Anti-Aging

Interview: Juristisches Niemandsland

25.08.2005

Viele Berufsgruppen wollen am Jugendkult verdienen. Rechtliche Standards gibt es bislang kaum.

Inhalt

Wer darf Anti-Aging-Beratung und entsprechende Behandlungen anbieten?

Es sind viele neue Berufsbilder entstanden, zum Beispiel der Anti-Aging-Berater, Personal- oder Wellnesstrainer. Meistens sind diese Bezeichnungen nicht geschützt, die Ausbildung nicht einheitlich geregelt. Juristisch gesehen dürfen sie – wie Kosmetiker – alles anbieten, was keine Heilkunde ist, also nicht in den therapeutischen Bereich fällt. Die Gefahr, hier in eine rechtliche Grauzone zu geraten, ist aber vergleichsweise hoch, da die Rechtsprechung bislang vieles offen lässt.

Wo verläuft denn die Grenze zwischen Anti-Age-Behandlung und Heilkunde?

Da, wo ein kranker Mensch behandelt wird: Ernährungsberater ohne Approbation dürfen Esspläne für gesunde Vollschlanke aufstellen, aber nicht für stark Übergewichtige oder andere essgestörte Personen. Ein Wellnesstrainer darf eine klassische Bindegewebsmassage, aber keine chiropraktischen Techniken anwenden. Personal-Trainer dürfen Sportprogramme erstellen, aber nicht bei krankhaften orthopädischen Problemen. Anti-Age-Berater dürfen allgemein präventiv beraten, aber keine individuelle medizinische Therapie empfehlen.

Welche Behandlungen darf die Kosmetikerin anwenden?

Alle pflegenden Maßnahmen, die keine gesundheitlichen Risiken in sich bergen und kein ärztliches Fachwissen erfordern. Wo die Grenze zwischen Kosmetik und Medizin verläuft, ist allerdings nicht festgelegt. Es gibt lediglich Urteile zu Einzelfällen, also immer dann, wenn bereits jemand geklagt hat. Botox-Spritzen zum Beispiel wurden von der Rechtsprechung als Heilkunde eingeordnet. Das Gleiche gilt für Akupunktur. Trotzdem lassen manche Kosmetiker es darauf ankommen. Zunächst droht ihnen nur ein Bußgeld, erst bei Wiederholung die Schließung des Studios.

Wer darf Beauty-OPs durchführen?

Grundsätzlich kann jeder approbierte Arzt ästhetisch-plastische Operationen durchführen. Im Falle einer Klage muss er sich aber vor Gericht verantworten und glaubhaft darstellen, dass er keinen Kunstfehler begangen, sondern gewissenhaft und gemäß seiner Fachkenntnisse gehandelt hat. Auch Heilpraktiker dürfen Operationen vornehmen, aber nur kleinere wie zum Beispiel bei altersbedingten Warzen oder Hautflecken.

Wie kann ich denn einen entsprechend qualifizierten Chirurgen erkennen?

Für plastische Chirurgen gibt es den Zusatz „ästhetische Chirurgie“. Für Fachärzte der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie die Zusatzbe-zeichnung „plastische Operation“. Die besagt, dass der Arzt sich drei Jahre auf diesem Gebiet weitergebildet und eine Prüfung abgelegt hat. Für die übrigen Fachärzte wie Dermatologen, Augenärzte oder Gynäkologen sind diese Standards leider noch nicht eingeführt, obwohl ärztliche Fachverbände das dringend fordern.

Was deutet auf Unseriosität hin?

Sobald eine übertriebene Wirkung versprochen wird, ist Vorsicht geboten. Nahrungsergänzungsmittel werden häufig mit medizinischer Wirkung oder mit Hinweis auf ausländische Studien oder Professoren beworben. Bei Schönheitsoperationen sind Risikoaufklärung und Bedenkzeit besonders wichtig.

Was, wenn schon etwas passiert ist?

Die Verbraucherzentralen bieten kostengünstig qualifizierte Beratung an. Bei den größeren gibt es Rechtsanwälte, die auf Patientenrecht spezialisiert sind. Sie können eine erste Einschätzung geben, ob eine Klage eine Chance hat und spezialisierte Anwälte empfehlen. Bei ärztlichen Kunstfehlern sind auch die Schlichtungsstellen der Ärztekammern Anlaufstellen. Meist entscheiden sie aber zugunsten der Ärzte.

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