Der Bessere gewinnt

Anlegen mit Aktienfonds Test

Finanztest zeigt, wie Anleger die richtigen Fonds finden.

Viele Fondsmanager sind das Geld nicht wert, das sie für ihre Arbeit bekommen. Sie schneiden schlechter ab als der Markt, in den sie investieren. Das ärgert die Anleger zu Recht.

In manchen Fondsgruppen holt nicht einmal ein Drittel der Fondsmanager mehr für seine Klientel heraus, als ein Indexpapier es könnte. Doch genau um diese Minderheit geht es uns, um die besten Fonds, die stabil besser sind als der Markt, dessen Aktien sie kaufen.

Die Suche lohnt sich

Kritiker von Fonds propagieren oft Indexpapiere. Sie sind billig und schneiden in ­etwa so ab wie der Markt. Aber genau das ist der Punkt: Wer würde sich nicht freuen, wenn sein deutscher Aktienfonds seit dem Tief vom März 2003 schon wieder ein Plus von 139,5 Prozent gemacht hätte, wie der DWS Select-Invest? Der Marktindex MSCI Deutschland hat in derselben Zeit nur 124,8 Prozent aufgeholt.

Oder wenn der Fonds gar nicht so weit abgestürzt und schon wieder auf Rekordjagd wäre? Der Europa Aktienfonds ULM von First Private hat seit dem Höchststand der europäischen Börsen im August 2000 ein Plus von 71,8 Prozent gemacht. Auch er ist zwischendurch gefallen, doch längst nicht so tief wie andere.

Der Markt, gemessen am MSCI Europa, liegt noch 10,8 Prozent unter dem damaligen Hoch.

Schon diese zwei Beispiele zeigen, dass sich die Suche nach einem guten Fonds lohnt. Wir nehmen deshalb die Fonds Monat für Monat unter die Lupe und rechnen aus, wie gut sie sind.

Wieder im Plus

Auf der folgenden Seite haben wir zusammengetragen, welche Fonds die Kursverluste aus der Zeit um die Jahrtausendwende aufgeholt haben. Dabei haben wir nur die Fonds berücksichtigt, die im Test„stark überdurchschnittlich“ oder „überdurchschnittlich“ abgeschnitten haben.

Sogar auf dem deutschen Markt, der ­besonders weit abgestürzt ist, konnten Anleger mit Fonds schon wieder Gewinne machen – selbst wenn sie zu dem ungünstigsten Zeitpunkt eingestiegen waren. Sechs Manager haben die Verluste schon aufgeholt.

Damit sind sie weit besser als die Börse: Gemessen am MSCI Deutschland liegt der deutsche Markt noch mit 27,8 Prozent im Verlust.

Nur wenig freundlicher sieht es auf dem Weltaktienmarkt aus. Zwar sind die Aktien der Weltbörsen gar nicht schlecht gelaufen, doch den deutschen Investoren hat der starke Euro die Bilanz verhagelt. Ohne die Währungsverluste vor allem des Dollar und des Yen lägen sie nur mit 5,4 Prozent im Minus. So sind es minus 23,6 Prozent – für den Markt und für Anleger, die Indexpapiere gekauft haben.

Die besten Fonds sind dagegen schon wieder dick im Gewinn. Der Multiadvisor Starpoint von IP-Concept zum Beispiel hat seit dem Hoch der Weltbörsen im ­August 2000 ein Plus von 55,3 Prozent gemacht – und nicht minus 23,6 Prozent. Um 49,6 Prozent zugelegt hat unser Spitzenreiter, der Albrech & Cie Optiselect.

Die Bewertung

Die Qualität eines Fonds hängt nicht nur davon ab, wie er aktuell dasteht. Was zählt, ist sein Abschneiden über eine längere Zeit.

Die Finanztest-Bewertung beruht auf der Annahme, dass ein Fondsmanager oder das Managementteam, das in der Vergangenheit gut war, diese Qualitäten auch in der Zukunft beweist.

Wir beurteilen seine Leistung über einen Zeitraum von fünf Jahren und vergeben sowohl für die Wertentwicklung als auch für die Stabilität Punkte. Daraus errechnen wir die Finanztest-Bewertungszahl.

Maßgebend ist für uns dabei nicht die ­absolute, sondern die relative Wertentwicklung des Fonds im Vergleich zum Fondsgruppendurchschnitt. Wir bewerten einen Aktienfonds Welt, indem wir ihn an der Leistung anderer Aktienfonds Welt messen.

