Grund­steine fürs Depot

Renten-ETF sind eine gute Grund­lage für die lang­fristige Anlage. Wir zeigen, wie Sparer die richtige Auswahl treffen.

Renten-ETF haben ein klares Ziel: Sie wollen einen Index nach­bilden, und das so genau wie möglich. Für Anleger hat das den Vorteil, jeder­zeit nach­voll­ziehen zu können, wie sich ihre Geld­anlage entwickelt: Zwar wird die Rendite ihres Indexfonds die Wert­entwick­lung des Indexes kaum über­treffen. Aber sie müssen auch keine Angst vor Fehlkäufen der Fonds­manager haben. Zudem sind die Fonds bequemer als der Kauf einzelner Anleihen und bieten eine gute Streuung.

Bisher haben allerdings noch nicht viele private Anleger die Renten-ETF für sich entdeckt.

Kauf über die Börse

Wer einen ETF kaufen möchte, ist meist auf sich allein gestellt. Von seinem Bank­berater kann er kaum Hilfe erwarten. Berater bieten diese Fonds nicht unbe­dingt an, weil die Bank dafür keine so hohen Provisionen bekommt wie für aktiv gemanagte Fonds. Trotzdem ist es gar nicht schwer, an die Fonds heran­zukommen.

Einen ETF bekommen Anleger über die Börse, beispiels­weise über die Frank­furter Börse. Dazu brauchen sie ein Wert­papierdepot. Das können Anleger sowohl bei ihrer Haus­bank eröffnen als auch bei einer Direkt­bank im Internet.

Vorsicht ist geboten bei kleinen Anla­gebeträgen unter 2 500 Euro oder bei Sparplänen. Die können nämlich vergleichs­weise hohe Kosten verursachen, was die Geld­anlage schnell unrentabel macht. Bei welchen Banken Wert­papierkäufe günstig sind, zeigt unsere Unter­suchung der Depot­kosten (Test „Bankprovisionen“ aus Finanztest 05/2011).

Auch die Wahl des richtigen Fonds ist kein Hexen­werk. Anleger gehen Schritt für Schritt vor:

Auswahl der Anleihen. Zunächst müssen sich die Anleger entscheiden, in welche Art von Anleihen sie investieren wollen: Staats­anleihen, Unter­nehmens­anleihen, Pfand­briefe.

Auswahl des Index. Im nächsten Schritt wählen sie einen passenden Index aus (Tabelle „Die wichtigsten Rentenindizes Euro im Überblick").

Auswahl des Fonds. Auf jeden der von uns dargestellten Indizes gibt es mindestens einen Fonds (Tabelle „Ausgewählte Renten-ETF mit Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten“).

Tauschen und leihen

Um ihr Ziel zu erreichen, den Index so genau wie möglich abzu­bilden, betreiben die ETF-Anbieter Zusatz­geschäfte. Sie verleihen Wert­papiere oder tauschen Wert­entwick­lungen aus – sogenannte Swaps. Anders als der Index hat der Fonds ja Kosten, beispiels­weise für Kauf und Verkauf der Wert­papiere. Ohne diese Geschäfte würden die Fonds hinter dem Index zurück­bleiben, behaupten zumindest die Anbieter.

Das klingt kompliziert und ist es auch. Aber es muss niemanden davon abhalten, einen ETF zu kaufen.

Denn erstens sind alle ETF Sonder­vermögen. Falls der ETF-Anbieter pleite­geht, bleibt den Anlegern das Fonds­vermögen erhalten. Der Insolvenz­verwalter hat darauf keinen Zugriff.

Zweitens ist das Risiko der Tausch- und Leih­geschäfte gesetzlich begrenzt.

Drittens sichern einige Anbieter ihre Tausch- und Leih­geschäfte zusätzlich ab. Solange keine Krise große Banken in Bedräng­nis bringt, sollte das genügen.

Sicherheiten für die Leihe

iShares zum Beispiel kauft für die untersuchten Renten-ETF Original­werte aus dem Index, verleiht diese aber. Auch ETFlab hand­habt das so (siehe Tabelle „Ausgewählte Renten-ETF mit Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten“).

iShares und ETFlab verlangen für jedes Leih­geschäft Sicherheiten. Das können Anleihen oder Aktien sein. Der Gesetz­geber lässt beides als Sicherheiten für Rentenfonds zu.

Ginge der Geschäfts­partner, der die Wert­papiere ausgeliehen hat, pleite und könnte diese nicht zurück­geben, dann würden die ETF-Anbieter die Sicherheiten verwerten. Anleger würden höchs­tens dann Geld verlieren, wenn die Sicherheiten im Krisenfall nicht oder nur mit Abschlag verkauft werden könnten. Die Anbieter bauen aber einen Sicher­heits­puffer ein, indem sie die Geschäfte über­sichern.

iShares verlangt mindestens 102,5 Prozent Sicherheiten, ETFlab mindestens 103 Prozent.

Absicherung der Swaps

Swap-basierte Fonds kaufen Wert­papiere, die gut handel­bar sind. Die Wert­entwick­lung dieser Wert­papiere tauschen sie mit ihrem Swap-Partner gegen die Wert­entwick­lung des Indexes. Tausch­part­nerin ist meist ihre eigene Konzern­mutter.

Gut die Hälfte der von uns untersuchten ETF betreiben Swap-Geschäfte, zum Beispiel db x-trackers, Lyxor oder Amundi. Für Swap-ETFs gelten ebenfalls Sicher­heits­bestimmungen. Zunächst schreibt der Gesetz­geber vor, dass unbe­sicherte Swap-Geschäfte nicht mehr als 10 Prozent vom Fonds­vermögen ausmachen dürfen.

Manche Anbieter wie die französische Amundi halten es sich offen, den gesetzlichen Spielraum voll auszunutzen. Andere Anbieter beschränken ihren Swap-Anteil entweder von vorn­herein auf weniger als 10 Prozent oder sichern ihn zusätzlich ab.

Coms­tage macht beides, Swap und Leihe. Coms­tage kauft aus steuerlichen Gründen Aktien in die Renten-ETF, tauscht deren Wert­entwick­lung gegen die des Indexes und leiht die Aktien gleich­zeitig noch aus.

Coms­tage sichert die Wert­papierleihe zu 100 Prozent ab und über­sichert zudem als einziger der von uns untersuchten Renten-ETF-Anbieter seine Swap-Geschäfte.

Einer mit ohne

In unserer Unter­suchung gibt es einen einzigen Fonds, der zurzeit auf Zusatz­geschäfte verzichtet. Das ist der CS ETF on iBoxx € Inflation Linked von Crédit Suisse. Er hat im vergangenen Jahr sogar besser abge­schnitten als sein Vergleichs­index.

Das ist allerdings auf Sonder­effekte durch die Griechen­land­krise zurück­zuführen. Anleger dürfen aus diesem Grund nicht erwarten, dass der Fonds auch in Zukunft besser als der Index ist.

Fazit

Der Anleger, der einen ETF kauft, bekommt die Wert­entwick­lung des Indexes, den er sich ausgesucht hat – abzüglich der Kosten. Die Anbieter versprechen nicht, dass sie die Wert­papiere aus dem Index auch tatsäch­lich jeder­zeit halten. Aber die meisten Anleger würden sagen: Haupt­sache, die Rendite stimmt.

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