Anleihen kaufen Test

Wer sich im Internet über ­Anleihenkurse informiert, hat einen Wissensvorsprung. Die Kurse in der Zeitung sind vom Vortag.

Pfandbriefe, Unternehmensanleihen – es gibt nicht nur Anleihen vom Bund. Manche ­bringen auch mehr Rendite. Doch Anleger müssen die Qualität der Papiere prüfen.

3,43 Prozent jährliche Rendite für einen Pfandbrief, der bis Februar 2008 läuft. Ist das ein gutes Wertpapier?

Den Pfandbrief hat die Landesbank Berlin aufgelegt. Anleihen wie diesen Pfandbrief können Anleger in ihrer Bankfiliale kaufen oder auch online über die Börse.

Die meisten Anleihen, die in den Depots von Privatanlegern liegen, gehen immer noch in der Bankfiliale über den Tresen. Der Anleger zahlt dort oft einen Festpreis: Die Rendite ändert sich im Laufe des Tages nicht wie an der Börse und die Kaufkosten sind eingerechnet.

Anleihenkauf am Bankschalter

Auch die 3,43 Prozent für den Pfandbrief sind ein Festpreis. Doch bringt der Pfandbrief überhaupt mehr als eine vergleichbare Bundesanleihe? Sie ist die Messlatte, denn Bundesanleihen sind sicher und bequem.

Die Renditen der Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit kann der Bankangestellte nachschauen. Der Kunde kann sie auch selbst feststellen. Sie stehen auf den Finanzseiten der Tageszeitungen und im Internet.

In der Financial Times Deutschland hat der Kunde an diesem Tag nachgeschlagen und für fünfjährige Bundesanleihen eine Rendite von durchschnittlich 3,46 Prozent pro Jahr (Ausgabe vom 26. März 2003) gefunden. Diese Rendite ist vom Vortag und gibt nur eine grobe Orientierung. Der Bankberater kann ihm die aktuelle Rendite der Bundesanleihe sagen: 3,43 Prozent.

Der Pfandbrief der Landesbank Berlin zum Festpreis bringt mit 3,43 Prozent genauso viel. Doch darin sind die Kaufkosten schon eingerechnet. Die müssen von der Rendite der Bundesanleihe noch abgezogen werden.

Häufig verlangen Filialbanken 0,25 bis 0,5 Prozent der Anlagesumme. Hält der Anleger die Bundesanleihe bis zur Fälligkeit, senken diese Kosten die Rendite auf 3,38 oder 3,32 Prozent. Letztlich bringt ihm der Pfandbrief also mehr als die Bundesanleihe.

Aber ist er auch genauso sicher? Jetzt kommt es auf die Bonität der Anleihe an. Die Ratingagentur Moody's hat die Bonität des Pfandbriefs der Landesbank Berlin mit dreifach A bewertet. Dies erfährt der Anleger von seinem Bankberater. Damit ist der Pfandbrief genauso sicher wie die Bundesanleihe.

Auf der Checkliste des Anlegers (siehe 'Anleihen richtig prüfen') steht noch die Liquidität der Anleihe. Sie gibt an, wie stark eine Anleihe gehandelt wird, und beeinflusst Kauf- und Verkaufspreise.

Doch der Anleger kauft zum Festpreis. Die Liquidität spielt deshalb keine Rolle. Sie käme nur ins Spiel, wenn er vor Ende der Laufzeit verkaufen möchte. Doch er will das Papier bis zur Fälligkeit halten. Der Pfandbrief kommt für den Anleger also infrage.

Anleihenkauf über die Börse

Anleger, die im Internet recherchieren, finden auch dort einige Festpreisangebote, zum Beispiel bei der DAB bank.

Sie können aber vor allem für alle börsengehandelten Anleihen die aktuellen Kurse abfragen und sie über die Börse kaufen. Manchmal werden sie Festpreisangebote und Börsenkurse für dieselben Anleihen finden. Ist der Börsenkurs günstiger und der Anleger hat ein Depot bei einem Discountbroker oder einer Direktbank, kann er schnell zuschlagen.

Anleger können in die Suchmaschinen Laufzeit, Sitz des Emittenten oder Währung der Anleihe eingeben und bekommen passende Papiere genannt. Sie können auch eine Wertpapiernummer eingeben.

Doch kaum eine Suchmaschine der Direktbanken informiert so umfassend, wie es für eine Anlageentscheidung nötig ist. Um Bonität und Liquidität zu prüfen, muss der Anleger noch andere Seiten nutzen.

Sehr umfassend informiert die Internetseite von maxblue. Wer auf der Internetseite von maxblue bei der Kurssuche die Wertpapierkennnummer 233 119 des Pfandbriefs eingibt, kommt zu einem Kursblatt, das über die aktuell gehandelten Renditen und Kurse (ohne Kaufkosten) informiert. Die Renditen liegen hier am 26. März bei 3,57 und 3,59 Prozent – je nach Börsenplatz.

Für einen Vergleich sollte er aber nur Kurse heranziehen, die an diesem Tag auch gestellt wurden. Dies erkennt der Anleger in der Spalte „Volumen“. Steht hier keine Zahl, ist der Anleihenpreis älter und das Papier wird vermutlich kaum gehandelt.

Ein Vergleich mit dem Festpreisangebot aus der Bank zeigt: Zu diesem Zeitpunkt liegt die Rendite des Festpreisangebots rund 0,14 Prozentpunkte unter der Börsenrendite. Doch beim Börsenkauf zum Beispiel über einen Discountbroker fallen noch Kaufkosten an. Sie hängen oft von der Größe der Order ab. Ob sie den Renditevorsprung auffressen, kann der Anleger mit einer Faustformel zumindest ungefähr prüfen:

Kaufkosten x 100 : Zinsdifferenz x Laufjahre = Anlagesumme

Das Ergebnis zeigt, ab welcher Anlagesumme sich ein Börsenkauf lohnt. Für den Pfandbrief der Berliner Landesbank ergibt sich bei fixen Kaufkosten von 10 Euro folgendes Ergebnis:

10 x 100 : 0,14 x 5  = 1 428,57 Euro

Ein Börsenkauf lohnt sich bei einer Anlagesumme über 1 428,57 Euro. Der Pfandbrief wird jedoch nur in einer 1 000-Euro-Stücklung verkauft. Für Anleger, die nur eine Anleihe kaufen wollen, lohnt sich nach wie vor das Festpreisangebot. Alle anderen fahren mit einem Kauf über die Börse besser.

Die Liquidität der Anleihe kann der Anleger auf der Internetseite von bondboard prüfen. Sie hat eine Liquiditäts-Rangfolge eingeführt. Anleihen mit einer Eins werden viel gehandelt. Der Pfandbrief der Landesbank Berlin hat die gewünschte Eins.

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