Anlegen vor der Abgeltungsteuer: Nur keine Verluste

Schon der Gedanke an einen Verlust ist für viele Anleger unerträglich. Sie verzichten deshalb auf riskante Anlagen. Finanztest zeigt, dass auch für sie ein paar Aktienfonds möglich sind – in einem Garantiedepot.

Garantieprodukte sind bei Anlegern sehr beliebt. Das zeigt auch unser Depotcheck. In so manchem Depot unserer Leser und Leserinnen finden sich Garantiezertifikate, die bei schlechter Börsenentwicklung Verluste verhindern sollen.

Das Sicherheitsbedürfnis ist nachvollziehbar, aber mit Produkten von der Stange handeln sich Anleger oft Nachteile ein und haben auf jeden Fall unnötige Kosten. Unnötig deshalb, weil sie ein Garantiedepot ohne großen Aufwand auch selbst aus Zinsanlagen und zum Beispiel Aktienfonds zusammenstellen können.

Das selbstgemachte Depot ist sogar steuerlich von Vorteil. Denn Kursgewinne aus Aktienfonds, die Anleger noch vor dem Jahreswechsel kaufen, bleiben von der Abgeltungsteuer befreit. Die Steuer wird nur auf ihre Zinserträge fällig. Gewinne aus Garantiezertifikaten sind dagegen schon immer voll steuerpflichtig.

Manche Anleger, wie unser Leser Winfried Lappé, haben es instinktiv richtig gemacht und ihr Depot durch die Mischung weitgehend vor Verlusten geschützt.

Die Mischung machts

Ganz auf Aktienfonds zu verzichten, ist unnötig und kostet Renditechancen. Ein Garantiedepot verbindet vollen Kapitalerhalt mit der Aussicht auf einen Renditekick.

Der Anleger mischt darin sichere Zinsanlagen und chancenreiche Aktien oder Aktienfonds so geschickt, dass am Ende des Anlagezeitraums auf jeden Fall das Anfangskapital erhalten bleibt. Als Puffer dienen die Zinseinnahmen, die er mit Anleihen oder Sparverträgen erzielt.

Je länger der Anlagezeitraum, desto höher darf der Aktienanteil sein. Wer sein Geld zum Beispiel für 25 Jahre anlegt, kann in allen Fällen über die Hälfte in Aktien oder Aktienfonds stecken.

Aber auch bei kürzeren Anlagehorizonten lässt sich Sicherheit schaffen. Wer nur zehn Jahre Zeit und einen Zins von 5 Prozent sicher hat, muss von jeweils 1 000 Euro, die er anlegen will, nur 680 Euro in die Zinsanlagen stecken. Mit dem Rest kann er etwas riskieren.

Selbst bei einem Totalverlust des spekulativen Anteils verfügt er nach zehn Jahren wieder über 1 000 Euro. Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag sind in dieser Rechnung bereits enthalten.

Doppelt gepuffert

Das Garantiedepot ist so kalkuliert, dass es sogar einen Totalverlust des riskanten Depotteils verkraftet. Wir haben diese extreme Annahme getroffen, um Anlegern die Angst vor Aktienfonds zu nehmen.

Da Normalanleger nicht mit Optionsscheinen oder Hebelzertifikaten zocken, müssen sie nicht wirklich befürchten, dass der riskante Teil des Depots völlig wertlos wird. Denn selbst bei Einzelaktien sind Pleiten selten.

Vor diesem Hintergrund könnten Anleger den Aktienanteil auch deutlich höher wählen als im Garantiedepot angegeben, ohne den gewünschten Kapitalerhalt ernsthaft zu gefährden.

In unserem Fondstest nennen wir zu jedem Fonds den maximalen Verlust, den ein Anleger in den vergangenen fünf Jahren schlimmstenfalls erleiden konnte. Die aktuellen Zahlen sind sehr niedrig, da der untersuchte Fünfjahreszeitraum ein überwiegend günstiges Aktienklima abbildet. Aber selbst in den schlimmsten Börsenphasen sind bei global oder europaweit ausgerichteten Aktienfonds Verluste von mehr als 60 Prozent selten.

Nur nicht vorzeitig aussteigen

Außerdem sind Anleger den Kapitalmärkten nicht schutzlos ausgeliefert. Wer seine Aktienfonds regelmäßig kontrolliert, kann die Notbremse ziehen, bevor die Verluste zu groß werden. Aber es ist beruhigend zu wissen, dass das Garantiedepot auch ohne diese Vorsichtsmaßnahme funktioniert.

Problematisch ist das Depot nur, wenn die ursprünglich festgelegte Laufzeit nicht eingehalten wird. Allein auf sie bezieht sich der Kapitalerhalt. Will der Anleger schon nach 2 statt nach 20 Jahren an sein Geld heran, drohen ihm bei ungünstiger Börsenlage herbe Verluste.

Eine andere Frage ist, ob Anleger das Depot im Laufe der Jahre anpassen sollten. Mit steigenden Aktienkursen würde der Anteil an riskanten Anlagen immer höher. Anleger könnten reagieren und ein paar Fondsanteile mit Gewinn verkaufen. Dann wäre am Ende nicht nur das Kapital, sondern sogar eine Rendite garantiert.

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