Anlegen mit Fonds: Einfach die Welt kaufen

Anlegen mit Fonds Test

Indexfonds: ETFs sind erstaunliche Gebilde. Was die Fonds enthalten, ist kaum zu durch­schauen, aber am Ende entwickeln sie sich fast wie ein Index. Wir nennen die besten.

Schwindel­erregend

Die 50 größten Unternehmen der Erde sind an der Börse mehr als 6 Billionen Euro wert. Das ist ungefähr so viel wie die Jahres­wirt­schafts­leistung von Deutsch­land, Frank­reich und Groß­britannien zusammen.

Am meisten müsste ein Käufer für den amerikanischen Ölkonzern Exxon Mobil bezahlen, nämlich 300 Milliarden Euro. Dagegen nimmt sich das größte deutsche Unternehmen bescheiden aus. Gerade 85 Milliarden Euro schwer ist Siemens.

Trotzdem zählt Siemens zum Kreis der welt­weiten Aktienriesen, die in dem Börsen­index Dow Jones Global Titans 50 versammelt sind. Die meisten dieser Titanen sitzen in den USA, einige aber auch in Europa, Asien und Latein­amerika.

Über den Indexfonds iShares DJ Global Titans 50 können Anleger sich an den Kolossen beteiligen. 18 Euro kostet zurzeit ein Fonds­anteil. Ein Einsatz, der aus jedem Anleger ein Nanoteilchen der Welt­wirt­schaft macht.

Der iShares-Fonds ist ein ETF. Das ist die Abkür­zung für Exchange Traded Fund oder börsen­gehandelter Indexfonds. Von außen sieht das einfach aus: Ein ETF entwickelt sich wie der Index, auf den er sich bezieht. Steigt der Index, steigt genauso der Fonds – und umge­kehrt. Im Inneren der Fonds geht es mitunter aber ganz schön kompliziert zu.

Unser Test

Vor der Wahl eines Fonds steht die Entscheidung für den richtigen Markt und Index. Wie Anleger diese treffen, erläutern wir im ersten Schritt. Eine gute Basis im Depot bilden beispiels­weise über­regionale Indizes mit vielen großen und kleineren Werten.

Im zweiten Schritt zeigen wir, welche ETFs die besten sind. Sie sollten ihren Index so genau wie möglich abbilden. Außerdem haben wir die Bauweise der ETFs untersucht, um auszuloten, welche Gefahren in den komplexen Strukturen lauern könnten.

Der erste Schritt ist der wichtigste: Bei ETFs kommt es vor allem auf den Index an.

Die bunte Welt der Indizes

Wer sich mit der Welt der Indizes näher befasst, dem offen­bart sich eine prächtige Vielfalt. Der deutsche Dax sowie der berühmte amerikanische Dow Jones Index – übrigens der älteste Index der Welt – sind Beispiele für Länderindizes, die nur die größten Unter­nehmens­werte versammeln.

Länder­über­greifende Indizes für große Werte, auch Large-Caps genannt, sind der Euro Stoxx 50 für die Euroländer und der Stoxx Europe 50 für Europa. Auch der schon genannte DJ Global Titans 50 gehört dazu.

Zu den Large-Cap-Indizes gesellen sich Mid-Cap- und Small-Cap-Indizes, das sind die Börsen­barometer für mitt­lere und kleine Werte. Beispiele für regionale Mid- und Small-Cap-Indizes sind der 50 Werte umfassende MDax und der SDax, der 50 kleinere deutsche Unternehmen listet.

Und dann gibt es da noch die breiten Marktindizes, die größere und kleinere Unternehmen aus verschiedenen Regionen listen. Der MSCI World Index der amerikanischen Bank Morgan Stanley zum Beispiel enthält derzeit 1 660 Unternehmen aus 24 entwickelten Ländern. 745 davon zählen mit einem Börsen­wert von mehr als 7,5 Milliarden Euro zu den Schwergewichten der globalen Märkte (siehe Tabelle „Die wichtigsten Indizes im Überblick“).

