Die bunte Welt der Anleihen

Rentenindizes fassen Staats­anleihen, Unter­nehmens­anleihen oder Pfand­briefe zusammen. Wir stellen sie vor.

Renten­indexfonds, auch Renten-ETF, sind eine pflegeleichte Geld­anlage – sofern man es geschafft hat, sie sich einmal auszusuchen. Vor dem Kauf des Fonds steht die Wahl des passenden Indexes. Hierbei sollte man sich nicht von den klobigen Titeln abschre­cken lassen.

Rentenindizes schaffen Ordnung in der bunten Welt der Anleihen. Einige fassen beispiels­weise Staats­anleihen zusammen, andere bündeln Pfand­briefe. Es gibt Indizes, die nur die sichersten Anleihen aufnehmen, andere konzentrieren sich auf Inflations­schutz. Es gibt Indizes mit 15, aber auch welche mit tausenden Papieren. Wir stellen zwei Dutzend Rentenindizes vor.

Unser Test

Bei der Auswahl des passenden Indexes hilft unsere Über­sicht (Tabelle „Die wichtigsten Rentenindizes Euro im Überblick"). Sie zeigt, welche Länder das stärkste Gewicht haben, wie sicher die Anleihen sind, wie lange sie jeweils noch laufen und welches Kurs­änderungs­risiko sich daraus ergibt. Damit stellen wir dar, nach welchen Regeln die Anbieter den Anleihenkorb zusammen­stellen.

Nur fünf­mal AAA

Als die sichersten Anleihen gelten Staats­anleihen, allen voran die deutschen. Kein anderes Land in Euro­land gilt als sicherer. Deutsch­land bekommt von den Rating­agenturen wie Stan­dard & Poors (S & P) ein hervorragendes Zeugnis für seine Bonität: AAA. Besser geht es nicht.

Anlegen mit Anleihen Test

Nur fünf weitere von 17 Euroländern haben eine genauso gute Note: Frank­reich, Finn­land, die Nieder­lande, Österreich und Luxemburg, wobei Luxemburg nicht mit Anleihen auf dem Markt ist. Vor drei Jahren hatten auch Irland und Spanien noch AAA. Heute liegt Spanien bei AA, Irland bei A.

Ein weiteres Risikomaß ist der Abstand der Renditen zueinander. Die der Bundes­anleihen sind am nied­rigsten. Ende Februar brachte eine zehnjäh­rige deutsche Anleihe rund 3,2 Prozent pro Jahr. Eine französische lag bei 3,6 Prozent, eine italienische bei 4,9 Prozent (siehe Infografik).

Noch vor drei Jahren lagen die Renditen der Euroländer alle nahe beisammen. Italien, Spanien oder Irland waren kaum zu unterscheiden von Deutsch­land oder von Frank­reich.

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Selbst Griechen­land galt seiner­zeit als äußerst kreditwürdig. Inzwischen haben sich die Renditen weit auseinander­bewegt, die Risiko­aufschläge sind größer geworden.

Zehnjäh­rige grie­chische Anleihen liegen derzeit bei 11,9 Prozent. Das Rating von Griechen­land ist mehr­fach herunter­gestuft worden und liegt jetzt bei BB. Es wachsen die Zweifel, dass das Land seine Schulden abtragen kann – obwohl andere Euroländer sowie der Interna­tionalen Währungs­fonds (IWF) mit Milliarden­krediten helfen.

Auch Irland hat schon Geld vom IWF und vom Rettungs­fonds der Euroländer gebraucht, um seine kaputten Banken am Leben zu halten. Für irische Anleihen mit zehn Jahren Lauf­zeit gibt es 9,1 Prozent Rendite.

Anfang April hat Portugal Finanz­hilfen bei der EU beantragt. Die Renditen der portugiesischen Anleihen standen Ende Februar bei 7,5 Prozent pro Jahr und sind seitdem um mehr als 2 Prozent­punkte gestiegen. Ende Februar lag das Rating noch bei A, mitt­lerweile hat Stan­dard & Poors die Note auf BBB herab­gestuft.

Mit oder ohne die PIIGS

PIIGS ist die Abkür­zung für die Wackel­kandidaten Portugal, Irland, Italien, Griechen­land und Spanien. Anleihen der PIIGS sind in fast allen von uns untersuchten Indizes enthalten, die Staats­anleihen aus Euro­land mischen. Griechen­land ist allerdings nur in dreien dabei. Irland, Portugal und Griechen­land haben in den Anleihenkörben ein vergleichs­weise kleines Gewicht.

Das ungleich größere Italien, immerhin Mitglied der G8, der Gruppe der größten Industrienationen der Welt, nimmt dagegen eine Spitzen­stellung in den Indizes ein. In 14 der 18 Indizes mit Staats­anleihen zählt Italien zu den drei größten Positionen. Sein S & P-Rating ist A.