Punkte für die Wertentwicklung

Für die Berechnung schauen wir uns die Wertentwicklung Monat für Monat an. Damit der Fonds viele Punkte bekommt, muss er möglichst oft und deutlich besser abschneiden als der Durchschnitt seiner Gruppe. Die Punktzahl für die Wertentwicklung des Fonds fließt zu 75 Prozent in die Finanztest-Bewertungszahl ein.

Leser, die unseren Fondsdauertest seit längerem verfolgen, kennen das Verfahren.

Punkte für die Stabilität

25 Prozent Gewicht erhält die Punktzahl für die Stabilität. Auch diese Kennzahl ist bekannt, wir berechnen sie jedoch von diesem Monat an anders als bisher.

Wir wollen ab sofort zeigen, welcher Tendenz der Fonds folgt, ob er sich zurzeit stärker nach oben oder unten entwickelt.

Dafür teilen wir den fünfjährigen Untersuchungszeitraum in mehrere kürzere Zeiträume ein. Sie beginnen jeweils um einen Monat versetzt und enden am Bewertungsstichtag.

Der erste Zeitraum umfasst 60 Monate, der zweite 59 und der letzte 12. Auf diese Weise ist das abgelaufene Jahr in der Stabilitätskennzahl immer am stärksten vertreten, während länger zurückliegende Monate eine geringere Rolle spielen.

Für jeden Zeitraum vergeben wir eine eigene Punktzahl für die Wertentwicklung und rechnen den Mittelwert aus.

Liegt die Punktzahl für die Stabilität deutlich über der für die Wertentwicklung, hat sich der Fonds tendenziell verbessert. Liegt sie weit darunter, empfiehlt es sich, den Fonds genau zu beobachten.

In der Gruppe der Aktienfonds Welt trifft das zum Beispiel den Templeton Growth Fund. Für seine Wertentwicklung bekommt er 69,8 Punkte, für die Stabilität nur 50 Punkte. Der Templeton Growth setzt verstärkt auf so genannte Substanzwerte, die in guten Börsenphasen meist weniger stark steigen als so genannte Wachstumswerte.

Trend nach oben oder unten

Vier dieser Zeiträume, die wir zur Berechnung der Stabilität betrachten, stellen wir in unseren Tabellen im Marktplatz (Printausgabe Finanztest) dar: siehe Fonds im Dauertest. Anleger sehen dort neben der Bewertung für fünf Jahre die Punktzahlen für die Wertentwicklung über ein, zwei, drei und vier Jahre. Sie können daraus erkennen, ob sich der Fonds stabil verhält oder nach oben oder unten tendiert.

Im Aufwärtstrend ist der dit-Vermögensbildung Deutschland A. In unserer „Zurück-im-Plus“-Tabelle ist der Fonds zwar nicht dabei, doch im zurückliegenden Jahr war er mit 82,8 Punkten so stark wie kein anderer Deutschlandfonds (Aktienfonds Deutschland).

Ein Beispiel für einen Abwärtstrend ­liefert der Nordea 1 European Value. Obwohl er seit dem Tiefststand des europäischen Marktes plus 94,2 Prozent geschafft hat und damit wieder in der Gewinnzone liegt, hat er mit einer Bewertung von nur 37,5 Punkten ein mieses Jahr hinter sich.

Der Fonds hat am besten über fünf Jahre abgeschnitten (74,7 Punkte), danach immer schlechter: erst 71 Punkte über vier Jahre, dann 64,4 über drei und 57,9 über zwei Jahre.

Regelmäßige Kontrolle

Wie die neue Bewertungsmethode im ­Einzelnen funktioniert, erläutern wir im Marktplatz (Printausgabe Finanztest) vor den großen Fondstabellen: siehe Fonds im Dauertest. Wir haben die Gebrauchsanleitung für unseren Fondstest unterteilt in einen Teil für bequeme Anleger, die ihre Suche nach einem guten Fonds schnell abschließen möchten, und Tüftler, die sich gerne mit Details befassen.

Wichtig für beide ist, dass sie sich regelmäßig um ihr Depot kümmern. Wenigstens einmal im Jahr, besser zweimal, sollten sie schauen, ob ihre Fonds noch gut sind und sie gegebenenfalls austauschen.

Mit den Besten sind die Verluste kleiner und die Gewinne höher – und darauf kommt es an.

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