Anlegen mit ETF und aktiven Fonds Special

Wer richtig kombiniert steht besser da – nicht nur bei der Krawatten­wahl.

ETF mischen die Fonds­welt auf. Ihre Idee, den Markt zu kopieren, funk­tioniert. Fonds­manager müssen sich ins Zeug legen, um gegen­zuhalten. Lohnen sich aktiv gemanagte Fonds noch? Sind ETF nicht grund­sätzlich besser? test.de hat 13 Strategien getestet. Hier sind die Ergeb­nisse.

Strategien im Test

Wir haben zum einen untersucht, wie gut die Finanztest-Punktebe­wertung funk­tioniert, die wir vor drei Jahren gestartet haben und nach der wir regel­mäßig mehr als 6 000 Fonds bewerten. Zum anderen haben wir geforscht, wie Anleger mit unserem Rating sinn­voll investieren können, und dazu Strategien mit aktiv gemanagten Fonds und ETF geprüft.

Die wichtigsten Erkennt­nisse in Kürze

Finanztest Bewertung. In den untersuchten Gruppen Aktienfonds Welt, Schwellenländer und Europa hat es sich ausgezahlt, auf unser Rating zu achten. Top bewertete Fonds haben in den Jahren nach unserer Bewertung besser abge­schnitten als Fonds mit schlechter Note. Die sind meist schlecht geblieben.

ETF. Auch die top bewerteten Fonds haben es nicht oder nur knapp geschafft, im Durch­schnitt besser abzu­schneiden als der Markt. Ein Investment in markt­breite ETF hätte sich in allen drei Gruppen gelohnt.

Mischung. Mit einer Mischung aus aktiv gemanagten Fonds und ETF können Anleger das Risiko ihres Depots reduzieren. Sie kombinieren dazu markt­breite ETF mit top bewerteten aktiv gemanagten Fonds, die risikoarm sind oder die spezielle Strategien fahren und sich vom Markt stark unterscheiden.

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Ein Drittel mehr Ertrag

Wie aktives Management sich auszahlen kann, zeigt der Comgest Growth Greater Europe Opportunities, ein Aktienfonds Europa. Er hat in den vergangenen fünf Jahren pro Jahr 17,9 Prozent zugelegt. Der Vergleichs­index MSCI Europe hat 11,4 Prozent pro Jahr gebracht. In Zahlen: Wer vor fünf Jahren 10 000 Euro investiert hat, der hat jetzt 22 781 Euro – 5 624 Euro mehr, als wenn er den Index gekauft hätte. Zum Unter­suchungs­stichtag erhielt der Fonds in der Finanztest-Bewertung die Bestnote. Zur aktuellen Bewertung des Comgest Growth Greater Europe Opportunities.

Qualität kann sich ändern

Die Frage ist allerdings, ob Anleger genau diesen Fonds gewählt hätten. Wussten sie, dass er gut laufen würde? Tatsäch­lich hat der Comgest schon seit mehreren Jahren die Bestbewertung von Finanztest: fünf Punkte. Die Bewertung der Fonds ändert sich aber häufig über die Zeit. Fonds können sich verbessern oder schlechter werden. Das muss nicht einmal daran liegen, dass das Management schlechter wird – es kann sein, dass andere Manager besser werden, etwa weil sie erfolg­reiche Strategien kopieren.

Beispiele aus unserem Rating

Der UniGlobal, ein bei vielen Lesern beliebter Aktienfonds Welt, ist ein Beispiel für einen Fonds, der seinen Spitzenrang schon seit einiger Zeit verloren hat. Zum Zeit­punkt der Unter­suchung zählte er aber immer noch zu den über­durch­schnitt­lichen Fonds. Zur aktuellen Bewertung des UniGlobal. Der DWS Top Dividende, ebenfalls ein alter Bekannter, konnte seine 5-Punkte-Bewertung dagegen schon seit vielen Jahren behaupten. Der DWS Vermögensbildungsfonds I verbessert sich inzwischen wieder. Der mehr als 7 Milliarden Euro schwere Fonds hatte zwischen­zeitlich nur noch einen Punkt und liegt jetzt wieder darüber.

