Anleihen Meldung

Die Kurse europäischer Staats­anleihen erlebten in den vergangenen Wochen einen gehörigen Absturz. Den Kurs­rutsch bekamen auch Anleger zu spüren, die Rentenfonds Euro besitzen. Die Experten von Finanztest empfehlen diese Fonds lang­fristig orientierten Anlegern als Sicher­heits­baustein für ihr Depot. Leser fragen nun, ob diese Empfehlung auch aktuell gilt. test.de gibt Antworten.

Rentenfonds sind wichtiger Depot-Baustein

Ich habe mir ein Pantoffel-Portfolio gebaut. Soll ich aktuell auf das Sinken der Anleihe­kurse reagieren und meinen Rentenfonds verkaufen?

Nein, schichten Sie nicht hektisch um. Anleihen sind wichtiger Bestand­teil des Depots. Die Idee des Pantoffel-Portfolios ist, dass Sie Ihre einmal gewählte Strategie durch­halten. Ein Pantoffel-Portfolio empfiehlt test.de Anlegern, die ihr Geld bequem und sinn­voll für zehn Jahre oder länger anlegen wollen. Einen Teil ihres Kapitals stecken sie in Aktien und den anderen Teil in fest­verzins­liche Wert­papiere. Der Rendite­baustein des Pantoffel-Portfolios besteht aus einem breit aufgestellten börsen­gehandelten Indexfonds (ETF) auf Aktien. Für Sicherheit sorgt ein Renten-ETF, der zum Beispiel in Euro-Staats­anleihen investiert. Anleihen schwanken in der Regel weniger als Aktien. Hat der Anleger keine Angst, riskant zu investieren, wählt er ein Mischungs­verhältnis von 75 Prozent Aktien zu 25 Prozent Anleihen. Risikoscheuere Anleger drehen dieses Verhältnis um. Das ausgewogene Depot mischt die Anteile 50 zu 50.

Tipp: Alle Informationen zum Pantoffel-Portfolio finden Sie im Test Geldanlage im Zinstief – So gibt es trotzdem Rendite.

Drei Prozent Verlust in zwei Wochen

Die Kurse der doch so sicheren Renten-ETF gehen nach unten, bei mir über 3 Prozent inner­halb von zwei Wochen. Natürlich werde ich das aussitzen. Aber was ist passiert? Die Zinsen von Staats­anleihen sind doch nicht erhöht worden. Was sind in diesem Fall die Markt­mecha­nismen?

Auch die Kurse von Staats­anleihen hängen von Angebot und Nach­frage ab. Durch die Kurs­änderungen schwanken auch die Endfäl­ligkeits­renditen (Erklärung siehe unten). Gehen die Anleihen­kurse nach oben, sinkt die erziel­bare Rendite. Zu den typischen Einfluss­faktoren auf Angebot und Nach­frage zählen:

  • Leitzins. Der Leitzins der Europäische Zentral­bank (EZB) liegt seit September 2014 bei nied­rigen 0,05 Prozent.
  • Sonder­einflüsse. Sonder­faktoren wie das jüngst gestarteten Anleihen­aufkauf­programm der EZB für europäische Staats­anleihen.
  • Ausfall­risiko. Neube­wertungen des Ausfall­risikos von Staaten (Bonität), die die Anleihen begeben. Im Zuge der Euro- und Griechen­land­krise ist dieses Risiko verstärkt auf der Agenda der Investoren.
  • Inflation. Inflations­erwartungen in den Euroländern.

10-jährige Bundes­anleihe auf dem Tief­punkt

Am 20. April dieses Jahres lag die berechnete Rendite für 10-jährige Bundes­anleihen bei 0,077 Prozent pro Jahr und damit auf ihrem Tief­punkt. Seitdem ist sie zwischen­zeitlich auf über 0,71 Prozent gestiegen und liegt nun bei 0,64 Prozent. Die Kurs­änderungen beein­flussen auch weitere Kenn­zahlen von Anleihen:

  • Endfäl­ligkeits­rendite. Die Endfäl­ligkeits­rendite erhält der Anleger, wenn er seine Anleihe bis zum Laufzeit­ende hält. Sie berechnet sich aus dem Rück­gabepreis (Nenn­wert), allen jähr­lich vom Heraus­geber gezahlten Zins­kupons, der Rest­lauf­zeit und dem Kauf­kurs. Sinkt der Anleihekurs, steigt im Gegen­zug die Endfäl­ligkeits­rendite für Käufer.
  • Durch­schnitt­liche Rendite. In einem Rentenfonds befinden sich viele Anleihen mit unterschiedlichen Lauf­zeiten. Aus diesen vielen Endfäl­ligkeits­renditen berechnet der Fondsanbieter eine durch­schnitt­liche Effektiv­verzinsung für den Fonds. Sie stellt eine Moment­aufnahme dar.

