Fondsdepots: Gut aufgestellt

Wer mit seinen Fonds eine gute Rendite erzielen will, braucht den passenden Aktien-Anleihen-Mix. Finanztest zeigt Depots für jeden Geschmack.

Fonds machen Spaß: Ein Top-Weltfonds gehört ohnehin ins Depot, dazu ein Fonds mit Aktien deutscher Firmen – die kennt man schließlich. Rohstofffonds gefällig? Nix wie her damit. Die liegen im Trend. Schwellenländer dürfen auch nicht fehlen. So mancher Anleger gerät bei den vielen tollen Angeboten fast in einen Kaufrausch. Aber mindestens so wichtig wie die Auswahl guter Fonds ist der richtige Mix aus chancenreichen und sicheren Anlagen.

Anleger sollten den Blick immer zuerst darauf richten, wie sie ihr Geld zwischen Aktien- und Rentenfonds aufteilen. Erst im zweiten Schritt folgt die Wahl der einzelnen Fonds. Wie einer sein Vermögen auf Aktien- und Rentenfonds verteilt, hängt dabei von der Anlagedauer und der Risikobereitschaft ab.

Viele legen bisher ihre Aktienquote nach der Pi-mal-Daumen-Methode fest – und gehen ein zu hohes oder zu niedriges Risiko ein. Im ersten Fall können sie mehr Geld verlieren, als sie womöglich ertragen können, im zweiten Fall verzichten sie auf Renditechancen. Auch das ist schlecht.

Finanztest hat deshalb ein Werkzeug entwickelt, mit dessen Hilfe jeder die für ihn passende Aktienquote ermitteln kann (siehe Grafik „Drei Mustervorschläge für den Depotmix“). Außerdem zeigen wir, mit welchen Fonds die Depots bestückt werden können.

Schritt für Schritt zum passenden Mix

Wie lange wollen Sie anlegen? Welche Kurseinbrüche halten Ihre Nerven aus? Was soll am Ende mindestens dabei herauskommen? Von den Antworten auf diese Fragen hängt es ab, welche Mischung Sie wählen sollten. Beachten Sie, dass ein Fondsdepot erst dann sinnvoll ist, wenn Sie mindestens fünf, besser zehn Jahre oder noch länger Zeit haben.

Ganz gleich, ob Sie schon ein Depot haben und die Struktur anpassen wollen oder ob Sie sich erst ein Depot bestücken: Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Sache angehen.

Sie können sich zum Beispiel eines unserer Musterdepots aussuchen. Das ist das Einfachste. Es stehen zur Auswahl das Sicherheitsdepot, das ausgewogene Depot und das Renditedepot.

Für einen ruhigen Schlaf

Im Sicherheitsdepot liegt der Aktienanteil bei 15 Prozent. 85 Prozent des Geldes stecken in Rentenfonds. Für eine längerfristige Geldanlage taugen Rentenfonds besser als Anleihen oder Festzinsanlagen, weil ihre Laufzeit nicht begrenzt ist und Sie sich nicht ständig um die Wiederanlage Ihres Geldes kümmern müssen.

Sie wundern sich jetzt womöglich, warum es sicherer sein soll, Aktien überhaupt beizumischen. Das liegt daran, dass auch die Kurse von Rentenfonds schwanken. Die Aktienfonds im Depot gleichen die Kursschwankungen der Rentenfonds jedoch teilweise wieder aus.

Sehen können Sie das an der roten Kurve unten in der Grafik: Mit einem 15-prozentigen Aktienfondsanteil müssen Sie es verkraften können, dass Ihr Depot zwischendurch auch mal fast 7 Prozent vom erreichten Wert verliert. Würden Sie nur Rentenfonds kaufen, könnten die zwischenzeitlichen Einbrüche heftiger sein: minus 10 Prozent.

Die durchschnittliche Rendite einer solchen 15/85-Mischung aus Aktien- und Rentenfonds lag in den vergangenen 30 Jahren bei 7,5 Prozent – dargestellt durch die gelbe Kurve. Durchschnittlich heißt aber nicht, dass das auch in Ihrem Fall genauso eintritt. Es kann sowohl besser als auch schlechter ausgehen. Geben Sie Ihrer Fondsanlage nur fünf Jahre Zeit, dann können Sie statt mit 7,5 Prozent pro Jahr im ungünstigsten Fall auch mit einer Jahresrendite von nur 2,2 Prozent dastehen. Sie erkennen das an der hellblauen Kurve im mittleren Feld. Diese Mindestrendite ist das Ergebnis unserer ­Simulationsrechnungen, die wir auf der Grundlage von Marktwerten der vergangenen 30 Jahre vorgenommen haben.

Bleiben Sie länger investiert, kann die Mindestrendite nicht mehr so schlecht ausfallen – bei zehn Jahren beträgt sie voraussichtlich knapp 4 Prozent, bei 20 Jahren rund 5 Prozent.

Damit Sie uns nicht falsch verstehen: Was Sie an den Kurven ablesen können, sind keine fixen Größen. Eine Garantie, dass Sie so oder besser abschneiden, können wir nicht geben. Aber aus unseren Berechnungen ergibt sich dafür eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit.

Für Wagemutige

Ausdauer macht sich bezahlt. Wenn Sie 15 oder 20 Jahre Zeit haben, sollten Sie eine Aktienquote von 70 Prozent ins Auge fassen und unser Renditedepot umsetzen. Ihre Renditechance liegt dann bei durchschnittlich 9 Prozent pro Jahr. Selbst wenn alles schiefgeht, sind Sie am Ende aller Wahrscheinlichkeit nach im Plus – mit 1 Prozent pro Jahr bei 15 Jahren Laufzeit, mit 2 Prozent bei 20 Jahren. Allerdings taugt diese Variante nur, wenn Sie zwischenzeitliche Verluste von 40 Prozent ertragen können.

