Aktiv gemanagte Fonds: Gewinne auf eigene Faust

Größere Renditechancen als Indexfonds bieten aktiv gemanagte Fonds. Anleger müssen diese Fonds aber im Auge behalten.

Es gibt zwei Arten von Investmentfonds: gute und schlechte. Mit unserem monatlichen Fondstest im Marktplatz am Ende des Heftes ermitteln wir, ob ein Fonds zu den Perlen oder zu den Verlierern gehört.

Damit ist es aber nicht getan. Nur wenn Anleger den Inhalt eines Fonds und die Ziele seiner Manager kennen, können sie wirklich beurteilen, ob er zu ihnen passt. Selbst in ein und derselben Fondsgruppe sind die Unterschiede mitunter gewaltig.

Vor allem in der wichtigsten Gruppe, den Aktienfonds Welt, sollten Anleger genau hinschauen, ehe sie sich entscheiden. Unter den knapp 400 Fonds, die wir regelmäßig beurteilen, gibt es ganz verschiedene Anlagestrategien, nach denen das Fondsvermögen weltweit investiert wird.

Damit sich Anleger in diesem Sammelsurium besser zurechtfinden, haben wir unsere Fondsbewertung um einen wichtigen Punkt ergänzt. Ab sofort beschreiben wir auch die Marktnähe. Sie sagt aus, wie sich ein Fonds im Vergleich zu seinem Bezugsindex entwickelt hat.

Marktnah bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Fonds eine ähnliche Rendite wie der Index hat. Sie kann sogar deutlich besser oder schlechter ausfallen.

Vielmehr geht es darum, ob sich das Auf und Ab des Marktes in der Fondsentwicklung gut widerspiegelt oder nicht. Manche Fondsmanager schaffen es, den Index fast jeden Monat knapp zu schlagen und erreichen dadurch eine sehr hohe Marktnähe. Andere haben spezielle Konzepte, um dem breiten Markt in bestimmten Phasen ein Schnippchen zu schlagen. Solche Fonds laufen oft völlig anders als der Index.

Die Marktnähe ist kein Qualitätsmerkmal. Sie zeigt dem Anleger aber, mit welcher Art von Fonds er es zu tun hat.

Die erfolgreichen Klassiker

Anlegen mit Fonds Test

Fonds wie UniGlobal, M&G Global Growth, JPM Global Focus, Invest Global oder DWS Akkumula zeigen, dass dauerhafter Erfolg mit klassischen Methoden möglich ist. Diese Fonds sind sehr nah am wichtigsten Vergleichsindex für global anlegende Aktienfonds, dem MSCI Welt. Dennoch haben sie den Index in den vergangenen fünf Jahren immer wieder geschlagen.

Der UniGlobal von Union Investment ist nun sogar der Spitzenreiter unseres Fondstests. Obwohl es einige Fonds gibt, die auf Fünfjahressicht deutlich bessere Renditen erzielten, steht der UniGlobal ganz oben. Seine Stärke ist die Regelmäßigkeit, mit der er den breiten Markt übertrumpft.

Das schaffen seine Manager, indem sie Einzelaktien geschickt auswählen und erfolgversprechende Branchen übergewichten. Zum Beispiel ist der Gesundheitssektor im UniGlobal zurzeit deutlich stärker vertreten als im MSCI Welt.

Für Anleger, die sich an unseren Musterdepots orientieren wollen, ist der UniGlobal eine gute Alternative zu Indexfonds.

In den vergangenen Jahren schaffte er eine jährliche Rendite von durchschnittlich 4,8 Prozent, während der Index nur um 1,4 Prozent pro Jahr zulegte. Für diesen Mehrwert lohnt es sich auch, mindestens alle paar Monate zu prüfen, ob der Fonds seinem Konzept und seinem Erfolg treu geblieben ist. Denn das ist selbst beim UniGlobal nicht sicher.

Leider haben nicht viele klassisch gemanagte Fonds diese hohe Qualität. Die meisten hinken dem Index mehr oder weniger stark hinterher und drängen sich nicht für eine Anlage auf. Das betrifft sogar einstige Renommierfonds wie etwa den Templeton Growth, der früher zur Crème de la Crème zählte. Seit einigen Jahren aber krebst er unter den schlechten Fonds herum.

Die eigenwilligen Überflieger

Einer der besten globalen Aktienfonds der vergangenen zwei Jahrzehnte ist der Carmignac Investissement. Seinen Erfolg verdankt er vor allem dem eigenwilligen Anlagestil der Fondsmanager, die sich nicht um die Zusammensetzung des MSCI Welt scheren. Vielmehr suchen sie in aller Welt nach vielversprechenden Branchen und aussichtsreichen Unternehmen. Das gelang ihnen bisher ausnehmend gut.

Anleger, die in den Carmignac-Fonds investieren, müssen wohl oder übel darauf vertrauen, dass die Aktienauswahl auch in Zukunft so gut gelingt. Eine allgemein gute Börsenentwicklung wäre kein Garant, dass der Fonds ihre Erwartungen weiter erfüllt.

Ende des Jahres 2009 hatte der Investissement zum Beispiel überdurchschnittlich hohe Anteile von Energie-, Rohstoff- und vor allem Finanzaktien. Diese Anlageideen des Fondsmanagements müssen aufgehen, damit der Fonds in der Erfolgsspur bleibt.

Ähnlich spezielle Konzepte mit ganz anderen Schwerpunkten gibt es von der Gesellschaft DJE, die nach dem Fondsmanager Dr. Jens Ehrhardt benannt ist. Der FMM-Fonds und der DJE Dividende & Substanz gehören seit längerem zu den empfehlenswerten Angeboten in ihrer Kategorie. Mit ihrer Länder- und Brancheneinteilung sind sie weit weg vom MSCI Welt.

