Mit einem ETF auf den Welt­aktien­index beteiligen sich Anleger an mehr als 1 600 Unternehmen. Preisgüns­tiger ist eine globale Aktien­anlage nicht möglich.

Für fast alle Anleger ist es sinn­voll, zumindest einen kleinen Teil ihres Vermögens in den Aktienmarkt zu stecken. Da sichere Zins­anlagen kaum noch etwas bringen, ist das ihre einzige Chance, auf seriöse Weise eine etwas bessere Wert­entwick­lung heraus­zuholen.

Doch viele finden die Börsen­welt so kompliziert und riskant, dass sie mit ihr lieber nichts zu tun haben wollen. Finanztest sagt, warum Aktien auch für zögerliche und unerfahrene Anleger sinn­voll sind und wie sie sich einfach daran beteiligen können.

Streuung ist das A und O

Die Scheu vor Aktien ist bei deutschen Anlegern weit verbreitet – bis hin zu Grund­satz­kritikern, die Wert­papierbörsen als Zockerbuden sehen.

Nach­voll­zieh­bar ist, wenn jemand aufgrund eigener schlechter Erfahrungen nichts mehr mit Aktien zu tun haben will. Fatalerweise haben viele Anleger in Deutsch­land ihre ersten und einzigen Börsen­erfahrungen auf dem Höhe­punkt der Internetblase gemacht. Fast immer hatten die Reinfälle damit zu tun, dass die Aktien­anlagen zu einseitig oder spekulativ waren. Breit gestreute Börsen­investments haben sich bislang noch von jeder Krise erholt.

Noch vor zehn Jahren war es für Anleger kaum möglich, mit kleinen Beträgen breit gestreut und ohne Managementrisiko in Aktien zu investieren. Heute geht das problemlos. Mit börsen­gehandelten Indexfonds, sogenannten ETF, ist der Einstieg in den breiten Aktienmarkt einfach und preis­wert. Ein ETF gibt stur die Entwick­lung des Indexes wieder, auf den er sich bezieht.

Anleger müssen jedoch den passenden Index finden. Längst gibt es ein unüber­schaubares ETF-Angebot, in dem sie sich ohne Vorkennt­nisse nicht zurecht­finden können. Mit ETF, die auf spezielle Strategien setzen, sind ähnliche Fehl­griffe möglich wie mit heißen Fonds­tipps zu Zeiten des Neuen Marktes (Smart-Beta-ETF).

Gutes Abbild der Börsen­welt

Unsere Stan­dard­empfehlung für breite Aktien­anlagen ist der Index MSCI World. Er enthält mehr als 1 600 Unternehmen aus 23 Ländern und gibt ein gutes Abbild der globalen Börsen­land­schaft.

Die USA sind für interna­tionale Investoren das Maß aller Dinge und dominieren folg­lich auch den MSCI World (siehe Grafik oben). Neun der zehn welt­größten Börsen­unternehmen haben ihren Sitz in den Vereinigten Staaten, darunter so bekannte Firmen wie Apple, Microsoft, Exxon Mobil oder Procter & Gamble.

Der deutsche Anteil im Index ist mit 3,3 Prozent sehr bescheiden. Er entspricht nicht der Bedeutung der deutschen Wirt­schaft auf dem Welt­markt, wohl aber der des deutschen Aktienmarktes im interna­tionalen Maßstab.

Wer einen ETF auf den MSCI World kauft, ist zuver­lässig mit von der Partie, wenn es mit den globalen Aktienmärkten aufwärts geht, und einigermaßen geschützt vor Spekulations­blasen in einzelnen Branchen oder Ländern. So extreme Verluste wie seiner­zeit mit der Telekom-Aktie oder Internetfonds müssen Anleger kaum fürchten. Wer lieber einen Dax-ETF nehmen würde, sollte dagegen wissen, dass sich damit das Risiko stark erhöht.

Der MSCI World ist auch deshalb eine gute Wahl, weil er von fast allen Fonds­gesell­schaften akzeptiert und oft als Mess­latte heran­gezogen wird. Wie unser Fonds­dauertest (Produktfinder Fonds) regel­mäßig zeigt, schaffen die wenigsten aktiv gemanagten Fonds auf Fünf­jahres­sicht ein besseres Ergebnis als ein ETF auf den MSCI World.

