Anlegen mit Fonds Test

Die Krise geht, doch Tatsache bleibt: Aktienfonds lohnen sich wie keine andere seriöse Geldanlage. Gut gemischt mit sicheren Papieren lässt sich auch das Risiko beherrschen. Dabei hilft unser neugestalteter Fondstest.

Krise? Nicht schon wieder! Von der Krise hat jeder die Nase voll. Wir auch, keine Bange. Aber wir wollen noch einmal darauf zurückkommen und darlegen, welche Schlüsse wir aus ihr gezogen haben.

Unser Fondsdauertest, den wir in jedem Heft und im Internet veröffentlichen, wird sich an einigen Stellen ändern (siehe www.test.de/fonds). Schließlich sollen unsere Leser mit ihren Fonds keine unliebsamen Überraschungen mehr erleben.

Die Überraschung bestand weniger in den Kursstürzen an den Börsen. Jeder, der einen Aktienfonds kauft, weiß, dass ihm das passieren kann. Das Problem war eher, dass selbst bisher zuverlässig gute Fondsmanager plötzlich ganz und gar kein glückliches Händchen mehr bewiesen.

Wie konnte es sein, dass bis dahin ausgezeichnete Fonds wie der Fidelity European Aggressive oder der Lingohr Systematik LBB Invest plötzlich jäh abstürzten und noch viel, viel tiefer sanken als der Markt?

Oder das: Statt ihren Kunden die versprochene sichere Anlage zu bieten, verspekulierten zahlreiche Manager von Geldmarkt- und Rentenfonds das ihnen anvertraute Geld. SEB Money Market: minus 45 Prozent, Pioneer Euro Geldmarkt Plus: minus 35 Prozent, DWS Investa: minus 14 Prozent.

Vorhersehen lässt sich so ein Verhalten kaum. Wir wollen unsere Leser dem Gutdünken von Fondsmanagern aber auch nicht ausgeliefert wissen. Deshalb haben wir die Konsequenzen gezogen und unseren Fondstest angepasst.

Aus für Eintagsfliegen

Von nun an wird die aktuelle Leistung eines Fondsmanagers stärker in die Finanztest-Bewertung einfließen, die wir Monat für Monat ermitteln. Einige Zeit glänzen und sich dann auf der faulen Haut ausruhen, das wird von nun an bestraft.

Geblieben ist die Punktzahl. Nach wie vor bekommt jeder Fonds im Test eine Finanztest-Bewertung zwischen 0 und 100 Punkten. Wir messen die Fonds an ihrer Wertentwicklung im Vergleich zum Markt, in den sie investieren. Wir bleiben auch beim Bewertungszeitraum von fünf Jahren, doch wir gewichten nun stärker, was in den vergangenen drei Jahren und im gerade abgelaufenen Jahr passiert ist.

Nur Fonds, die über alle drei Zeiträume mindestens 50 Punkte erreicht haben, reihen sich in die besten Fonds im Marktplatz ein. Wer vier Jahre gut war und nachlässt, fliegt aus der Bestenliste raus.

Bulle oder Bär

Künftig werden wir genau darauf schauen, wie sich die Manager in verschiedenen Marktphasen schlagen. Sind sie gut, wenn die Kurse steigen? Wie manövrieren sie sich durch eine Krise? Von einem Spitzenfondsmanager muss man Höchstleistungen in beiden Phasen erwarten dürfen.

85,1 Punkte bekommt zum Beispiel der M&G Global Basics, ein weltweit investierender Aktienfonds, für seine Leistung im steigenden Markt. Das heißt nichts anderes als: Manager Graham French ist ein echter Bulle. Im fallenden Markt hat er es dafür nur auf 41,8 Punkte gebracht. Sein Fonds stürzte stärker als die Börsen.

Dagegen zeigt sich Jens Ehrhardt in derselben Fondsgruppe als waschechter Bär: 80,5 Punkte bekommt sein Fonds DJE Dividende & Substanz im Umfeld fallender Kurse. Im steigenden Markt schafft er es aktuell dagegen nur auf 53,3 Punkte.

