Vier Augen sehen oft mehr als zwei. In bestimmten Fällen kann es ratsam sein, einen zweiten Arzt hinzuzuziehen.

Gesetzlich Kranken­versicherte können vor jeder OP eine zweite ärzt­liche Meinung einholen. Dafür kommt die Krankenkasse auf. Mitunter haben sie Anspruch auf das „strukturierte Zweitmeinungs­verfahren“.

Zweitmeinungs­verfahren ist kostenlos

Für Patienten ist das geregelte Zweitmeinungs­verfahren kostenlos. Es gilt derzeit für folgende geplante Eingriffe:

  • Operationen an den Gaumen- und/oder Rachenmandeln: Tonsill­ektomien (voll­ständige Entfernung) und Tonsillotomien (Teil­entfernung)
  • Entfernung der Gebärmutter (Hyster­ektomien)
  • Gelenk­spiege­lungen an der Schulter (Arthroskopien)
  • Neu: Einsetzen einer Knie-Endo­prothese (künst­liches Kniegelenk)

Arzt muss aktiv über Patientenrechte informieren

Der Gemein­same Bundes­ausschuss hat das strukturierte Zweitmeinungs­verfahren Ende 2018 beschlossen. Das Gremium regelt, welche Leistungen Krankenkassen über­nehmen. Ärzte müssen demnach, wenn sie eine entsprechende Operation empfehlen, ihre Patienten spätestens zehn Tage vor dem geplanten Eingriff darüber aufklären, dass sie das Recht auf eine zweite ärzt­liche Meinung haben.

Zudem müssen Ärzte ihren Patienten vor dem geplanten Eingriff ein Patientenmerk­blatt aushändigen, das über das Zweitmeinungs­verfahren informiert, inklusive Links zur Arzt­suche.

Wichtig: Das Verfahren zum Einsetzen eines künst­lichen Kniegelenks ist zwar seit Januar 2021 schon in Kraft, Patienten müssen sich aber noch etwas gedulden, bevor sie es in Anspruch nehmen können. Noch gibt es keine registrierten Ärzte, nach denen Patienten suchen können.

Zweit­gut­achter darf nicht selbst operieren

Patienten können sich auch an die zuständige Kassen­ärzt­liche Vereinigung (KV) ihres Bundes­landes wenden, um geeignete Ärzte zu finden. Am Verfahren mitmachen dürfen nur lang­jährig erfahrene Fach­ärzte in dem jeweiligen Gebiet.

Im Bereich der Schulter­arthroskopie sind dies etwa Fach­ärzte für Ortho­pädie und Unfall­chirurgie. Sie müssen bei Diagnostik und Therapie auf dem neuesten medizi­nischen Stand sein. Die unabhängige Zweitmeinung darf nicht gefährdet sein: Behand­lung oder Operation durch den beratenden Fach­arzt sind nicht erlaubt.

Befund besprechen, Behand­lungs­alternativen nennen

Im Zweitmeinungs­gespräch beur­teilt der beratende Arzt, ob der geplante Eingriff medizi­nisch notwendig ist oder ob es Behand­lungs­alternativen gibt. Zur Beur­teilung reichen meist Befunde und Unter­suchungs­ergeb­nisse, die Patienten von ihren Ärzten erhalten. Diese müssen die Daten aushändigen. Weitere Unter­suchungen finden nur statt, wenn sie zwingend notwendig sind für den Befund.

Viele Kassen bieten auch zu anderen Diagnosen Zweitmeinung an

Viele Krankenkassen bieten ein Zweitmeinungs­verfahren aber bereits jetzt für weitere Diagnosen an – etwa bei ortho­pädischen Erkrankungen an Knie und Hüfte sowie bei kardiologischen Beschwerden.

Die Kassen haben hierzu Verträge mit bestimmten Ärzten geschlossen. Im Krankenkassenvergleich der Stiftung Warentest bieten derzeit (Stand März 2021) 58 von insgesamt 73 Kassen das Zweitmeinungs­verfahren an. Unabhängig davon können Kassenpatienten weiterhin auch auf eigene Faust zu einem zweiten Arzt gehen – etwa wenn sie unsicher sind, ob eine empfohlene Behand­lung wirk­lich notwendig ist.

Diese Meldung ist erst­mals am 12. Januar 2019 auf test.de erschienen. Sie wurde am 29. März 2021 aktualisiert.

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