Anti-Pickel-Mittel Test

Mit der Umstellung des Hormonhaushalts kommen oft Hautprobleme.

Pfirsichhaut statt Pickel – davon können viele Jugendliche nur träumen. Ihre Hoffnung sind Anti-Pickel-Mittel. Doch nicht alle helfen „gut“.

Leo, 15 Jahre, mag eigentlich nicht mehr in den Spiegel sehen. Hier ein Mitesser, da zwei, links und rechts ein paar eitrige Pickel und dann noch ein gerötetes Kinn. Soll er so in die Disko gehen? Okay, da ist es immerhin dunkel. Aber in der Schule ist seine Aknehaut im Tageslicht gnadenlos sichtbar. Leo leidet. Pickel können auch an der Seele zu Narben führen, nicht nur im Gesicht.

Leo könnte zum Hautarzt gehen. Lieber ist ihm, was die Werbung suggeriert: der kurze Weg in die Drogerie. Dort sind die Regale gut gefüllt mit diversen Mitteln gegen die leichte jugendliche Akne, oft auch unreine Haut genannt. Die Werbeversprechen klingen richtig gut: „sichtbar reinere Haut in drei Tagen“ oder „reduziert Pickel wirksam in zwei Tagen“. Leo kauft einen Stift und findet seine Pickel nach einigen Tagen kleiner. Weg sind sie aber nicht. Leo ist nicht zufrieden, nicht wirklich.

Test: Drei „gute“ Mittel

Anti-Pickel-Mittel Test

Ausgepackt: Das Neobio-Gel,

Drogerien und Apotheken bieten viele kosmetische Produkte gegen die typischen Akneerscheinungen – von Waschlotionen bis zu Gesichtsmasken, Wässerchen, Cremes oder Abdeckstiften. Einige versprechen sogar, die Entstehung von Mitessern, Pickeln und Pusteln zu bremsen. Zwölf Produkte haben wir ausge­sucht, die nicht Vorbeugung, sondern Abhilfe versprechen. Das sind vor allem Stifte, Gele und Pflästerchen, die man gezielt auf einzelne Stellen aufträgt.

Dreimal gab es das test-Qualitätsurteil „gut“, neunmal (inklusive Produktgleichheiten) ein „Befriedigend“. Das ist nicht schlecht, zeigt aber: Wunder sind nicht zu erwarten – doch öfter mal Linderung für die geplagte Haut und die wunde Seele. Ob Leo das reicht?

Werbeversprechen: Nicht konkret

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der Pickeltupfer von Logona,

Was Leo nicht weiß: Kosmetische Werbe­aussagen muss man zu lesen wissen. Wohlweislich verspricht kein Hersteller konkret, dass sein Produkt die Pickel in zwei oder drei Tagen verschwinden lässt. Formulierungen wie „reduziert wirksam“ lassen vieles offen. Denn wie sieht ein reduzierter Pickel aus? Reicht es, wenn er 10 Prozent kleiner ist? Oder sollten es schon 50 Prozent sein? Und was bedeutet „sichtbar reiner“ für die Haut? Es entzieht sich einer klaren Definition.

Hinzu kommt: Möglicherweise wären Leos Pickel ja auch von allein besser geworden. Akne ist unberechenbar und der Verlauf bei jedem anders. Beim einen kommen und gehen die Pickel schneller, beim anderen langsamer. Fest steht nur: In einigen Tagen, schlimmstenfalls Wochen, sind diese Pickel sowieso weg.

Fest steht bis zum Ende der Aknezeit allerdings auch das: Während einige Pickel schwinden, erblühen andere gleich daneben. Dagegen lässt sich kosmetisch nicht viel machen, eher schon medizinisch beispielsweise mit Antibiotika („Was gegen die Pickel hilft“). Den Gang zum Arzt scheuen aber viele Jugendliche, vor allem die männlichen.

Jugendliche: Die Sachverständigen

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der Aok-Anti-Pickel Stick,

Wir haben uns beim Test dieser kosmetischen Mittel auch auf die kompetentesten Sachverständigen verlassen, die es gibt: die Jugendlichen selbst. Sie wissen am besten, wie sich Mitesser und Pickel bei ihnen normalerweise entwickeln und sie können am besten sagen, ob Sticks, Gele oder Pflästerchen tatsächlich zur schnelleren Abheilung beitragen.

Der Test war aufwendig: Jedes Produkt wurde von insgesamt 30 weiblichen und männlichen Jugendlichen beurteilt. Sie erhielten überklebte Produkte, sodass die Marke nicht erkennbar war, und wendeten sie zwei Wochen lang je nach Bedarf und Gebrauchsanleitung an. Dabei notierten sie täglich, wie sich ihre Haut verhielt, ob Rötungen und Reizungen auftraten, vor allem aber, ob das Mittel auf die behandelten Pickel besser oder schlechter wirkt, als wenn sie gar nichts getan hätten. Ein Hautarzt kontrollierte unter anderem, ob die Jugendlichen entgegen der Anweisung Pickel ausgedrückt hatten. So etwas hinterlässt sichtbare Spuren.