Vorteil durch geringe Kosten

Der größte Trumpf von ETF sind ihre geringen Kosten. Bei MSCI-World-Fonds liegen sie zwischen 0,2 und 0,45 Prozent pro Jahr, während bei den von Managern aktiv betreuten Konkurrenz­produkten meist zwischen 1,5 und 2 Prozent pro Jahr anfallen (Produktfinder Fonds).

Auch die Kauf­kosten sind bei ETF deutlich geringer, als Anleger es von gemanagten Fonds gewohnt sind. Filial­bank­kunden müssen in der Regel eine Einstiegs­gebühr, den sogenannten Ausgabe­aufschlag, zahlen, wenn sie die vom Berater empfohlenen Fonds akzeptieren. Bei Aktienfonds sind das oft rund 5 Prozent der Anlagesumme.

Bei ETF gibt es bei Kauf über die Börse keinen Ausgabe­aufschlag, Anleger zahlen nur die Gebühr, die ihre Bank für Wert­papierkäufe verlangt, meist etwa 1 Prozent. Kunden von Direkt­banken im Internet kaufen billiger. Je nach Anbieter und Anlagesumme kommen sie meist mit Kosten von 0,1 bis 0,5 Prozent davon.

ETF sind „pflegeleicht“. Bei einem gemanagten Fonds müssen Anleger die Entwick­lung regel­mäßig kontrollieren. Das gilt selbst für Fonds, die in der Vergangenheit sehr erfolg­reich waren. Bei einem markt­breiten ETF müssen sie nur auf die Markt­entwick­lung achten, in der Gewiss­heit, dass sie lang­fristig besser abschneiden werden als mit den meisten gemanagten Fonds.

Schwellenländer als Zugabe

Der MSCI World hat einen weißen Fleck: Die Schwellenländer, sogenannte Emerging Markets, sind nicht in ihm vertreten. Der Indexanbieter MSCI macht hier keine Kompromisse und schließt riesige Volks­wirt­schaften wie die chinesische und indische aus. Selbst Südkorea hat bei MSCI immer noch den Status eines Schwellen­landes, obwohl seine größten Elektronik- und Auto­konzerne längst in einer Liga mit ihren europäischen und US-amerikanischen Konkurrenten spielen.

Von MSCI gibt es aber auch einen weiteren Welt­index, der Schwellenländer enthält: der MSCI ACWI, wobei ACWI für All Countries World Index steht. Auch wenn die ETF auf diesen Index (Tabelle: ETF für den Weltindex) zu jung für unsere Fonds­bewertung sind, können Anleger sie als Basis­anlage auswählen. Die Schwellenländer haben zurzeit ein Indexgewicht von knapp 10 Prozent, was den Charakter der Anlage nur wenig verändert. Sie sind eine Zugabe, nicht mehr und nicht­weniger.

Das dürfte im Sinne der meisten Anleger sein, denn die Börsen in Asien, Südamerika oder Afrika (Indexfonds für den MSCI Emerging Markets) schwanken deutlich stärker als die etablierten Aktienmärkte. In den vergangenen drei Jahren lief der erweiterte Welt­index deutlich schlechter als der klassische MSCI World.

Europa-Index als Alternative

Finanztest hält neben dem Welt­index auch den europäischen Aktienmarkt als Basis­anlage für vertret­bar. Ohne US-Groß­konzerne hat man natürlich kein repräsentatives Abbild der Börsen­welt. Aber die Länder- und Branchen­mischung inner­halb Europas ist so groß, dass Anleger keine allzu heftigen Wert­schwankungen befürchten müssen.

Mit den breiten Europaindizes MSCI Europe oder Stoxx 600 Europe investieren sie knapp zur Hälfte in die eigene Währung. Im MSCI World spielt der Euro dagegen kaum eine Rolle, die meisten seiner Aktien notieren in US-Dollar. Für lang­fristig orientierte Anleger haben Währungs­effekte aber keine große Bedeutung.

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