Anlegen mit Anleihen Test

Zins­papiere bringen Sicherheit in die Geld­anlage. Unser großer Test börsen­gehandelter Rentenfonds präsentiert die besten ETF.

Oktober­fest, Sixpack, Colibri. Bank­leute denken sich für undurch­sichtige oder riskante Papiere gern die blumigsten Namen aus. Renten-ETF dagegen tragen so sper­rige Namen, dass sich kaum jemand an sie heran­traut. Dabei verstecken sich hinter Wort­ungetümen wie iShares eb.rexx Government Germany oder db x-trackers iBoxx € Inflation Linked sichere Anlagen in Zins­papiere – Produkte, die beste Chancen auf den Titel „Anlegers Liebling“ hätten.

Renten-ETF sind börsen­gehandelte Fonds, über die man in einen Korb aus Anleihen investieren kann, etwa in Bundes­wert­papiere, Unter­nehmens­anleihen oder Pfand­briefe.

Sie sind also eine sichere Geld­anlage, etwas, das Anleger den Banken aus den Händen reißen würden, erst recht jetzt, da die Aktienmärkte wieder einmal durch­geschüttelt werden von den Krisen in der Welt. Atom­katastrophe in Japan, Aufstände in Nord­afrika, Schulden­berge in Europa. Bislang legen aber über­wiegend Profis ihr Geld in Renten-ETF an.

Unser Test

Wir haben Renten-ETF getestet. Wir zeigen, welches Produkt sich für wen eignet und wie Anleger Risiken vermeiden können.

Wir stellen nur Renten-ETF Euro vor. Sie kaufen Anleihen, die auf Euro lauten oder gegen Währungs­schwankungen abge­sichert sind – für Anleger ein Risiko weniger. In die Auswahl gekommen sind auch nur ETF,die Anleihen verschiedener Lauf­zeiten mischen. Mit diesen Fonds haben Anleger zum einen vergleichs­weise gute Rendite­chancen und zum anderen bleiben die Risiken über­schaubar. Über die Auswahl geeigneter Indizes informieren wir im Abschnitt „Die bunte Welt der Anleihen“ und den darauf­folgenden Seiten.

ETF sind einfach ...

Ein ETF entwickelt sich so wie der Index, auf den er sich bezieht. Das macht diese Geld­anlage so einfach und nach­voll­zieh­bar. Steigt der Index, steigt der Fonds – und umge­kehrt. Haben sie einmal die richtige Index­auswahl getroffen, können Anleger diese Fonds auf Jahre hinaus in ihren Depots behalten. ETF sind vergleichs­weise pflegeleichte Produkte.

Anlegen mit Anleihen Test

Aus diesem Grund halten wir sie in einem lang­fristig ausgerichteten Depot für sinn­voll. Wie sich die Renten-ETF dort einfügen, zeigen wir in unserem Beispieldepot (siehe Infografik).

Eine lang­fristige Geld­anlage sollte aus einem Mix von Anleihen und Aktien bestehen. Anleihen alleine bringen zu wenig Rendite. Aktien bieten die besseren Ertrags­chancen, sind aber auch riskanter.

Das zeigt ein Blick auf die Rendite und die Volatilität der vergangenen 30 Jahre. Ein Mix deutscher Staats­anleihen verschiedener Lauf­zeiten hat rund 7 Prozent jähr­lich gebracht, das Ganze bei einer Schwankungs­breite von 3,8 Prozent. Deutsche Aktien dagegen haben pro Jahr durch­schnitt­lich um 9,5 Prozent zugelegt. Die Volatilität betrug 21,4 Prozent. Vor allem in den vergangenen zehn Jahren ging es kräftig auf und ab.

Wie hoch der Anleihen­anteil sein soll, hängt vom Sicher­heits­bedürfnis des Anlegers ab. Für unser Beispieldepot sind wir von einem ausgewogenen Anleger­typ ausgegangen. Er legt etwas mehr als die Hälfte, nämlich 60 Prozent seines Geldes, in Zins­papiere oder Rentenfonds. Für die restlichen 40 Prozent kauft er Aktienfonds (siehe auch Special Investmentfonds „Das Depot strukturieren“).

Die Fonds, die wir für das Musterdepot angegeben haben, sind nur Beispiele, keine Kauf­empfehlungen.

... aber auch ganz schön kompliziert

Ein Blick in das Innere der ETF zeigt jedoch, dass die Fonds nur nach außen hin einfach und leicht verständlich sind. Zwar entwickeln sie sich so wie ein Index, doch das heißt noch lange nicht, dass auch die Wert­papiere aus dem Index in dem Fonds liegen.

Die meisten Anbieter stellen heut­zutage die Wert­entwick­lung des Indexes künst­lich her. Sie brauchen die Wert­papiere dafür gar nicht mehr, ein Finanz­ersatz­geschäft genügt. Das ist für sie einfacher und billiger. Den Index bilden sie über einen Swap ab, über ein Tausch­geschäft (siehe „Grundsteine fürs Depot“ und die darauf­folgenden Seiten).

Es gibt noch Anbieter, die tatsäch­lich Index­papiere kaufen. Doch sie betreiben ebenfalls Zusatz­geschäfte, indem sie die Index­papiere an andere verleihen.

Auf welche Weise auch immer die Renten-ETF die Indizes nach­bilden – ein ETF ist genau wie ein aktiv gemanagter Fonds ein Sonder­vermögen und daher vergleich­bar sicher. Selbst wenn ein ETF-Anbieter pleite­gehen sollte, stünden die Anleger nicht mit leeren Händen da.

Der Reiz fester Regeln

Der Charme der ETF liegt darin, dass gut nach­voll­zieh­bar ist, wie sie sich entwickeln. Wer einen ETF auf Staats­anleihen aussucht, weiß: Er läuft wie Staats­anleihen.

Im Unterschied dazu halten sich die Manager aktiv verwalteter Fonds nicht an feste Regeln, sondern verfolgen eigene, für Anleger oft unergründliche Strategien. Das kann erfolg­reich sein, ist aber in der Vergangenheit schon oft schief­gegangen.

Einige aktiv gemanagte Rentenfonds Euro, von denen Anleger glaubten, dass sie nur Staats­anleihen enthielten, sind in der Finanz­krise regelrecht abge­stürzt. Sie hatten zu riskante Papiere gekauft, zum Beispiel Asset-backed Securities.

Vorbehalte aus der Vergangenheit

Aber die Finanz­krise hat nicht nur gezeigt, dass Manager riskantere Papiere kauf­ten, als sie eigentlich sollten, um mehr aus dem Anlegergeld heraus­zuholen. Sie hat auch Miss­trauen geschaffen gegen­über dem Erfindungs­reichtum der Investment­banker, die immer neue Produkte gebastelt und sie als eierlegende Woll­milchsäue in der interna­tionalen Banken­welt verteilt hatten – was letzt­lich schief­gegangen ist.

Manche Anleger wollen ihr Geld deshalb gar nicht in Fonds stecken. Sie wollen es weder einem Fonds­manager anver­trauen noch es in ETF mit Tausch- oder Leih­geschäften wissen. Ihnen bleibt nur, Anleihen einzeln zu kaufen. Dafür müssen sie aber einen viel größeren Aufwand betreiben. Außerdem kostet es meistens mehr.

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