Solide Zinsen und Geld-zurück-Garantie stehen bei Anlegern hoch im Kurs. Finanztest zeigt, welche Zinsprodukte die meiste Rendite bringen und für wen sie sich eignen.

Bilanzmanipulationen, falsche Unternehmensmeldungen und schlechte Konjunkturaussichten – das Vertrauen der Anleger in die Aktienmärkte ist erschüttert. Viele Investoren wollen in dieser Situation in ruhigem Fahrwasser anlegen und greifen zu soliden Zinsprodukten. Denn diese haben im Vergleich zu Aktien und Fonds einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie bieten Planungssicherheit, weil ihre Zinsen festgeschrieben sind. Und weil das eingesetzte Kapital sich zu einem bestimm­ten Datum garantiert wieder auf dem Konto einfindet. Ein Gedanke, bei dem auch vielen Fondssparern warm ums Herz wird.

Doch trotz einschlägiger Gemeinsamkeiten – Zinspapier ist nicht gleich Zinspapier: Unterschiede gibt es vor allem bezüglich Risiko und der Rendite. Um das passende Produkt für die persönliche Risikoneigung und die Anlageziele zu finden, sollten Anleger in zwei Schritten vorgehen. Zunächst müssen sie ihre Anlageziele festlegen und die für sie geeig­neten Produkttypen herausfiltern. Anschließend, im zweiten Schritt, sollten sie sich nach den lukrativsten Angeboten umschauen.

Zinsanlagen im Vergleich

Anlegen mit Zinsgarantie Test

Finanztest hat die Renditen von Zinsanlagen mit hoher Bonität für Laufzeiten zwischen ein und zehn Jahren untersucht. Hierzu zählen Bundesanleihen, Staatsanleihen der Euro-Länder, Jumbo-Pfandbriefe, Inhaberschuld­verschreibungen und Sparprodukte der Banken und Sparkassen. Bei diesen Produkten kann der Anleger davon ausgehen, dass der Schuldner Zinsen und Kapital zurückzahlt. Wir wollten wissen, in welcher Produktgruppe welcher Anlegertyp die lukrativsten Angebote findet.

Bei Sparangeboten von Banken und Sparkassen ist ein Renditevergleich relativ leicht. Es gibt keine täglichen Kursschwankungen und auch keine indi­viduellen Kauf- und Lagerkosten, die die Rendite schmälern. Anders ist dies bei Pfandbriefen, Bundesanleihen und Staatsanleihen von Euro-Ländern. Sie sind abhängig von der Zinsentwicklung und von Angebot und Nachfrage am Rentenmarkt. Ihre Rendite kann sich täglich ändern. Um die Zinsprodukte – trotz ihrer Verschiedenheit – zu vergleichen, hat Finanztest zunächst Festzinsanlagen mit Laufzeiten zwischen ein und zehn Jahren von über 70 Banken untersucht und die besten Angebote ­anschießend mit der renditestärksten Bundesanleihe, Euro-Staatsanleihe, Inhaberschuldverschreibung und dem Jum­bo-Pfandbrief gleicher Laufzeit zum Stichtag 1. Juli verglichen. In die Stichprobe flossen nur Zinsprodukte mit ­hoher Bonität ein.

Jumbos und Bankprodukte vorn

Das Ergebnis zeigt, dass die Renditeunterschiede groß sind. Am besten schnitten Bankprodukte ohne vorzeitige Verfügbarkeit und Jumbo-Pfandbriefe ab.

Die Differenz zwischen dem besten Jumbo-Pfandbrief und der besten Bundesanleihe lag im Untersuchungszeitraum je nach Laufzeit zwischen 0,1 und 0,5 Prozentpunkten. Geringfügig besser als Bundesanleihen schnitten zwar die renditestärksten Euro-Staatsanleihen ab. Ihre Renditen waren aber immer noch schlechter als die eines guten Jumbo-Pfandbriefs.

Die Rendite der besten Inhaberschuldverschreibung hatte nur bei einer Laufzeit von zwei Jahren die Nase vorn. Dieses Ergebnis überrascht. Denn vor dem Hintergrund, dass Anleger bei ­Inhaberschuldverschreibungen ein geringfügig höheres Risiko eingehen, fällt ihre Rendite verglichen mit der Produkt­konkurrenz mager aus.

Sparen ohne Risiko

Ob und in welchem Ausmaß Anleger mit Zinspapieren vom Anleihemarkt – hierzu zählen Jumbo-Pfandbriefe, Euro-Staatsanleihen und Bundesanleihen – ein Risiko eingehen, hängt von ihren Anlagezielen ab. Wer auf die „Kaufen-und-halten-Strategie“ setzt und genau weiß, dass er sein Zinspapier auf jeden Fall bis zum Fälligkeitstermin behalten will, geht kein Risiko ein: Er kauft eine Anleihe zum Tageskurs, der meist vom Nennwert der Anleihe abweicht, und kassiert jährlich seine Zinsen. Am Ende der Laufzeit erhält er den Nennwert der Anleihe. Der Zinssatz (Kupon) sagt dabei relativ wenig darüber aus, wie viel eine Anleihe unter dem Strich einbringt. Die entscheidende Kennzahl hierfür ist die Rendite. Sie errechnet sich aus dem Kupon, dem Anleihenkurs und der Restlaufzeit. Kann ein Anleger also eine Anleihe mit hoher Bonität kaufen, die zu seiner Laufzeit passt und nach Abzug der Kaufkosten eine bessere Rendite abwirft als das beste Bankprodukt ohne vorzeitige Verfügbarkeit, sollte er zugreifen.

Anlegen und flexibel bleiben

Wer sicher anlegen möchte, die Laufzeit für sein Geld aber nicht detailliert planen kann, bewegt sich mit dem Kauf von Anleihen schnell im spekulativen Bereich. Denn die Rendite einer Anleihe verändert sich mit dem Zinsniveau am Kapitalmarkt. Sinken die Zinsen, steigt der Kurs einer Anleihe. Umgekehrt sinkt der Wert einer Anleihe, wenn die Zinsen steigen.

Wer in dieser Situation seine Anleihen verkaufen muss, erhält sein eingesetztes Kapital nicht vollständig zurück.

Anleger, die also nicht mit der Zinsentwicklung spekulieren wollen, sollten Anleihen entweder meiden oder sie mit Bankprodukten bzw. Tagesgeld mischen. Als weitere Alternative bleiben ihnen noch Sparprodukte von Banken und Sparkassen mit vorzeitiger Verfügbarkeit sowie Bundesschatzbriefe.

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