Anlegen vor der Abgeltungsteuer Special

Wer langfristig in Fonds oder Wertpapiere investieren will, sollte das noch in diesem Jahr tun. Denn die Abgeltungsteuer bringt einschneidende Veränderungen für Anleger. Finanztest zeigt, wie das Depot fit für die Zukunft wird.

So unterschiedlich die Finanztest-Leserinnen und -leser ihr Geld auch anlegen, die meisten haben eins gemeinsam: Sie haben erkannt, dass sie vor Einführung der Abgeltungsteuer Großputz im Depot machen müssen. Viele sind auf einem guten Weg. Doch die Zuschriften auf unseren Aufruf im Juli-Heft zeigen auch, dass die Depots im Laufe der Zeit etwas in Unordnung geraten sind.

Das Verhältnis von sicheren und riskanten Anlagen hat sich oft nach und nach verändert und passt nicht mehr zum Anleger. Auch die regionale Streuung von Aktienanlagen hat sich häufig verschoben.

In mehr als 150 Depots haben wir einen detaillierten Einblick erhalten und alle erdenklichen Geldanlagen gefunden. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, auszumisten.

Die Zeit drängt: Nur für Geldanlagen, die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden, ist in Zukunft keine Abgeltungsteuer auf Kursgewinne fällig. Die Gewinne bleiben wie bisher nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei.

Für Zertifikate gelten allerdings zum Teil schon jetzt ungünstigere Regeln (siehe Text Sonderregelungen für Zertifikate).

Ist die Einführung einer Steuer wirklich Grund genug, jetzt und heute Wertpapiere zu kaufen? Eindeutig ja. Denn der 25-prozentige Abzug geht zulasten der Rendite. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer mindern den Ertrag zusätzlich.

Für Anleger, die Fonds oder Aktien als Teil ihrer Altersvorsorge ansehen, ist die dauerhafte Steuerbefreiung ein großer Vorteil. Die Frage, ob jetzt ein günstiger Kaufzeitpunkt ist, wird zweitrangig.

Endlich das Depot aufräumen

Viele Depots, die wir uns angesehen haben, enthalten neben sicheren Anlagen auch Aktien oder Fondsanteile. Je mehr Posten ein Depot enthält, desto stabiler verläuft seine Wertentwicklung.

Daran orientiert sich auch ein Leser, der zusätzlich zu Zinspapieren Anteile von mehr als 20 Fonds hält. Die Palette reicht von den weltweit anlegenden Fonds M & G Global Basics, DWS Vermögensbildungsfonds I, DWS Top 50 Welt und DWS Top Dividende über diverse Branchen- und Länderfonds bis zum offenen Immobilienfonds CS Euroreal.

Andererseits gehen viele Titel im Depot auf Kosten der Übersichtlichkeit. Zwischen Stabilität und Übersichtlichkeit gilt es also abzuwägen.

Unser Leser hat den Anlageschwerpunkt Welt gewählt und sich dabei für vier aktiv gemanagte Fonds entschieden. Damit hat er unsere Empfehlung vorweggenommen: Setze nicht nur auf einen Fonds, sondern streue dein Risiko breit.

Gut ist es, wenn sich Anleger erst für einen Markt oder eine Branche und dann für einen konkreten Fonds entscheiden. Oft läuft es umgekehrt und Anleger greifen zu Fonds mit Superrenditen, ohne dass sie sich genauer mit der Anlageidee befasst haben. Nicht immer sind solche Trendfonds ideale Langfristanlagen.

Anleger, die prächtig mit China-, Indien-, Osteuropa- oder Rohstoff-Fonds verdient haben, sollten überlegen, ob sie diesen schwankungsanfälligen Märkten auch für die nächsten Jahre vertrauen. Das Argument, man sei mit den Fonds komfortabel im Plus, zählt nicht, denn jede Geldanlage ist an ihren langfristigen Chancen und Risiken aus heutiger Sicht zu messen.

Wer denkt, dass diese Märkte auch in Zukunft besser laufen werden als der breite Aktienmarkt, wird die Fonds selbstverständlich behalten. Alle anderen sollten über Umschichtungen nachdenken.

In vielen Depots schlummern auch Fonds oder Aktien, mit denen Anleger seit langem unzufrieden sind. Die Einführung der Abgeltungsteuer ist ein idealer Anlass, sich von ihnen zu trennen.

Also raus mit ungeliebten Technologiefonds und Geheimtipp-Aktien aus den Neue-Markt-Zeiten und stattdessen Fonds kaufen, die aus heutiger Sicht gute Perspektiven bieten. Um Abgeltungsteuer sparen zu können, muss eine Geldanlage schließlich erst einmal Kursgewinne bringen.

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen Anleger, die erst vor kurzem einen Flop-Fonds gekauft haben. Wenn sie ihn vor Ablauf eines Jahres verkaufen, können sie die Verluste steuerlich geltend machen und sogar mit zukünftigen Gewinnen verrechnen.

Indexfonds haben niedrige Kosten

Finanztest empfiehlt vor allem gemanagte Fonds, die sich bereits in der Vergangenheit bewährt haben. Manager, die erfolgreich Aktien für den Fonds auswählen, entschädigen mit überdurchschnittlicher Wertentwicklung für die oft happigen Gebühren.

Internetnutzer können im Produktfinder Investmentfonds gezielt nach ihren Wunschfonds aus über 8 000 getesteten suchen. Die Managementgebühren sind in unserer Fondsbewertung bereits berücksichtigt.

Als Alternative für bequeme Anleger bieten sich Indexfonds an. Sie enthalten genau die Aktien, auf die sich der gewählte Index stützt.

