Bei der gesetzlichen Krankenversicherung steigen auf breiter Front die Beiträge. Über 100 Krankenkassen haben zum Jahreswechsel den Beitragssatz erhöht. Um bis zu 1,6 Prozentpunkte mehr kassieren sie. Doch es gibt einen Ausweg: Bei jeder Beitragserhöhung können Versicherte kündigen und sich eine günstigere Kasse suchen. Das ist ganz einfach und lohnt sich. Je nach Gehalt und Kasse sind monatlich bis zu 67,69 Euro Ersparnis möglich. test.de sagt, welche Kassen mehr kassieren, wie viel Ersparnis möglich ist und wie Sie wechseln.

Auch BEK, DAK und Techniker betroffen

So etwas hat in der langjährigen Geschichte des Beitragsvergleichs der Stiftung Warentest noch nicht gegeben: Bei mehr als der Hälfte der fast 200 Krankenkassen steigt der Beitragssatz. Auch die drei größten Kassen sind betroffen. Die meisten der rund 5,2 Millionen Mitglieder der Barmer Ersatzkasse (BEK) müssen künftig einen Beitragssatz von 14,4 statt 13,8 Prozent zahlen. Diesen Beitrag teilen sich die Versicherten mit ihrem Arbeitgeber. Die Arbeitnehmer allein müssen sich den Abzug von weiteren 0,9 Prozent vom Bruttogehalt zugunsten der Krankenkasse gefallen lassen. Auch die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) wird teurer. Für die rund 4,7 Millionen Mitglieder gilt ab sofort ein allgemeiner Beitragssatz von 14,5 Prozent (+0,7). Die gut 4 Millionen Mitglieder der Techniker Krankenkasse zahlen künftig 13,5 statt 13,2 Prozent.

Steigerung um fast 30 Euro

Den größten Beitragssprung macht die AOK Rheinland-Pfalz. Die meisten der rund 850 000 Mitglieder der Kasse müssen im Januar 1,6 Prozentpunkte mehr zahlen als im Dezember. Bei einem Angestellten mit einem Bruttogehalt von 3 000 Euro ist das eine Mehrbelastung von 24 Euro monatlich. Noch einmal die gleiche Zusatzbelastung trifft den Arbeitgeber. Die teuersten Krankenkassen sind nach den Beitragssteigerungen die AOK Berlin und die AOK Saarland. Bei ihnen liegt der allgemeine Beitragssatz jetzt bei einem Rekordwert von 15,8 Prozent. Die günstigste Krankenkasse überhaupt ist die IKK Sachsen. Die für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen geöffnete Kasse kommt mit 11,8 Prozent aus. Die günstigste bundesweit zugängliche Krankenkasse ist die IKK direkt. Sie hat einen Beitragssatz von 12,0 Prozent. Das Einsparpotenzial ist gewaltig: Ein Angestellter mit 3 562,50 oder mehr Euro Bruttogehalt würde durch einen Wechsel von der AOK Berlin oder Saarland zur IKK direkt 67,69 Euro im Monat und 812,25 Euro im Jahr sparen.

Chance zum Wechsel

Gut für gesetzlich Krankenversicherte: Sie haben bei einer Beitragserhöhung ein Sonderkündigungsrecht und können zu einer günstigeren Krankenkasse wechseln. Das macht kaum Mühe: Als Kündigung reicht ein einfacher Brief mit einem Text wie diesem. Der Brief muss innerhalb von zwei Monaten ab Start der Beitragserhöhung ankommen. Die alte Krankenkasse ist dann verpflichtet, innerhalb von zwei Wochen eine Kündigungsbestätigung auszustellen. Mit dieser Kündigungsbestätigung können Versicherte Mitglied einer beliebigen neuen Krankenkasse werden. Diese darf sich nicht weigern. Alle gesetzliche Krankenversicherten haben das Recht, ihre Kasse frei zu wählen. An die neu gewählte Krankenkasse sind sie 18 Monate gebunden. Danach können Sie erneut wechseln. Bei einer Beitragserhöhung ist der Wechsel auch vor Ablauf der 18 Monate möglich.

Unterschiede bei Leistungen und Service

Der Beitragssatz ist nach wie vor das wichtigste Argument für oder gegen eine Krankenkasse. Rund 95 Prozent der Leistungen sind gleich. Unterschiede gibts bei den restlichen Leistungen und beim Service. Wer besondere Leistungen wie spezielle Chronikerprogramme, erweitere Haushaltshilfe im Krankheitsfall oder telefonische Beratung am Wochenende in Anspruch nehmen möchte oder auf besonderen Service Wert legt, muss genau vergleichen. Die Daten dazu liefert der Finanztest-Vergleich Krankenkassen.

Im Überblick: Alle Beitragssteigerungen und Sparchancen
Im Detail: Alle Beitragssätze von knapp 200 Krankenkassen
Für den Kassenwechsel: Mustertext und Tipps für die Kündigung
Zur Berechnung: So viel können Sie sparen
(Excel-Arbeitsblatt, 23 KB; funktioniert nur, wenn Excel oder ein kompatibles Ta­bel­len­kal­ku­la­tions­pro­gramm installiert ist)

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