteln.
  • Coitus interruptus („Aufpassen“): Kurz vor dem Samenerguss zieht sich der Mann zurück. Es kann aber unbemerkt Sperma in die Scheide gelangen.
  • Scheidenzäpfchen: Sie werden vor dem Verkehr eingeführt und entwickeln dort einen zähen Schaum. Der soll die Spermien daran hindern, den Muttermund zu erreichen und wirkt gleichzeitig spermientötend. Sie sollten zusammen mit Diaphragma oder Kondom angewendet werden.
  • Kondom (Präservativ): Bei richtiger Anwendung verhindert es relativ sicher eine Schwangerschaft und ist gleichzeitig der einzige Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten.
  • Diaphragma: Die gewölbte Membran aus Gummi mit einem elastischen Rand wird mit einem Spermien tötenden Gel bestrichen und so in die Scheide eingesetzt, dass sie den Muttermund verschließt. Es muss fachgerecht angepasst werden – in der Wachstumszeit, bei Gewichtsveränderungen von mehr als drei Kilogramm und nach einer Geburt jeweils erneut.
  • Spirale, Intrauterinpessar: Ein mit Kupfer umwickelter oder mit einem Hormon imprägnierter Kunststoffdraht wird in die Gebärmutter eingesetzt. Dort verhindert er, dass ein Ei befruchtet wird oder dass sich in der Gebärmutter ein befruchtetes Ei einnisten kann.
  • Sterilisation: Dabei werden beim Mann die Samenstränge in örtlicher Betäubung durchtrennt oder bei der Frau die Eileiter in Vollnarkose durchtrennt oder verschlossen. Beides eignet sich nur für Paare ohne (weiteren) Kinderwunsch.

Dieser Artikel ist hilfreich. 4709 Nutzer finden das hilfreich.