Fonds auf breitstreuende Indizes wie den MSCI Welt oder den europäischen Stoxx 600 eignen sich für Anleger, die auf einen großen Markt setzen wollen. Allerdings sollten Anleger die Kosten im Auge behalten.

Wir testen regelmäßig alle mindestens fünf Jahre alten Indexfonds. Viele interessante Fonds sind aber zu jung für den Test. Das gilt etwa für die MSCI-Welt-Fonds der Deutschen Bank (Isin: LU 027 420 869 2), von i-Shares (Isin: DE 000 A0H GZR 1) und Lyxor (Isin: FR 001 031 577 0) und auch für den i-Shares-Fonds auf den Stoxx 600 (DE 000 263 530 7).

Über ihre Entwicklung im Vergleich zu ihrer Fondsgruppe können wir noch nichts sagen, aber die jährlichen Kosten von maximal 0,5 Prozent sind vergleichsweise günstig. Bei gemanagten Welt-Fonds betragen sie meist drei- bis viermal so viel.

Keine Alternative zu Fondssparplänen

Viele Finanztest-Leser schwören auf Fonds-sparpläne, in die sie jeden Monat einzahlen. In Zukunft werden ihre Renditen geringer ausfallen. Denn an den Kursgewinnen auf alle Sparraten ab dem 1. Januar 2009 knappst die Abgeltungsteuer, auch wenn der Sparplan schon seit Jahren läuft.

Nach mehreren Jahrzehnten des Sparens kann sich die Steuer auf einige Tausend Euro summieren.

Empfehlenswert bleiben Fondssparpläne mangels besserer Alternativen dennoch. Sparer, die einen Vertrag haben, sollten aber überlegen, ob sie die Raten für die nächsten ein oder zwei Jahre schon in dieses Jahr vorverlegen können.

Sinnvoll wäre es auch, für 2009 neue Verträge abzuschließen. So lässt sich vermeiden, dass im selben Sparplan steuerfreie und steuerpflichtige Fondsanteile vermischt sind.

Steuer benachteiligt Aktionäre

Auch Aktionäre leiden unter der Abgeltungsteuer. Viele setzen nicht nur auf Kursgewinne, sondern auch auf hohe Dividenden. Sie müssen nun wie Fondsbesitzer für beides die volle Abgeltungsteuer zahlen. Bisher waren Dividenden nur zur Hälfte steuerpflichtig.

Außerdem ändert sich die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten aus Aktienverkäufen zuungunsten der Anleger.

Bisher war es noch möglich, Verluste aus Aktienanlagen mit Gewinnen aus anderen Spekulationsgeschäften, etwa mit Zertifikaten oder Optionsscheinen, zu verrechnen. In Zukunft lassen sich nur noch „Aktiengewinne“ gegen „Aktienverluste“ aufrechnen. Wer durch den Verkauf einer Aktie Geld verliert, darf also nicht den Gewinn aus einem Fondsverkauf dagegenstellen.

Anleger, die weiterhin in Einzelaktien investieren wollen, sollten genau prüfen, warum sie sich für ein Unternehmen entschieden haben und was sie ihm in Zukunft zutrauen. So wie unser Leser Wolfgang Pluschke, der seit langem auf Solaraktien setzt, weil er selbst in der Branche arbeitet (siehe Text Sechs-Jahres-Plan).

Wer dagegen Einzelaktien kauft, ohne persönliche Erfahrungen oder konkrete Anlageideen damit zu verbinden, fischt mehr oder weniger im Trüben.

Kurze Laufzeit statt lange Bindung

Die neue Steuer hat auch Vorteile: Zinsangebote der Banken und Anleihen bringen vielen Anlegern künftig mehr Rendite als bisher, denn sie müssen weniger ans Finanzamt abgeben.

Bisher mussten sie die Ausschüttungen mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern, und der liegt bei Gutverdienern meist weit über 30 oder sogar 40 Prozent. In Zukunft gehen von ihren Zinseinnahmen nur 25 Prozent ab, dazu noch der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer.

Zinsanleger können ab 2009 auch genau kalkulieren, was ihnen nach Steuern bleibt. Das hat Vorteile für die Depotplanung. Anleger können nun aus ihren Zinsanlagen feste Nachsteuerbeträge einkalkulieren und die riskanten Beimischungen darauf abstimmen. Im Text Nur keine Verluste zeigen wir, wie ein Depot aussehen kann, das vollen Kapitalerhalt garantiert oder zumindest gegen die gröbsten Verluste gefeit ist.

Auch wenn es sich nur noch um ein paar Monate dreht, ist es für viele Anleger noch günstig, ihre Zinseinnahmen ins Jahr 2009 zu verschieben. Damit können sie meist Steuern sparen. Ein sechsmonatiges oder einjähriges Festgeld ist vor diesem Hintergrund die bessere Wahl als ein Tagesgeldkonto, sofern es ähnlich hohe Zinsen bringt. Die besten Zinsangebote finden Sie im Artikel „Tages- und Festgeld: Hasch den Zins“ aus Finanztest 09/2008 oder im Infodokument Tagesgeldkonten und Festgelder.

Die meisten Leser, die uns geschrieben haben, haben sich für ihren sicheren Depotteil bereits attraktive Konditionen gesichert oder ein hochverzinstes Tagesgeldkonto zusätzlich eröffnet. Selten liegen größere Summen noch auf einem schlecht verzinsten Hausbankkonto. Im Zuge der Depotbereinigung sollten sich auch diese Anleger um möglichst gute Zinsen für ihre Barreserven kümmern.

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