Anlegen mit Aktienfonds Test

Fondsanlegern liegt die Welt zu Füßen. Wir sagen Ihnen, wie Sie langfristig von den Aktienmärkten rund um den Globus profitieren können.

Die Globalisierung beginnt an den Finanzmärkten. Dort können sich neue Märkte und regionale Trends in Windeseile durchsetzen. Ehe sich Industrie und Dienstleistungsgewerbe in einem Land etablieren, sind die Investoren und Spekulanten an der Börse längst in Stellung gegangen. Aktienmärkte nehmen künftige Entwicklungen vorweg und sind deshalb dem wirklichen Leben meist ein paar Schritte voraus.

Die Aktien steigen zuerst

Kein Wunder, dass die Weltkarte der Aktienmärkte nur noch wenige weiße Flecken aufweist. Wo auch immer in absehbarer Zukunft steigende Umsätze und Gewinne winken, gedeihen die Börsen. Seit dem Ende der Sowjetunion hat sich die Globalisierung der Börsen nochmals beschleunigt.

So wäre es vor zwei Jahrzehnten unvorstellbar gewesen, dass im nominell immer noch kommunistischen China die Aktienmärkte boomen und in Scharen ausländische Investoren anlocken.

Welch enormes Potenzial ein aufblühender Aktienmarkt bietet, zeigt Russland. Seine Börsen ignorierten in den vergangenen Jahren die Fragezeichen hinter der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung und ließen alle anderen Märkte alt aussehen: Über 40 Prozent pro Jahr konnten Anleger seit 1998 mit russischen Aktien verdienen.

Die Indexspezialisten der Investmentbank Morgan Stanley mögen ihr Scherflein zu dieser Entwicklung beigetragen haben: Bereits 1996 integrierten sie Russland in ihr Aktienuniversum, den MSCI All Country World Index. China war sogar schon ein Jahr zuvor in die Indexwelt aufgerückt.

Dieser umfassende All-Country-Index ist für Investoren allerdings nur am Rande interessant. Wichtiger ist es, wie die Investmentbanker den Globus in entwickelte und unentwickelte Aktienmärkte aufteilen. Die Weltkarte auf dieser Doppelseite zeigt die Unterscheidung zwischen der grün gefärbten entwickelten Welt und den börsentechnischen Entwicklungsländern. Für die wichtigsten und einige besonders interessante Märkte haben wir den Indexanteil und die jährliche Wertentwicklung in den letzten fünf Jahren dargestellt.

Unterschiedlich hohe Risiken

Die Aufteilung in entwickelte und in unentwickelte Märkte ist wegen der unterschiedlichen Risiken sinnvoll. Die Emerging Markets, wie die jungen Aktienmärkte auch genannt werden, unterliegen viel stärkeren Kursschwankungen als die alteingesessenen Börsen. Manche Investoren finden das besonders reizvoll, da unter günstigen Bedingungen sehr hohe Gewinne möglich sind. Von einer Erholung der Weltwirtschaft profitieren wachstumsstarke Länder in Fernost, Südamerika oder Osteuropa oft viel stärker als die klassischen Industrienationen – mit entsprechenden Chancen für die jeweiligen Börsen. Umgekehrt schlagen globale Krisen stärker auf die jungen Märkte durch.

Für umsichtige Anleger kommen Emerging Markets deshalb nur als Depotbeimischung infrage. Mehr als 10 Prozent seines gesamten Kapitals sollte man für sie nicht aufs Spiel setzen.

Als Grundlage fürs Depot eignen sich nur Aktienfonds, die in entwickelten Märkten anlegen, am besten welt- oder europaweit operierende Fonds. Sie bieten eine vernünftige Länder- und Branchenmischung und haben ein überschaubares Risiko. Bei der konkreten Fondsauswahl hilft unser monatlicher Fondstest.

Aktienweltmacht USA

Anleger, die in einen Aktienfonds Welt investieren, kaufen meist einen hohen Anteil US-Aktien. Die Vereinigten Staaten sind die Börsennation Nummer eins und innerhalb der „entwickelten Welt“ mit fast 56 Prozent gewichtet. Obwohl nur wenige Aktienfonds Welt dieses Übergewicht korrekt abbilden, bleiben US-Aktien stark vertreten – sei es mit 45, 40 oder „nur“ mit 30 Prozent.

