Interview: Kostenloser Rechtsrat

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vertritt Aktionärsinteressen. Finanztest hat Dr. Jörg Pluta, DSW-Geschäftsführer, nach den Inhalten der Vereinsarbeit gefragt.

Herr Pluta, aus welchem Grund sollte man Mitglied bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz werden?

Pluta:

Einer der besten Gründe ist unsere kostenlose Rechtsberatung. So sagen wir zum Beispiel, was Sie vernünftigerweise tun sollen, wenn eine Kapitalerhöhung ansteht oder eine Abfindung angeboten wird. Auch helfen wir Aktionären, die Probleme mit der Depotabrechnung haben. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Was wir allerdings nicht anbieten, ist Anlageberatung. Wir geben beispielsweise keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen.

Was war der bislang größte Erfolg in der langjährigen Vereinsgeschichte?

Pluta:

Die DSW hat das berühmte BGH-Bond-Urteil erstritten, das Grundlage war für die Beraterhaftung von Banken und Finanzdienstleistern. Die Banken haben seinerzeit die Anleihen der australischen Bond-Gruppe auch dann noch aktiv vertrieben, als die Schieflage des Unternehmens bereits bekannt war. Von den weiteren Erfolgen möchte ich als Beispiel das Kontrag nennen, das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz in Unternehmen. Uns ist es etwa zu verdanken, dass nicht mehr der Vorstand, sondern der Aufsichtsrat den Wirtschaftsprüfer bestellt.

Woran arbeiten Sie derzeit?

Pluta:

Wir sind daran beteiligt, einen Kodex für Analysten zu entwickeln. Damit sollen die Analysten zur Offenlegung ihrer Hintergründe verpflichtet werden. Sie sollen deutlich sagen, wann es sich bei ihren Einschätzungen um Dinge handelt, die sie wissen, und wann es sich um Dinge handelt, die sie nur vermuten. Und natürlich sollen sie bekannt geben, welches Hausinteresse hinter ihren Urteilen steht.

Sind Sie der Ansicht, dass die Machenschaften der Unternehmen am Neuen Markt der Aktienkultur in Deutschland geschadet haben?

Pluta:

Nein. Denn die Vorzüge der Aktienanlage bleiben ja erhalten. So wie es vor einem Jahr eine Übertreibung nach oben gab, geht es jetzt übertrieben nach unten. Ich denke, dass es Ende des Jahres an den Börsen wieder vernünftig zugehen wird, wenn die Anleger wieder langfristig denken.

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