Halb so wild

Das ausgewogene Depot ist der Kompromiss zwischen den beiden vorher genannten. Die Renditechance liegt bei 8,25 Prozent und ist deutlich höher als beim Sicherheitsdepot. Das Risiko ist nur halb so hoch wie bei der Renditevariante: Zwischenzeitliche Kurseinbrüche werden wahrscheinlich nicht mehr als 20 Prozent betragen.

Die Aktienquote haben wir auf 40 Prozent festgesetzt. Auf 40 deshalb, weil Sie hier selbst nach der kürzesten Laufzeit von fünf Jahren am Ende zumindest noch Ihr ursprünglich angelegtes Geld haben.

Und wenn Sie 10 oder 15 Jahre anlegen, schaffen Sie im ungünstigen Fall immer noch den Inflationsausgleich. Rund 2 Prozent pro Jahr betrug die Teuerung im langfristigen Mittel der vergangenen Jahre.

Ihre individuelle Mischung

Sie haben sich nun Risiken und Chancen vor Augen geführt, die verschiedene Aktienquoten mit sich bringen. Sollten Sie sich in keinem unserer Musterdepots wiederfinden, können Sie Ihre Aktienquote mit unserer Grafik individuell festlegen.

Gehen Sie von der Laufzeit aus, wenn Sie wissen, wie lange Sie Ihr Geld arbeiten lassen können. Je kürzer die Laufzeit, desto vorsichtiger sollten Sie sein. Haben Sie Zeit, können Sie in die Vollen gehen.

Wissen Sie nicht, wie lange Sie Ihr Geld liegen lassen können, orientieren Sie sich am zwischenzeitlichen Verlustrisiko.

Das passt ins Depot

Wir haben für unsere Berechnungen zwei Marktindizes herangezogen: für die Aktien den Börsenindex MSCI Welt von Morgan Stanley, für die Renten den Staatsanleihenindex der Citigroup für Euroland.

Am nächsten kommen Sie unseren Modellen mit ETFs, börsengehandelten Indexfonds. Ein ETF auf den MSCI Welt, dazu ein Rentenindexfonds als Sicherheitsbaustein und vielleicht ein kleiner Anteil an Schwellenländern, sogenannten Emerging Markets (siehe Grafik „Unser ausgewogenes Musterdepot - mit Fonds gefüllt“: Für Bequeme).

Wahrscheinlich haben Sie jedoch schon Fonds und keine Lust, auf einen Schlag Ihr gesamtes Depot umzukrempeln. Unser Vorschlag: Legen Sie zu Ihren Fonds doch einfach ein paar Indexfonds dazu.

Beispielsweise könnten Sie Ihren Rentenfondsanteil mit einem Rentenindexfonds ergänzen. Wir haben festgestellt, dass es nur wenigen Rentenfonds Euro gelingt, den Markt dauerhaft zu schlagen. Da drängt sich ein Indexinvestment geradezu auf.

Ähnliches gilt für Aktienfonds Euroland. Der Marktindex MSCI Euroland, kurz: EMU, wird nur von wenigen Fonds geschlagen – und findet sich daher in Form eines Indexfonds in unserem Musterdepot wieder (siehe Grafik „Unser ausgewogenes Musterdepot - mit Fonds gefüllt“: Für Unentschiedene).

In unserer Umfrage aus dem vergangenen Jahr haben sich zahlreiche Leser als wahre Fondsfans geoutet. Sollten Sie einer davon sein, seien Sie beruhigt – auch mit Ihren Lieblingsfonds können Sie unsere Vorschläge umsetzen. Selbst wenn Ihr Depot nicht eins zu eins der Theorie entsprechen wird, lohnt es sich, die Aufteilung in Aktien und Renten zu planen (siehe Grafik „Unser ausgewogenes Musterdepot - mit Fonds gefüllt“: Für Liebhaber).

Am Ende der Laufzeit

Zur praktischen Umsetzung der Depotvorschläge noch eine Anmerkung: Sie müssen die Quoten nicht auf den Cent genau ausrechnen. Das wäre auch nicht praktikabel, denn zum einen schwanken die Fondspreise und zum anderen kämen Sie dabei auf so kleine Beträge, dass Sie Bruchteile von Fondsanteilen kaufen oder verkaufen müssten, und das geht oft nicht.

Was Sie aber schon tun sollten, ist, Ihr Depot einmal im Jahr anzupassen. Denn wenn die Börsen gut gelaufen sind, sitzen Sie plötzlich auf einem zu hohen Aktienanteil und damit auf einem zu hohen Risiko.

Ans Herz legen wollen wir Ihnen außerdem ein Ablaufmanagement. Damit können Sie verhindern, dass ein Börsencrash gegen Ende der Laufzeit Ihren Erfolg wieder zunichte macht. Es ist nämlich so: Auch im letzten Anlagejahr kann noch das eintreten, was unsere rote Kurve als maximalen Verlust zeigt. Deshalb lohnt es sich, die Gewinne nach und nach in Sicherheit zu bringen und die Aktienquote zu verringern.

Das Ablaufmanagement lohnt sich natürlich nur, wenn wirklich Gewinne aufgelaufen sind. Haben Sie gerade einen Crash hinter sich, wäre die Verringerung der Aktienquote Quatsch. Im Gegenteil: Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Aktien wieder erholen, vergleichsweise groß und Sie behalten sie besser.

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