Anlegen vor der Abgeltungsteuer: Mustergültig anlegen

Die ideale Aufteilung fürs Vermögen hängt von der Risikoneigung ab. Anleger sollten sich nicht von der Steuer steuern lassen.

Es ist wichtiger, mit einer Geldanlage ­ordentlich Gewinn zu machen als Steuern zu sparen. Das gilt natürlich auch noch, wenn ab Januar die Abgeltungsteuer an Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen nagt. Zeit also, im Depot nachzusehen, wie es um die Geldanlagen steht.

Bis zum Jahresende sollte das Vermögen aufgeräumt sein und die langfristige Strategie stehen. Die Steuerersparnis gibts dann noch obendrauf, denn Kursgewinne von Aktien und Fonds, die Anleger in diesem Jahr noch kaufen, bleiben auf Dauer steuerfrei.

Das Aufräumen kostet einen Sonntagnachmittag und wird sich auszahlen. Sieben Schritte verschaffen Klarheit:

1. Schritt: Inventur. Notieren Sie sich von der Aktie bis zur Zinsanlage alles, was Sie haben. Dazu gehören auch längst vergessene Sparbücher oder die Genossenschaftsanteile bei der Volksbank.

2. Schritt: Analyse. Stellen Sie fest, wie sich Ihr Vermögen zwischen sicheren Zinsanlagen und Anlagen mit Risiko verteilt.

Zinsanlagen sind vor allem Sparbücher, Tages- und Festgeld, Geldmarkt- und Rentenfonds Euro sowie gute Staatsanleihen.

Auf der Risikoseite stehen Aktien, Aktienfonds und Zertifikate. Sie schwanken im Wert und können Verluste schreiben.

Das Ergebnis zeigt Ihnen, wie hoch der Sicherheitsanteil in Ihrem Depot ist.

3. Schritt: Selbsteinschätzung. Beantworten Sie sich ehrlich die Frage, wie viel Verlust Sie ertragen können. Flattern Ihre Nerven, wenn Ihr Depot in einer schwachen Börsenphase einmal ins Minus rutscht?

Berücksichtigen Sie Ihr Alter und Ihre Sparziele. Für beides gilt: Je näher der Zeitpunkt rückt, zu dem Sie Ihr Geld brauchen, desto geringer sollte der Risikoanteil im Depot sein. Welchen Verlust könnten Sie selbst am Ende Ihrer Sparzeit ertragen?

Mit der aufrichtigen Antwort können Sie jetzt den nächsten Schritt angehen.

4. Schritt: Depotanteile festlegen. Legen Sie fest, welches Verhältnis von sicheren Anlagen und Aktien oder Aktienfonds zu Ihnen passt. Die drei Musterdepots oben helfen Ihnen dabei, Ihre eigenen Anlagen gemäß Ihrer Risikobereitschaft und Ihrem Anlagezeitraum zu strukturieren. Damit können Sie feststellen, ob Sie den sicheren Anteil erhöhen oder senken sollten.

5. Schritt: Spitzenzinsen kassieren. Passen Sie den sicheren Anteil in Ihrem Depot an. Prüfen Sie, ob Ihre bestehenden Tagesgeld- und Festgeldkonten ausreichend Zinsen bringen. Um die 5 Prozent dürfen es im Moment ruhig sein. Gut verzinste Angebote finden Sie im Artikel Tages- und Festgeld: Hasch den Zins aus Finanztest 09/2008 und im Infodokument Tages- und Festgeld.

6. Schritt: Aktienanteil aufräumen. Nehmen Sie sich nun die Aktien und Aktienfonds vor. Wenn Sie diese Anlagen so verteilen wie in den Musterdepots oben, gewinnen Sie ein gutes Stück Sicherheit.

Umgekehrt gehen Sie ein höheres Risiko ein, wenn Ihr Anlageschwerpunkt nur in Nordamerika oder in Europa liegt. Einseitige Depots sind immer abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung nur einer Region. Gleiches gilt für Anlagethemen. Wer nur auf eine Branche setzt, verliert.

Wir haben uns bei unseren Berechnungen an den renommierten Aktienindizes der Bank Morgan Stanley (MSCI) orientiert. Mit den vier MSCI-Indizes aus Europa, Nordamerika, Pazifik und den Schwellenländern und den darin enthaltenen mehr als 2 500 Aktiengesellschaften haben wir sowohl die entwickelten Volkswirtschaften wie die Europäische Union, Nordamerika und Japan als auch aufholende Länder wie China, Indien, Russland und Brasilien (Emerging Markets) berücksichtigt. Die breite Streuung senkt die Verlustwahrscheinlichkeit über die Jahre.

Eine Aufteilung über Regionen und Branchen können Sie auf verschiedene Weise erreichen. Bequem sind Indexfonds, es gibt sie für alle genannten MSCI-Indizes.

Eine höhere Renditechance bieten die guten aktiv gemanagten Fonds für alle hier vorgestellten Regionen. Deshalb empfiehlt Finanztest solche Fonds. Sie finden sich im Produktfinder Investmentfonds. Spitzenfonds sind an einer Bewertung von 65 Punkten und darüber zu erkennen.

Wenn Sie nur die Risikoaufteilung nachvollziehen, nicht aber Fonds aus den verschiedenen Weltregionen kaufen wollen, fahren Sie aber auch mit weltweit anlegenden, breitstreuenden Fonds gut. Sie müssen nur an eine Einschränkung denken: Die Fondsmanager verteilen das Geld der Anleger natürlich nicht exakt nach dem hier vorgestellten Finanztest-Schlüssel.

Es empfiehlt sich, regelmäßig zu prüfen, welche Werte in den einzelnen Fonds auftauchen, und die Fonds so zusammenzustellen, dass das von uns vorgeschlagene Mischungsverhältnis wieder stimmt.

7. Schritt: An die Zukunft denken. Nach einigen Jahren wird es Zeit, den Risikoanteil im Vermögen zu reduzieren.

Beispiel: Anleger, die ihr Geld 20 Jahre lang arbeiten lassen wollen und eine Verlustwahrscheinlichkeit von 0,5 Prozent aushalten, können wie folgt vorgehen. Am Anfang verteilen sie ihr Geld zu 75 Prozent auf Aktienfonds und zu 25 Prozent auf Zinsanlagen. Nach zehn Jahren wechseln sie zu einem Verhältnis von 50 zu 50. Weitere fünf Jahre später verringern sie den Aktienanteil auf 25 Prozent.

Selbst Anleger, die gar kein Risiko eingehen wollen, können es wagen, in Aktien zu investieren. Für sie gibt es unser Garantiedepot auf den folgenden Seiten.

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