Anleger, die einen Indexfonds mit Staats­anleihen kaufen wollen, aber keinen Wert auf die Wackel­kandidaten legen, können zum Beispiel einen Index wählen, der nur Anleihen der fünf AAA-gerateten Staaten enthält. Das ist der EuroMTS Eurozone AAA Government. Als die sichersten gelten derzeit Fonds, die sich auf einen Index beziehen, der ausschließ­lich deutsche Papiere listet, wie etwa der eb.rexx Government Germany.

Unternehmen als Mix

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Eine gute Ergän­zung zu Staats­anleihen sind Unter­nehmens­anleihen. Meistens bringen sie mehr Rendite als Staats­papiere. Sie entwickeln sich aber stark abhängig von der Konjunktur. Droht eine Wirt­schafts­krise, wie nach dem Crash der US-Bank Lehman Brothers im Herbst 2008, dann haben sie gegen Staats­anleihen keine Chance.

Nur wenige Unternehmen kommen an die Kreditwürdig­keit von Staaten über­haupt heran. Und selbst mit einem dreifachen A müssen sie mehr Zinsen zahlen als ein Land wie Deutsch­land.

In unseren Test sind zwei Indexkörbe mit Unter­nehmens­anleihen: der Markit € iBoxx Liquid Corporates, der 40 Anleihen aus zwölf Ländern enthält, und der Barclays Capital Euro Corporate Bond. Er hat weit über tausend Unternehmen aus 32 Ländern zusammen­gestellt. Ein Viertel von ihnen ist nicht mehr mit A-Noten, sondern mit BBB geratet. Das zählt noch als gute Bonität. Gefähr­lich wird es erst bei schlechteren Noten, wie BB oder B. Ab C droht Pleite.

Pfand­briefe

Eine weitere Möglich­keit, sein Geld sicher anzu­legen, bieten Pfand­briefe. Pfand­briefe sind mit zusätzlichen Sicherheiten ausgestattet, etwa Immobilien. Auch hier tut sich Deutsch­land als Musterschüler hervor. Die hiesigen Pfand­briefe gelten als die sichersten über­haupt. In der Finanz­krise waren sie zeit­weise schwierig handel­bar.

Risiko Inflation

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Dass Unternehmen pleite­gehen oder dass Staaten umschulden müssen, weil sie ihre Kredite nicht mehr abzahlen können, ist nur eine Gefahr. Eine andere hat sich bereits angekündigt: die Inflation.

Seit Jahres­beginn schon steigen die Preise auf das Jahr gerechnet um rund 2 Prozent. Das lässt die Europäische Zentral­bank (EZB) noch als stabil durch­gehen.

Höhere Ölpreise, höhere Preise für Lebens­mittel und steigende Löhne in den Zulieferfirmen in China könnten die Inflation weiter anheizen – zusätzlich zur brummenden Konjunktur hier­zulande.

Um die Inflation aufzuhalten, hat die EZB Anfang April die Zinsen erhöht. Der Leitzins stieg um 0,25 auf 1,25 Prozent. Zuvor hatte sie von Juli 2008 bis Mai 2009 die Zinsen von 4,25 auf 1 Prozent regelrecht herunter­gedroschen.

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Die EZB befindet sich in der Zwick­mühle: Will sie die Inflation bekämpfen, müsste sie die Zinsen womöglich stärker erhöhen. Mit Rück­sicht auf die Schulden­berge der PIIGS kann sie die Zinsen aber nicht so stark anheben, weil sie sonst deren Wirt­schafts­wachs­tum gefährdet.

Aber auch für das Problem der Geld­entwertung kennt die Finanz­welt ein Gegen­mittel: inflations­geschützte Staats­anleihen. Unsere Tabelle listet fünf Indizes, davon vier mit Anleihen aus Euro­land und einen, der amerikanische Inflations­schutz­papiere enthält.

Das Problem ist allerdings: Zwei der vier Euroländer, die inflations­geschützte Anleihen heraus­geben, gehören zu PIIGS: Das noch relativ unbe­denk­liche Italien und das kritische Griechen­land. Nur Frank­reich und Deutsch­land haben eine sehr gute Bonität.

Ursachen für Kurs­verluste

Wenn die EZB den Leitzins erhöht, steigen üblicher­weise auch die anderen Zinsen. Allerdings führen steigende Zinsen zunächst zu Kurs­verlusten bei laufenden Anleihen. Wenn es am Markt neue, höher verzinste Anleihen gibt, dann will keiner die alten, nied­riger verzinsten Anleihen haben, es sei denn zu einem nied­rigeren Preis. Der Effekt ist umso höher, je länger die alten Anleihen noch laufen (siege Glossar). Daher stellen wir in unserer aktuellen Unter­suchung nur Indizes vor, die Anleihen verschiedener Lauf­zeiten mischen.

Inflations­gefahr und Zins­erhöhungen sind aber nur zwei Gründe, warum die Kurse von Anleihen fallen können. Auch wenn die Aktienmärkte boomen oder die Sicherheit der Anleihen sinkt, können Anleihen­kurse sinken. Das zeigen die leicht negativen Renditen einiger Renten-ETF in unserem Test.

Verluste waren in der Vergangenheit aber nur von kurzer Dauer.

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