Nie war der Einstieg in den Aktienmarkt leichter. Anleger können sich direkt an Börsenindizes beteiligen – mit ETFs.

Immer wenn der Aktien­index Dax eine Tausender-Marke durch­bricht, werden Anleger hell­hörig. So auch im Dezember, als der deutsche Leit­index wieder über 7 000 Punkte stieg.

Einen unmittel­baren Nutzen von dem Höhen­flug haben nur wenige. Deutsche sind Aktienmuffel, erst recht seit der Finanz­krise. Nur jeder achte ist direkt oder über Fonds an Aktiengesell­schaften beteiligt.

Viele scheuen vor dem Aktienmarkt zurück, weil sie ihn für zu riskant halten. Andere bleiben nur deshalb auf der sicheren Seite, weil ihnen das alles zu kompliziert ist.

Den Anlegern der zweiten Gruppe kann geholfen werden. Mit sogenannten ETFs können sie sich einfach und preis­wert an der Entwick­lung von Aktienmärkten beteiligen.

Die Abkür­zung steht für Exchange Traded Funds – eng­lisch für Fonds, die an der Börse gehandelt werden. Sie führt in die Irre, weil inzwischen fast alle Fonds an der Börse gehandelt werden. ETF werden aber nur Fonds genannt, die Struktur oder Wert­entwick­lung eines Börsen­indexes nach­bilden.

Ein paar Dutzend Aktien

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Wer bereit ist, für einen Teil seiner Erspar­nisse ein Risiko einzugehen, ist bei Aktienfonds richtig. Ein gut gemischter Fonds enthält meist mehrere Dutzend, manchmal sogar ein paar Hundert verschiedene Aktien, was das Risiko gegen­über einer Geld­anlage in Einzel­aktien erheblich vermindert.

Doch nicht jeder Fonds ist empfehlens­wert. Die Titel­auswahl klassischer Aktienfonds liegt in der Hand von Managern. Ihr Geschick entscheidet darüber, ob der Fonds gut läuft. Im ungüns­tigsten Fall hinkt er in guten wie in schlechten Börsen­zeiten der Markt­entwick­lung hinterher.

Das können Anleger vermeiden, wenn sie auf ETFs setzen. Vieles spricht für diese Fonds: Ihre Entwick­lung ist trans­parent, da sie sich genau nach der des Börsen­indexes richtet. Sie haben meist geringere Kauf­kosten und immer geringere laufende Kosten als herkömm­liche Fonds.

Mehr als nur den Dax kaufen

Anleger sollten sich vor dem Kauf eines ETF aber gut über­legen, auf welchen Index sie setzen. Der Dax mit seinen 30 Unternehmen ist eine naheliegende Wahl.

Als alleinige Aktien­anlage ist ein Dax-ETF allerdings nicht das Gelbe vom Ei, weil er auf Deutsch­land beschränkt ist. Es ist besser, ETFs auf andere Aktienmärkte dazu zu mischen oder von vorn­herein auf einen interna­tionalen Index zu setzen.

Die breiteste Streuung bietet der von der US-Bank Morgan Stanley berechnete MSCI World. Mit einem ETF auf diesen Index beteiligt man sich an der Wert­entwick­lung von fast 1 700 interna­tionalen Konzernen.

Die Börsen von Schwellenländern sind allerdings nicht enthalten. Wer auch auf die Aktienmärkte in China, Südamerika, Afrika oder Asien setzen will, braucht zusätzlich einen ETF auf den MSCI Emerging Markets, den breitesten Index für diese Länder und Regionen.

Wenige Manager schlagen den Index

Unsere Empfehlung für ETFs bedeutet aber nicht das Aus für gemanagte Fonds. Nur in eng begrenzten oder sehr speziellen Märkten sind ETFs für alle Anleger die beste Wahl, weil hier ein Fonds­manager auch kaum mehr als die Index­aktien auswählen kann. Das gilt für die meisten exotischen Börsen ebenso wie für fast alle Branchenfonds.

Anders sieht die Sache bei Fonds aus, die ein sehr großes Anla­gespektrum haben, also zum Beispiel bei Aktienfonds Europa und vor allem bei Aktienfonds Welt. Hier können Fonds­manager aus dem Vollen schöpfen und eigene Vorstel­lungen umsetzen.

Wie unser monatlicher Dauer­test (siehe Über­sicht Produktfinder Investmentfonds) zeigt, sind einige wenige Manager dabei außer­ordentlich erfolg­reich. Sie haben selbst auf längere Sicht alle Indizes weit hinter sich gelassen. Warum sollten Anleger auf diese Chancen verzichten?

Anders als ETFs eignen sich gemanagte Fonds aber nur für Menschen, die gewillt sind, sich ein wenig mit den Aktienmärkten zu befassen und die Fonds­entwick­lung zu kontrollieren. Denn es gibt keine Garantie, dass erfolg­reiche Fonds­konzepte der Vergangenheit auch in Zukunft funk­tionieren.

Wer zur Kontrolle keine Lust hat, ist mit einem ETF besser bedient. Dann geht es nur noch darum, dass die Börsen steigen, und das haben sie, mit Unter­brechungen, bisher noch immer gemacht.

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