Indizes unterscheiden sich auch darin, wie sie die Unternehmen gewichten, wie groß also der Einfluss jedes einzelnen auf die Wert­entwick­lung des Indexes ist. In den von uns genannten Indizes sind die Unternehmen nach ihrer Größe gewichtet, gemessen an ihrem Börsen­wert.

Mit einer Ausnahme: Der Nach­haltig­keits­index Euro Stoxx Sustainability 40 gewichtet die Unternehmen danach, wie ethisch und ökologisch sie wirt­schaften.

Multikulti fürs Depot

Ein Index mit zahlreichen Unternehmen jedweder Sorte liefert ein genaueres Abbild der wirt­schaftlichen Lage als ein Index, der sich auf wenige große oder einige kleine Unternehmen beschränkt. Große Werte sind solide, bleiben in Aufschwung­phasen aber oft hinter kleinen Werten zurück. Kleine Titel sind wendiger, sie steigen schnell, können aber genauso rasant wieder fallen.

Wir empfehlen als Basis fürs Depot eine breite regionale Streuung mit verschiedenen großen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Weil der MSCI World nur Firmen aus entwickelten Märkten enthält, sollten Anleger ihn mit einem Fonds auf den MSCI Emerging Markets ergänzen. Damit investieren sie auch in 21 Schwellenländer, ange­fangen von Brasilien über Russ­land und Indien bis China.

Als Alternative zum MSCI World taugt auch der europäische Markt, der die Börsen West­europas umfasst, darunter Groß­britannien und die Schweiz. Für Anleger, die keine Währungs­risiken eingehen wollen, bietet Euro­land die beste Streuung.

Außer den beiden Indizes MSCI Europe und MSCI EMU für Euro­land bieten sich als Ausgangs­punkt für die Fonds­auswahl der 600 Werte umfassende Stoxx Europe sowie der rund 300 Titel zählende Euro Stoxx an.

Der Dax ist wie andere Länderindizes als alleiniges Investment nicht geeignet. Trotz allem ist er ein echter Verkaufs­schlager: In den ETF iShares Dax haben Anleger rund 4,4 Milliarden Euro einge­zahlt, in dem Fonds db x-trackers Dax ETF liegen 2,7 Milliarden Euro. Damit gehören sie zu den größten ETFs über­haupt (siehe Tabelle „ETFs auf wichtige Börsenindizes - eine Auswahl“).

Die gute Idee

Wie so oft in der Welt der Finanzen stammt auch die Idee für ETFs aus den USA. Die Amerikaner handeln schon seit Mitte der 90er Jahre Indexfonds an der Börse. Im April 2000 starteten die ersten ETFs in Deutsch­land. Waren die Fonds Anfang des Jahr­tausends noch ein Geheimtipp unter Profis, entdeckten mehr und mehr private Anleger die Fonds, die einfach nur einen Index nach­machen. Heute kann man an der Deutschen Börse 600 ETFs handeln.

Die Idee ist so einfach wie genial: Der ETF-Verwalter bestückt seinen Fonds nach den Vorgaben eines Indexes. Der Einkaufs­zettel für den Dax führt beispiels­weise 30 Werte auf, ange­fangen von 10 Prozent Siemens, 8 Prozent Bayer über 6 Prozent Deutsche Bank und je 3 Prozent VW und BMW bis hin zu knapp 1 Prozent für Beiers­dorf.

Und weil dieselben Werte drin­stecken, entwickelt sich ein ETF auf den Dax wie der Dax selbst – von den Gebühren einmal abge­sehen. Anders als aktiv gemanagte Fonds sind ETFs zwar nie besser als der Index – aber eben auch kaum schlechter.

Was wirk­lich drin­steckt

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„Einfach, trans­parent, flexibel – ETF“, wirbt die Deutsche Bank für ihre db x-trackers-Fonds und so will die gesamte Branche ihre Produkte verstanden wissen. Guckt man von außen drauf, ist ein ETF ein einfaches Gebilde, das nach­macht, was ein Index vormacht. Doch im Innern entdeckt man nicht unbe­dingt leicht verständliche Finanz­geschäfte.