Fonds­bewertung zuver­lässig

Anlegen mit ETF und aktiven Fonds Special

Top schlägt flop. Die Grafiken zeigen, wie sich die top-bewerteten Fonds im Vergleich zum breiten Markt und den schlechten Fonds entwickelt haben. Für die Analyse haben wir jeden Monat ein Portfolio aus den zu diesem Zeit­punkt top bewerteten Fonds bestückt und geschaut, wie sich das Portfolio im Folgemonat entwickelt hat. Die Charts zeigen die Gesamt­wert­entwick­lung. Analog sind wir bei den Flop-Fonds und den markt­breiten ETF vorgegangen (Unter­suchungs­zeitraum vom 31. Dezember 2013 bis 31. Dezember 2016, seit Einführung der Finanztest-Punktebe­wertung). In allen drei untersuchten Fonds­gruppen liegen die Top-Fonds vor dem Flop-Fonds. Die markt­breiten ETF haben bei den Aktienfonds Welt am besten abge­schnitten.

Im Großen und Ganzen erweist sich die Fonds­bewertung bisher als zuver­lässig. Rund zwei Drittel der Fonds, die vor drei Jahren bei Einführung unserer Punktebe­wertung die Bestnote erhalten haben, sind auch heute noch über­durch­schnitt­lich, sprich: haben Noten von fünf oder vier Punkten. Dass aus einem schlechten ein guter Fonds wird, passiert eher selten.

Gründe für das gute Abschneiden

Interes­sant zu wissen wäre, was die Gründe dafür sind, dass Fonds den Markt schlagen. Bevor­zugen sie kleinere Aktien, als im Index gelistet? Tatsäch­lich haben in den vergangenen fünf Jahren Small Caps besser abge­schnitten als der breite Markt. Setzen die Fonds­manager stark auf Wachs­tums­titel? Oder kaufen sie Aktien aus Ländern, die im Index kaum oder gar nicht vorkommen? In Europa liefen die nördlichen Ländermärkte besser als die südlichen. Oder haben die Manager einfach ein glück­liches Händ­chen bewiesen?

Mit eigenen Ideen an die Spitze

Wie sehr sich Manager vom Markt leiten lassen, zeigt unsere Kenn­zahl Markt­orientierung. Je größer die Zahl, desto ausgeprägter die Markt­nähe. Eine hundert­prozentige Über­einstimmung bedeutet, dass ein Fonds steigt und fällt wie sein Vergleichs­index. Das ist in der Regel bei markt­breiten ETF der Fall. Eine geringe Markt­nähe kann auf eine spezielle Strategie hinweisen oder ein Zeichen dafür sein, dass ein Fonds nur wenige Titel enthält. Der Fonds von Comgest weist eine Markt­nähe von 67 Prozent auf. Nur 64 Prozent hat der Morgan Stanley Global Opportunity aus der Gruppe der Aktienfonds Welt. Der Fonds hat mit 19,7 Prozent die beste Fünf­jahres­rendite aller Welt­aktienfonds erzielt. Der MSCI World hat 15,7 Prozent pro Jahr erreicht. Die Idee, markt­ferne Fonds zu kaufen, ist tatsäch­lich plausibel. Das zeigen die Test­ergeb­nisseIn beiden Fonds­gruppen haben die Strategien mit markt­fernen Fonds gut abge­schnitten – gemessen am Chance-Risiko-Verhältnis.

Risikoarm und markt­fern gut

Noch etwas besser als mit markt­fernen Fonds funk­tionieren die Strategien mit risikoarmen Fonds. Das Risiko gegen­über einem markt­breiten ETF sinkt noch weiter. Normaler­weise gilt: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Ein Blick in den Fonds­test zeigt: Es geht auch anders. Der Fonds Invesco Europa Core Aktienfonds etwa hat das Kunst­stück fertiggebracht, mit weniger Risiko eine höhere Rendite zu erzielen als der Index. Anschaulich wird das geringe Risiko am maximalen Verlust. Das ist der Verlust, den Anleger in den vergangenen fünf Jahren gemacht hätten, wenn sie zum ungüns­tigsten Zeit­punkt ein- und ausgestiegen wären. Beim Invesco Europa Core Aktienfonds liegt der maximale Verlust bei 9 Prozent. Der Index und die zugehörigen ETF haben mit minus 16 Prozent fast doppelt so viel verloren.

Großes Plus: Weniger Risiko

Fazit: Risikoarme und markt­ferne aktive Fonds schneiden im Unter­suchungs­zeitraum besser ab als ein alleiniges Investment in den ETF. Bei den risikoarmen Fonds sollte das so bleiben. Markt­ferne Fonds, zumal wenn sie in viele kleinere oder nur wenige Titel investieren, könnten auch unangenehme Über­raschungen bieten. Anleger, die das Beste aus zwei Welten miteinander verbinden wollen, wählen daher am besten unsere Kombi-Strategie. Der markt­breite ETF sollte auf lange Sicht im Depot die Grund­lage sein, die aktiv gemanagten Fonds die Beimischung.

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