Banken müssen Kunden mit Lehman-Zertifikaten die Anmeldung von Insolvenzforderungen ermöglichen. Sie dürfen sie nicht nur auf ein selbst initiiertes Sammelverfahren verweisen. Das hat das Landgericht Bochum entschieden. Die Citibank muss jetzt die für die Anmeldung der Forderung nötigen Daten liefern.

Nur noch wenig Zeit

Für Lehmann-Opfer läuft die Zeit: Bis Freitag, 23. Oktober, müssen sie für ihre Lehman-Zertifikate eine so genannte Sperrnummer beantragen, um beim Insolvenzverfahren in den USA ihre Forderungen anmelden zu können. Ohne Anmeldung gehen Anleger leer aus. Das Problem: Die Sperrnummer können Anleger nicht selbst beantragen. Zuständig ist die Bank, die das Zertifikat vermittelt hat. Wenn sie nicht mitzieht, wirds für Betroffene eng.

Erfolg vor Gericht

So geschehen im Fall Diethelm M.: Der Citibank-Kunde bekam keine Sperrnummer. Auf die von der Bank vorgeschlagene Anmeldung der Forderung im Sammelverfahren wollte er sich nicht einlassen. Schließlich wirft er der Bank Beratungsfehler vor und verlangt wegen seiner Verluste mit Lehman-Zertifikaten Schadenersatz. Er will daher die Vertretung seiner Interessen im Insolvenzverfahren nicht der Bank überlassen. Er schaltete Rechtsanwalt Hauke Maack ein. Dieser forderte die Bank zweimal vergeblich auf, die Sperrnummer mitzuteilen und zog dann vor Gericht. Mit Erfolg: Das Landgericht Bochum ordnete im Eilverfahren an, dass die Citibank die Sperrnummer herausgeben so betroffenen Kunden die Anmeldung von Konkurs-Forderungen ermöglichen muss.

Chance auf Schadenersatz

Die Citibank erklärte zur Gerichtsentscheidung: Alle Kunden haben die Wahl, ob sie am Sammelverfahren teilnehmen und die Anmeldung der Forderungen der Bank überlassen oder ob sie selbst tätig werden. Um selbst tätig zu werden, hätte Diethelm M. nur Widerspruch gegen die Teilnahme am Sammelverfahren einlegen müssen. Wichtiger noch für Lehman-Kunden: Sie haben Chancen auf Schadenersatz. Die Citibank zahlt von sich aus unter bestimmten Voraussetzungen auf Kulanzbasis einen Teil des Schadens. Außerdem liegen erste Gerichtsurteile vor, nach denen Lehman-Kunden oft falsch beraten wurden und daher Anspruch auf Schadenersatz haben. Wichtig in jedem Fall: Betroffene müssen etwaige Forderungen rechtzeitig geltend machen. Die Verjährungsfristen sind kurz. Zumindest Geldanleger, die mit Lehman-Zertifikaten größere Summen verloren haben, sollten sich so schnell als irgend möglich von einem in Geldanlagefällen erfahrenen Rechtsanwalt beraten lassen.

Landgericht Bochum, Beschluss vom 1. Oktober 2009

Aktenzeichen: I-1 O 361/09

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