Selten nur beweist ein Manager ein glückliches Händchen in beiden Marktphasen. Edouard Carmignac ist einer der wenigen. Für seinen Carmignac Investissement bekommt er 69,1 Punkte für Aufwärts- und 58,9 Punkte für Abwärtsbörsen.

Für unseren Test gilt: Nur wer auch im fallenden Markt besser ist als 50 Punkte, darf sich zu den Besten zählen.

Ausgerechnet Edouard Carmignac ist aber kein sehr berechenbarer Zeitgenosse. Er bestückt seinen Fonds ganz anders als das Gros seiner Kollegen es tut, die sich bei der Auswahl der Einzeltitel an einem Marktindex orientieren. In unserer Tabelle sind solche eigenwilligen Köpfe ab sofort in der Spalte „Nähe zum Markt“ erkennbar. Bei Carmignac steht hier „Sehr gering“. „Sehr hoch“ ist dagegen die Marktnähe des aktuellen Spitzenreiters UniGlobal (mehr dazu siehe „Aktiv gemanagte Fonds“).

Unten durch

Ein paar Manager von Renten- und Geldmarktfonds sind bei uns unten durch. Wegen ein paar zehntel Prozentpunkten mehr Rendite haben sie sich mit riskanten Papieren voll verzockt – und damit ihren und den guten Ruf ihrer Kollegen aufs Spiel gesetzt.

Wir empfehlen Geldmarktfonds inzwischen nicht mehr, Tages- und Festgeld sind die bessere, weil sicherere Alternative.

Was Rentenfonds angeht: Die meisten Manager haben zwar nicht das Blaue vom Himmel gelogen, dennoch überzeugt uns ihre Leistung nicht. Sie verdienen viel Geld und schaffen es trotzdem oft nicht, für die Anleger mehr herauszuholen, als der Markt ohnehin abwirft. Hier lautet der Tipp: börsengehandelte Indexfonds, auch als ETFs (exchange traded funds) bekannt.

Im Kommen

Die Nachfrage nach Indexfonds ist enorm gestiegen, sowohl für Renten- als auch Aktienmärkte. Waren es vor wenigen Jahren noch vor allem institutionelle Investoren, die Indexfonds kauften, entdecken jetzt mehr und mehr Privatanleger diesen Markt. Auch diesem Trend wollen wir Rechnung tragen und werden daher von dieser Ausgabe an eine eigene Tabelle mit Indexfonds abdrucken.

Anleger finden dort Fonds für die wichtigsten Aktienmärkte und eine Auswahl an Rentenindexfonds. Eine Finanztest-Bewertung vergeben wir nicht, weil Indexfonds nicht aktiv gemanagt werden. Maßgeblich ist ihre Wertentwicklung.

Mit Indexfonds können Anleger sich darauf verlassen, dass der Fonds macht, was am Markt passiert. Zwar können sie auch nicht besser abschneiden, aber vor unliebsamen Überraschungen sind sie gefeit.

Blick in die Depots

Eine Krise deckt Unzulänglichkeiten auf. Nicht nur die der Fondsmanager, sondern auch die in den Depots der Anleger. Die Rede ist von der Struktur der Depots, die viele gerne mal schleifen lassen.

Wir haben Ende des vergangenen Jahres eine Umfrage gemacht. Dabei haben wir festgestellt, dass unsere Leser vieles richtig machen, dass sie gute Fonds kaufen und ihr Fondsdepot regelmäßig überprüfen. Doch ein Fehler zieht sich durch: Die Depots sehen oft aus wie Kraut und Rüben.

Weil aber eine gute Depotstruktur mindestens ebenso viel zum Erfolg beiträgt wie die Auswahl guter Fonds, zeigen wir von dieser Ausgabe an Musterdepots für verschiedene Anlegertypen (siehe „Fondsdepots“).

Dieser Artikel ist hilfreich. 285 Nutzer finden das hilfreich.