Anlegerseminare Meldung

"Reich werden nach Plan." Das will Geldlehrer Klöckner Anlegern beibringen.

Geld anlegen ist nicht schwer. Das lernen Anleger im Seminar.

Es spielt leise meditative Musik. Der Mann vorn auf der Bühne spricht mit warmer, sanfter Stimme. Die Zuhörer im prunkvollen Friedrich-von-Thiersch-Saal des Kurhauses in Wiesbaden sind ganz ruhig. "Schließen Sie einfach die Augen oder schauen Sie vor sich auf den Boden", sagt die Stimme. Sie gehört Bernd W. Klöckner, "Deutschlands erstem Geldlehrer", wie ihn der Nachrichtensender n-tv einmal tituliert hat. Er will den Teilnehmern beibringen, wie man schnell reich wird.

"Money-Day" heißt das Eintagesseminar, das von morgens 10 Uhr bis abends 19 Uhr in die Geheimnisse der Geldwelt einweihen will. "Sie bekommen ganz klare, einfache Erfolgsregeln an die Hand, mit denen Sie sofort entscheiden können, welche Geldanlage für Sie persönlich am meisten Gewinn verspricht", wirbt die Firma add-brain aus Bergisch Gladbach, die den Geldtag organisiert. Werbesprüche aus dem Prospekt wie "Reich mit Aktien", "Über Nacht zum Millionär" oder "Reich werden nach Plan" locken viele Anleger.

Finanzseminare zu diesen Themen sind laut Bundesverband Deutscher Verkaufsförderer und Trainer derzeit "in". Entsprechend gut besucht war auch der Money-Day an einem Samstag im November. Rund 200 Wissbegierige, junge und ältere ­ im vornehmen Kostümchen die Damen, im Jackett und mit Krawatte die Herren, einige auch im Trainingsanzug ­ haben an langen Tischreihen im Wiesbadener Kurhaus Platz genommen.

Jetzt sollen sich die Teilnehmer auf sich selbst konzentrieren. Sie sollen ihn, der im schwarzen Anzug auf der Bühne steht, nicht ansehen. Ganz ruhig steht der Geldlehrer da, hinter sich ein Bild von Dagobert Duck, der reichsten Ente der Welt, in ihrem Geldspeicher; rechts und links Tageslichtschreiber, mit denen Klöckner alles, was er besonders betonen will, an große Leinwände projizieren kann. Am kahl geschorenen Kopf trägt er eines dieser Mikrofone, wie Popstars oder Opernsänger sie heutzutage benutzen. Sie werden mit einem Bügel hinter dem Ohr festgeklemmt, damit die Hände frei bleiben zum Gestikulieren.

Das richtige Geldverhalten

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Angenommen, Sie sparen die Gebühren für alle drei Teile der Klöckner-Finanzpyramide in Höhe von 5.080 Mark und investieren das Geld zum Beispiel in einen internationalen Aktienfonds, der Ihnen eine 10-prozentige Rendite beschert: Bereits nach zehn Jahren ist Ihr Kapital ansehnlich gewachsen. Aber auch die Sparbuchrendite von 2 Prozent ist besser als der Totalverlust des Geldes nach der Seminarteilnahme.

Mit sanfter Stimme leitet Klöckner die Gedanken der Zuhörer zu einem Beratungsgespräch bei ihrer Hausbank. "Stellen Sie sich vor", sagt er in die meditative Musik hinein, "stellen Sie sich vor, Sie stellen Ihrem Finanzberater die richtigen Fragen. Sie stellen auch dreimal die gleiche Frage, wenn Sie die Antwort nicht verstehen." Schließlich, sagt er, sei man ja als Auftraggeber gekommen ­ und betont dabei den "Auftrag" besonders. "Halten Sie dieses Bild des selbstbewussten Verbrauchers fest", weist Klöckner die Zuhörer an, als er sie nach nur ein paar Minuten aus der kurzen Meditation zurück in die Realität holt.

In die "Geldpsychologie" wolle er seine Zuhörer einführen, versprach er zu Anfang des Seminars, an ihrer "Geldeinstellung" wolle er arbeiten. Denn schließlich entscheide das eigene "Geldverhalten" darüber, ob die persönliche "Geldmotivation" sich letztlich in "Geldziele" umsetzen lasse, erklärt er und verpackt die drei bedeutungsschwangeren Worthülsen in eine kleine Grafik.