Die Ergebnisse in der Tabelle „Anti-Pickel-Mittel“ sind Durchschnittsnoten. Wie bei allen Kosmetika zeigte sich: Die Wirkungen können bei den Anwendern individuell sehr unterschiedlich sein. Zum Beispiel bei der Clearasil Akut Pickel-Creme, mit der Note 2,3 im Qualitätsurteil am zweitbesten: Die meisten Tester bestätigten, dass ihre Pickel damit schneller als unbehandelt verschwanden, sechs Jugendli­che sahen allerdings keinen Unterschied.

Abheilen: Manchmal sogar langsamer

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die Pflästerchen von Rossmann.

Beim Garnier Jade Hautklar S.O.S. Anti-Pickel-Stift, mit der Note 2,2 knapper Testsieger, fanden zwei Jugendliche sogar, der Stift verlangsame die Abheilung, vier erlebten das Abheilen dagegen als viel schneller. Ob man nun aber seine Pickel behandelt oder nicht: Die Unterschiede sind erfahrungsgemäß nicht besonders groß und liegen im Bereich von wenigen Tagen.

Zufrieden: Ja, aber nicht begeistert

Verständlich also, wenn die jungen Tester recht zufrieden waren, aber selten richtig begeistert. Nur in etwa jedem zweiten Fall gaben sie an, das jeweilige Produkt selber kaufen zu wollen. In Zahlen: Der Favorit war der Garnier Jade Stift, den mehr als 70 Prozent gern wieder benutzen würden, das Schlusslicht, den Aok-Stick, nur etwa 45 Prozent der Jugendlichen. Gute Werte lagen bei rund 55 Prozent: bei den Anti Pickel Patches von Rossmann/Synergen, bei Clearasil, Logona und Neobio.

Dass der Duft von Sticks, Gelen und Cremes gelegentlich nicht gefiel („medizinisch“, „stechend“), störte die Zufriedenheit nicht. Nur die kleinen durchsichtigen Pflästerchen waren weitgehend geruchlos. Fast durchweg gute Noten gab es beim Hautgefühl. Die Mittel führten extrem selten zu Rötungen, Reizungen oder Brennen – und zwar unabhängig davon, ob es sich nun um konventionell-chemische Produkte handelte oder solche aus der Naturkosmetik (wie Logona).

Inhaltsstoffe: Viel heißt nicht besser

Fazit: Was Leos Haut hilft, tut nicht jedem seiner Freunde gut. Und es nützt auch wenig, sich beim Kauf eines neuen Gels oder Stifts nach bestimmten Inhaltsstoffen zu richten. Denn entscheidend für die Wirkung ist bei diesen Produkten offenbar nicht, ob Salizylsäure, Wasserstoffperoxid oder auch der entzündungshemmende Kamillenwirkstoff Bisabolol enthalten sind. Entscheidend ist vielmehr die gesamte Rezeptur. Es ist wie in der Küche: Wie etwas schmeckt beziehungsweise wirkt, liegt am Zusammenspiel der Zutaten und daran, wie sie verarbeitet wurden. Der Test zeigt im Übrigen auch, dass die Wirksamkeit nicht mit der Zahl der Inhaltsstoffe steigt. Rund 35 zählten wir bei der Benefit Ka Pow! Night Cream, die mit „befriedigend“ im hinteren Testfeld liegt. Die geringste Zahl, nämlich neun, hat Clearasil, das „gut“ wirkte.

Wirkstoffe: Meist antibakteriell

Salizylsäure ist in den meisten Testprodukten enthalten. Sie wirkt antibakteriell und hilft je nach Konzentration, die Hornschicht auf der Haut – beispielsweise bei Mitessern – zu lösen.

Alkohol dient oft als Lösungsmittel für die Wirkstoffe, wirkt außerdem antibakteriell und kann die Haut entfetten.

Wasserstoffperoxid, ebenfalls antibakteriell, fanden wir nur bei Clearasil.

Zinkverbindungen gibt es oft in abdeckenden, pastenähnlichen Zubereitungen. Zink wirkt leicht austrocknend und schwach antibakteriell.

Preise: Schwer zu vergleichen

Wie viel Leo und seine Freunde für solche Anti-Pickel-Mittel ausgeben, hängt außer vom Preis vor allem vom Verbrauch ab. Und dabei spielt die Zahl der Pickel eine Rolle, ebenso die Konsistenz von Creme oder Gel. Und natürlich, ob Leo das alles großzügig aufträgt oder eher knapp. Das macht exakte Preisvergleiche praktisch unmöglich. Bei den meisten Produkten dürfte man – vorsichtig kalkuliert – mit 50 Cent bis ­1 Euro pro Woche hinkommen. Bei Pflastern entscheidet die Zahl der Pickel: Fünf Pflästerchen pro Nacht würden Leo pro Woche etwa 2 Euro kosten.

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