Der ETF-Anbieter Lyxor zum Beispiel betreibt Tausch­geschäfte, sogenannte Swaps. In den Fonds von Lyxor liegen zwar Aktien drin, allerdings nicht zwingend die, die auch im Index sind. Das Portfolio des Lyxor ETF MSCI Emerging Markets, also eines Schwellenländerfonds, besteht zum Beispiel über­wiegend aus Aktien der Euroländer.

Damit der Lyxor ETF sich nun aber tatsäch­lich so entwickelt wie der MSCI-Emerging-Markets-Index, schließt Lyxor ein Tausch­geschäft mit der französischen Bank Société Générale ab.

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Das funk­tioniert so: Der Fonds besitzt die Aktien aus Euro­land, die Bank hat die Aktien der Schwellenländer, die Wert­entwick­lung tauschen sie aus.

Die Wert­entwick­lung der beiden Portfolios darf sich nicht völlig voneinander entfernen, sonst wird das Risiko zu groß. Sobald der Unterschied mehr als 10 Prozent beträgt, muss der Fonds ihn ausgleichen oder sich um Sicherheiten kümmern. Manche Fondsanbieter sichern das Tausch­geschäft aber prinzipiell ab.

Es geht noch komplizierter: In den Aktienfonds von db x-trackers findet sich häufig nicht einmal eine einzige Aktie. Statt­dessen liegt dort nur ein Swap. Auch das ist erlaubt, wenn die Sicherheiten groß genug sind.

Die Tausch­geschäfte sollen Arbeit und Geld sparen. Der ETF nuss nicht jedes Mal Aktien kaufen oder verkaufen, wenn der Index sich verändert. Auch die Dividendenzah­lungen verwaltet der Tausch­partner. „Wir können so den Index viel genauer abbilden“, sagen die Anbieter.

Unser Test zeigt jedoch, dass die Swap-ETFs nicht immer besser abschneiden als ETFs, die die Aktien aus dem Index kaufen.

Was doch nicht drin­steckt

Aber auch ETFs, die die Original­werte kaufen, machen selt­same Geschäfte: Sie verleihen die Aktien weiter. Die Fonds­gesell­schaften erzielen mit diesen Leih­geschäften zusätzliche Erträge.

Damit gleichen sie die Kosten für die dauernden Anpassungen des Portfolios aus. Würden sie das nicht tun, könnten sie mit den Swap-ETFs über­haupt nicht konkurrieren, behaupten sie. Ihre ETFs würden immer schlechter abschneiden. Wir haben keinen einzigen ETF mit Original­aktien gefunden, der diese nicht verleiht.

Was schief gehen kann

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Bei beiden Fonds­arten, sowohl den Swap-ETFs als auch den Fonds mit Original­werten, die aber verliehen sind, besteht das Risiko, dass der Geschäfts­partner pleite­geht. Die Anleger sollten daher darauf achten, dass die Fonds abge­sichert sind.

Fonds, die Wert­papiere ausleihen, bekommen dafür andere Wert­papiere als Sicherheiten, die sie dann verwerten können (siehe Grafik). Bei den von uns untersuchten ETFs ist die Wert­papierleihe abge­sichert.

Bei Swap-ETFs gibt es Unterschiede. Einige wie db x-trackers oder Coms­tage sichern von vorneherein ab, andere wie Lyxor nicht (siehe Tabelle „ETFs auf wichtige Börsenindizes - eine Auswahl“).

Wer auf einen Index seiner Wahl mehrere ähnlich gute Swap-ETFs findet, nimmt die abge­sicherte Variante.

Aber das größte Risiko bei Aktienfonds ist noch immer, dass die Kurse fallen. Und mit diesem Risiko müssen Anleger als Aktionäre umgehen können. Wer Teil der Welt­wirt­schaft sein und an den Gewinnen der Großen mitverdienen will, muss auch einstecken können.

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