Geld nehmen können

Der Mann fasziniert. Was er sagt, klingt neu, brillant, eingängig und doch irgendwie so, als hätte man es selbst im Innersten auch immer schon gewusst. Wer will schließlich nicht als selbstbewusster Verbraucher auftreten, wer hat sich nicht schon einmal vom Finanzberater überrumpelt gefühlt. So überzeugt Klöckner seine Zuhörer. "Das ist alles so richtig, was er sagt", finden Rolf und Monika beim Pausenkaffee.

Klöckner ist bekannt. Er führt seine Tipps und Tricks im Fernsehen vor und gibt Bücher heraus wie "Systematisch reich ­ was Sie tun müssen, damit das Geld zu Ihnen kommt" oder "Systematisch reich mit Aktienfonds ­ die Erfolgsgeheimnisse der Gewinner".

Bernd, der in der fünften Reihe sitzt, hat mit Begeisterung eines von Klöckners Büchern gelesen. Und auch im Fernsehen hat ihn der Geldlehrer fasziniert, sodass er sich vorgenommen habe: "Diesen Mann musst du einmal live erleben!" Und für den Preis von 230 Mark für den Normalteilnehmer, 499 Mark für die VIP-Karte findet er das Ganze bei der Tasse Pausenkaffee für 3,50 Mark "easy". Wer sich als Very Important Person (VIP), als besonders wichtig angemeldet hat, bekommt für den Zuschlag von 269 Mark den Kaffee kostenlos, darf in der ersten Reihe sitzen und mittags im noblen Käferrestaurant umsonst speisen. Die anderen müssen sich mit Buffet und Stehtischen begnügen und dafür bezahlen.

"Sie müssen Geld nehmen können, und Sie müssen Geld loslassen können ­ das ist eine ganz wichtige Regel", trichtert Klöckner seinen Zuhörern ein. Um beides zu üben, lässt er die Money-Day-Gäste aus ihrem Münzgeld kleine Türmchen bauen. Mit der Vorstellung, jede Münze stehe für eintausend Mark, schickt er sie dann durch den Saal. In der ersten Runde sollen sie anderen Teilnehmern Geld geben, ihrem Gegenüber in die Augen schauen, ihren Namen nennen und sagen: "Ich gebe dir Geld." In der zweiten Runde schickt Klöckner die Teilnehmer wieder los, dieses Mal zum Geld einsammeln. Wieder in die Augen sehen, Namen und das Sprüchlein "Ich nehme Geld von dir" sagen und dabei dem anderen aus der offenen Hand einige oder alle Münzen nehmen. Die Spielchen sollen die Einstellung der Teilnehmer zum Geld verändern. Sie sollen lernen, Geld zu geben und anzunehmen. "Reich", sagt Klöckner schließlich noch, "reich bin ich, wenn meine Einnahmen größer sind als meine Ausgaben." Zur Arbeit an der Geldeinstellung gehört es auch, die eigenen Schwächen im Umgang mit Geld zu beheben.

Konsum vermeiden

"Schreiben Sie Ihre größte Geldschwäche auf", fordert Klöckner die Zuhörer auf. Selbst schreibt er mit schwarzem Stift "übermäßiger Konsum" auf den Tageslichtschreiber ­ im Saal nicken einige, Klöckner hat sie offenbar ertappt. "Jetzt streichen Sie Ihre größte Geldschwäche durch", lautet die nächste Anweisung. Von Klöckners "übermäßigem Konsum" bleibt auf der Leinwand nur noch ein gekrakeltes schwarzes Feld übrig. Kommentar des Geldlehrers: "Löschen Sie Ihre größte Geldschwäche!" So einfach ist das.

Die handfesteren Themen überlässt Bernd W. Klöckner anderen Referenten. Heinz-Jürgen Deisenroth, Analyst bei der Stuttgarter Dr. Thilenius Management GmbH, redet eineinhalb Stunden über "Wachstumsaktien". Wenn man sich bei der Auswahl auf solche Werte konzentriere, könne man eine Wertsteigerung "von über 30 Prozent locker erreichen".

Matthias Reinhardt und Thorsten Pörschmann, die sich selbst "Investment Twins" nennen, erklären eine gute Stunde lang Fonds. Genaueres zur Auswahl der richtigen Fonds und der richtigen Aktien, verspricht Klöckner, erfahre man im zweiten und dritten Teil der "Finanzpyramide", von der der Money-Day nur das Fundament ist. Wer gleich bucht, erhält Rabatt: Statt 1.960 Mark für zwei Tage "Money-Strategy" sind nur noch 1.500 Mark fällig; Stufe drei, der dreitägige "Money Turbo", steht mit 2.890 Mark in der Preisliste. Klöckner verspricht vollmundig: "Das Geld werden Sie wieder herausbekommen!"

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