Faust­regel: Je länger die Lauf­zeit einer Anleihe, desto empfindlicher reagiert ihr Kurs auf Zins­änderungen. Derzeit gilt für eine 10-jährige Bundes­anleihe: Ihr Kurs sinkt um gut 4,5 Prozent, wenn die Verzinsung um 0,5 Prozent­punkte steigt. Fachleute sprechen in diesem Fall von einer „modifizierten Duration“ von 9. Da viele Fonds Anleihen verschiedener Lauf­zeiten halten und die durch­schnitt­liche Rest­lauf­zeit in der Regel unter 10 Jahren liegt, reagieren die Fonds nicht ganz so stark.

Tipp: Die Renten-ETF auf Staats­anleihen Welt (Euro) zeigt der Produktfinder Fonds unter „Fonds für Einsteiger“.

Ist Tages­geld die bessere Alternative?

Ich bin begeisterter Nutzer seit den Anfängen Ihrer Pantoffel-Strategien! Seit einiger Zeit raten jedoch viele „Experten“ aufgrund des extrem nied­rigen Zins­niveaus dazu, den risikoarmen Teil des Depots mit Tages­geld/Fest­geld/Spar­brief(-leitern) abzu­bilden. Das Chance/Risiko-Verhältnis sei dort besser, egal ob Zinsen zukünftig steigen, fallen oder gleich bleiben. Ich mag diesem Einwand nicht so recht folgen, sehe aber eine gewisse Plausibilität. Wie bewerten Sie diesen Einwand?

Anleger, die mindestens zehn Jahre anlegen wollen, wie im Pantoffel-Portfolio voraus­gesetzt, empfehlen wir weiterhin Rentenfonds Euro. Wer aufgrund des aktuellen Zins­niveaus für sein Pantoffel-Portfolio partout keine Rentenfonds kaufen will, kann anstelle dessen auch ein gutes Tages­geld­konto nehmen.
Fest­gelder passen nicht so gut ins Pantoffel-Portfolio, weil Anleger dort zu unflexibel sind, um es bei einer Veränderung des Zins­niveaus anzu­passen. Wer Tages­geld wählt und dabei auf den besten Zins setzen will, muss oft umschichten, möglicher­weise monatlich. Bequem, wie ein Pantoffel-Portfolio eigentlich sein sollte, ist das nicht. Sparern, die ihr Geld kürzer als fünf Jahre anlegen möchten, empfehlen die Experten Tages­geld.

Tipp: Die aktuellen Konditionen für Tages­geld finden Sie im Produktfinder Tagesgeld.

Misch­fonds auswechseln?

Sollte man sich auf Grund steigender Zinsen, die in absehbarer Zeit zu erwarten sind, von Misch­fonds mit starker Anleihegewichtung, wie z.B. dem Kapital Plus, trennen?

Der Anteil von Anleihen in einem Misch­fonds bestimmt sein Risiko­profil. Finanztest unterscheidet zwischen defensiven, ausgewogenen, offensiven und flexiblen Misch­fonds. Der Kapital Plus (DE 00 08 47 62 50) ist ein defensiver Misch­fonds, der in Europa anlegt. Kaufen Anleger einen Misch­fonds mit einem höheren Aktien­anteil, erhöhen sie ihr ursprüng­liches Risiko. Das sollten Sie nicht tun, nur um auf das Markt­geschehen zu reagieren.

Tipp: Der aktuelle Test empfiehlt statt Misch­fonds selbst gebaute Pantoffel-Portfolios Fonds selbst mischen - So bauen Sie Ihr eigenes Portfolio.

Fazit: Nicht vom kurz­fristigen Auf und Ab beein­drucken lassen

Behalten Sie Ihr einmal gewähltes Pantoffel-Portfolio bei und lassen Sie sich nicht vom kurz­fristigen Auf und Ab an der Börse beein­drucken. Das Wechseln der Anla­gestrategie gehört zu den klassischen Anlage­fehlern. Mehr Informationen finden Sie unter Anlagefehler vermeiden: Nicht auf den richtigen Zeitpunkt warten.

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