Eine Spezialität der DJE-Fonds sind die Aktien kleinerer deutscher Unternehmen, wie die des Baukonzerns Bilfinger Berger oder des Kupferproduzenten Aurubis (ehemals Norddeutsche Affinerie). Das macht die Fonds schwer berechenbar. Wie beim Carmignac müssen Anleger auf den Riecher der Fondsmanager vertrauen.

Die Anpassungskünstler

Der FMM-Fonds gehört zu den Weltaktienfonds, die sich als Vermögensverwaltung verstehen. Finanztest versieht diese Fonds in den Tabellen mit einer Fußnote und stuft sie als „flexible Mischfonds“ ein. Solche Fonds können vollständig in Aktien investieren, sich zeitweise aber auch ganz aus dem Aktienmarkt zurückziehen. So wollen sie die Verluste während eines längeren Börsentiefs abmildern.

Ende 2009 war der FMM-Fonds zu rund 70 Prozent am Aktienmarkt engagiert. Von seinem Wesen her ist er eher ein Aktien- als ein Mischfonds.

Das ist beim C-Quadrat ARTS TR Global AMI nicht so eindeutig. Der Fonds gehört seit längerem zu den Spitzenreitern bei den Aktienfonds Welt und glänzt mit der zweitbesten Wertentwicklung in den vergangenen fünf Jahren (siehe Produktfinder Investmentfonds).

Der Anbieter bezeichnet ihn als Total-Return-Fonds, der das vorrangige Ziel hat, in allen Marktphasen einen Wertzuwachs zu erzielen, auch in schlechten Zeiten. Das ist ein grundsätzlich anderer Ansatz als der eines normalen Aktienfonds.

Dennoch taucht der Fonds bei den Aktienfonds Welt auf, da er in den vergangenen fünf Jahren überwiegend am Aktienmarkt aktiv war. Für seine Eingruppierung ist das entscheidend.

Dem Fonds gelang in der besonders kritischen Marktphase von Anfang 2008 bis Frühjahr 2009 ein seltenes Kunststück. Zunächst fuhr er seine Aktienquote stark herunter, als die Kurse auf Talfahrt gingen. Als die Märkte anschließend wieder steil nach oben schossen, war der Fonds auch wieder früh genug dabei, um von der Rallye zu profitieren.

Das gute Timing gelang den Managern des Fonds mithilfe eines hauseigenen Computerprogramms, das ihnen Kauf- und Verkaufssignale gibt. Zumindest in den vergangenen fünf Jahren funktionierte das offensichtlich besser als der Riecher der meisten Fondsmanager.

Die Gesellschaft C-Quadrat bietet Dachfonds an, die nicht in Einzelaktien, sondern in anderen Fonds anlegen. Um in guten Börsenphasen möglichst hohe Gewinne zu erzielen, picken die Fondsmanager zum Teil recht spekulative Fonds heraus, die dann noch bessere Chancen bieten als breit streuende Fonds.

Die besten Ergebnisse erzielte der ARTS TR Global AMI in der jüngsten Zeit mit Schwellenländerfonds. Mit solchen Anlagen sind hohe Risiken verbunden. Die Manager sollten sich besser nicht mit dem Zeitpunkt für den Ausstieg vergreifen.

Den Wiedereinstieg verpasst

Ganz andere Probleme hat das Fondsmanagement, wenn es beim Einstieg zu lange zaudert. Das betrifft vor allem den von Oppenheim vertriebenen Fonds Multi-Invest. Er hatte sich bereits im November 2007 aus dem Aktienmarkt verabschiedet und damit den optimalen Zeitpunkt zum Rückzug fast erwischt. Seinen Anlegern blieben die extremen Verluste der folgenden 15 Monate dadurch erspart.

Doch der Multi-Invest verpasste den Zeitpunkt für einen günstigen Wiedereinstieg. Die rund zweijährige aktienlose Phase hat ihn in unserer Fondsbewertung deutlich zurückgeworfen. Der einstige Spitzenfonds liegt mit 53,3 Punkten zurzeit nur noch knapp über dem MSCI Welt.

Immerhin legt das Fondsmanagement die Karten offen auf den Tisch und gibt in seinem recht klaren Auftritt im Internet (www.multi-invest.de) die enttäuschende Entwicklung der letzten Monate offen zu. Die vorsichtige Linie schützte Anleger zumindest vor bösen Abstürzen.

Nur in der Werbung herausragend

Längst nicht jeder flexible Mischfonds hält, was er Anlegern in der Werbung verspricht. Ganz besonders gilt das für den von Finanztest schon mehrfach kritisierten Flatex-Fonds Vermögensaufbau Haig I. In der Werbung im Internet (www.vermoegensaufbau-fonds.de) bekommen Anleger eine durchschnittliche Rendite von 15 Prozent pro Jahr in Aussicht gestellt.

Schon dieses Ziel ist lachhaft. In Wahrheit hat der Fonds in den vergangenen fünf Jahren eine ganz andere Richtung genommen und durchschnittlich 6,6 Prozent pro Jahr eingebüßt. In unserer Fondsbewertung steht er bei nur 39,2 Punkten.

Bereits ein Blick auf die größten Einzelwerte des Fonds müsste zur Vorsicht mahnen. Dort zeugen größere Aktienpositionen des deutschen Internetdienstleisters Freenet oder der chinesischen Handelsplattform Alibaba.com von einer ausgeprägten Risikobereitschaft. Für Anleger, die den Fondsnamen Vermögensaufbau wörtlich nehmen, sind solche Spekulationen ungeeignet.

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