Mit dem Wechsel zu einer güns­tigeren Bank sparen Haus­eigentümer oft tausende Euro. Der Aufwand ist geringer, als viele denken.

Wenn die Zins­bindung ihres Darlehens endet, können Haus­eigentümer jetzt doppelt sparen: Weil die Zinsen noch nie so nied­rig waren wie heute, wird ihr Anschluss­kredit viel billiger als bisher. Außerdem haben sie die Chance, zu einer güns­tigeren Bank zu wechseln.

Doch viele Kreditnehmer halten ihrer Bank fest die Treue, nehmen gleich das erste Verlängerungs­angebot an – und zahlen am Ende ein paar tausend Euro mehr Zinsen als nötig.

Professor Markus Nöth, Inhaber des Lehr­stuhls für Bank­betriebs­lehre und Behavioral Finance an der Universität Hamburg, hat dafür eine einfache Erklärung: „Viele über­schätzen den Aufwand und die Kosten für einen Bank­wechsel. Die mögliche Zins­ersparnis wird dagegen oft unter­schätzt.“

Nöth und sein Team haben 343 Bürger nach ihren Erfahrungen und Einschät­zungen zu Anschluss­finanzierungen befragt. Teilnehmen konnten Immobilien­eigentümer und alle, die es in den nächsten Jahren werden wollen. Die Studie zeigt: Irrtümer über Kosten und Nutzen einer Umfinanzierung sind weit verbereitet. Wir klären auf.

Irrtum 1: Es gibt nur geringe Zins­unterschiede

Fast ein Drittel der Teilnehmer meinten, dass sich die Hypothekenzins­sätze der Banken höchs­tens um einen halben Prozent­punkt unterscheiden. Tatsäch­lich sind die Zins­unterschiede mehr als doppelt so hoch.

Die Topanbieter in den Finanztest-Vergleichen vergeben ihre Kredite regel­mäßig um mehr als einen Prozent­punkt güns­tiger als teure Banken. Bei einem 100 000-Euro-Darlehen mit zehn Jahren Zins­bindung summiert sich der Unterschied auf fast 10 000 Euro (siehe Grafik).

Irrtum 2: Ein Bank­wechsel ist teuer

Bei einem Bank­wechsel fallen vor allem Kosten für die Über­tragung der Grund­schuld auf die neue Bank an. Die Wissenschaftler der Uni Hamburg fragten: Wie viel muss der Kreditnehmer zahlen, wenn die Grund­schuld 200 000 Euro beträgt? „Mindestens 600 Euro“, antwortete jeder Dritte. Jeder Fünfte schätzte die Kosten sogar auf 900 Euro und höher.

Tatsäch­lich betragen die Notar- und Grund­buch­gebühren in diesem Fall meist nur 285 Euro. Dazu kommt mitunter eine „Treu­hand­gebühr“ von beispiels­weise 100 Euro an die alte Bank. Diese Gebühr ist allerdings umstritten. Die Verbraucherzentralen und die Ombuds­leute des Verbands privater Banken halten sie für unzu­lässig – die Ombuds­leute der Volks- und Raiff­eisen­banken sagen das Gegen­teil.

Selbst mit Treu­hand­gebühr liegen die Wechsel­kosten aber selten höher als 0,2 bis 0,3 Prozent der Darlehens­summe. Viele Banken über­nehmen sogar die Notar- und Grund­buch­kosten, um neue Kunden zu gewinnen.

Irrtum 3: Ein Bank­wechsel ist kompliziert

Richtig ist: Ganz ohne Aufwand lässt sich ein Bank­wechsel nicht über die Bühne bringen. Der Kreditnehmer muss mehrere Angebote einholen und vergleichen, über die Konditionen verhandeln, vielleicht auch Rat bei einer Verbraucherzentrale suchen.

Doch so aufwendig, wie es viele Banken ihren Kunden weismachen wollen, ist ein Bank­wechsel nicht. Die neue Bank will zwar für die Kreditprüfung eine Reihe von Dokumenten sehen, zum Beispiel Lageplan, Wohn­flächenbe­rechnung und Bauzeichnungen. Doch diese Unterlagen können die meisten einfach dem Akten­ordner entnehmen, den sie für ihre Erst­finanzierung angelegt haben. Meist müssen sie nur für 10 bis 18 Euro einen aktuellen Grund­buch­auszug beim Grund­buch­amt neu besorgen.

Um die Abwick­lung des Bank­wechsels muss sich ein Kreditnehmer nicht selbst kümmern. Das regeln die Banken unter­einander.

Irrtum 4: Ein Wechsel lohnt sich meist nicht.

Fast die Hälfte der Befragten meinte: Ein Wechsel lohnt sich nur, wenn die neue Bank den Zins­satz der alten mindestens um einen halben Prozent­punkt unterbietet.

Tatsäch­lich holen Kreditnehmer die reinen Wechsel­kosten schon bei einem Zins­vorteil von 0,05 bis 0,10 Prozent­punkten wieder herein. Ist die neue Bank um einen halben Prozent­punkt güns­tiger, sind sie meist schon mehrere tausend Euro im Plus.

Das hohe Spar­potenzial bestätigten diejenigen unter den Befragten, die bereits einen Bank­wechsel hinter sich haben. Die Hälfte von ihnen gab an, sie hätten im Vergleich zum Angebot ihrer alten Bank mindestens ein Prozent Zinsen im Jahr gespart.

Dieser Artikel ist hilfreich. 82 Nutzer finden das hilfreich.