Wie die Weltkarte zeigt, haben die Länder der Euro-Zone ein viel geringeres Gewicht am globalen Aktienmarkt, als ihre geballte Wirtschaftskraft vermuten lässt. Und Deutschland rangiert mit einem Indexanteil von nur 2,9 Prozent sogar noch hinter der Schweiz.

Das alte Europa

Dabei gibt es gute Gründe, verstärkt auf die Euro-Zone zu setzen. Zum Beispiel die Währungssicherheit. Wer in der jüngsten Vergangenheit ein US-Investment eingegangen ist, weiß, wie sehr die Abwertung des Dollar gegenüber dem Euro auf die Wertentwicklung durchschlägt. Währungsverluste von 20 oder mehr Prozent sind selbst von einem gut laufenden Aktienfonds kurzfristig schwer zu kompensieren.

Europäische Aktienfonds haben dieses Problem allenfalls am Rande. Europäisch meint vor allem Mitteleuropa, denn Osteuropa ist in diesen Fonds nicht enthalten. Normalerweise legen europäische Aktienfonds auch in Großbritannien, der Schweiz und in Skandinavien an, beschränken sich also nicht auf den Geltungsbereich des Euro.

Allerdings gibt es auch Fonds, die sich auf die Euro-Zone konzentrieren. In den Fondslisten sind sie mit Fußnoten versehen. Im Gegensatz zu den breiter aufgestellten Europafonds haben sie überhaupt kein Währungsrisiko. Freilich muss man bei ihnen auf die wichtigen Börsenländer Großbritannien und Schweiz verzichten.

Gerade Großbritannien ist ein Aktienland mit langer Tradition. Sein mit fast 11 Prozent sehr hoher Anteil am Index der entwickelten Welt kommt nicht von ungefähr. Zu den Schwergewichten an der Londoner Börse gehören die Bankriesen HSBC und Royal Bank of Scotland, der Ölmulti BP, das aus diversen Zusammenschlüssen entstandene Pharmakonglomerat GlaxosmithKline und der Mobilfunkkonzern Vodafone.

Aber auch die kleine Schweiz hat etliche Unternehmen mit Weltrenommee: Die sprichwörtlichen Schweizer Banken Credit Suisse und UBS, die Pharmafirmen Novartis und Roche sowie der Lebensmittelgigant Nestlé bestreiten allein drei Viertel des MSCI Schweiz.

Andere Länder ...

Britische und Schweizer Aktienfonds gehören zu den Länderfonds, die in einer Kombination mit anderen Regionen- oder Länderfonds eine Alternative zu Aktienfonds Welt oder Europa sein können. Daneben kommen vor allem Fonds mit deutschen, US-amerikanischen, japanischen, niederländischen, österreichischen oder spanischen Aktien infrage. Nur ist es nicht ganz einfach, aus den verschiedenen Märkten ein gut strukturiertes, krisenfestes Depot zu zimmern. Die Ländermischung sollte so gewählt werden, dass sich in der Summe kein deutlich höheres Risiko als bei einem Aktienfonds Welt ergibt.

In der Tabelle sind für ausgewählte Länder und Regionen die jeweils drei besten Fonds aus unserem Dauertest aufgelistet. Wir haben uns hier auf solche Märkte beschränkt, die nicht regelmäßig in Fonds im Dauertest erscheinen. Auf die einzelnen Länder der Euro-Zone wurde verzichtet. Auch sehr enge oder weniger bekannte Märkte wie Israel, Südafrika und die skandinavischen Länder blieben unberücksichtigt. Sie bieten zu wenige Fonds, die alt genug für unseren Fondstest sind.

Beim Studium der Tabelle sollten Anleger sich nicht von der sagenhaften Wertentwicklung einiger Aktienmärkte blenden lassen. Die hohen zweistelligen Jahresgewinne in Indien oder Osteuropa über die vergangenen fünf Jahre sind kein Garant für ähnliche Erfolge in der Zukunft. Und wer in China oder Russland investieren möchte, sollte bedenken, dass es dort kaum Aktiengesellschaften mit gefestigten und bewährten Geschäftsmodellen gibt. Die Qualität der Firmen und ihrer Produkte mag noch so gut sein, aber es fehlen die wichtigen Langzeiterfahrungen.

Dazu kommen oft labilere wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen als in der „alten Welt“. Zum Beispiel ist es kaum vorstellbar, dass eine deutsche oder US-Behörde im Handstreich riesige Aktienpakete eines Unternehmens beschlagnahmt. In Russland kann so etwas, wie die Yukos-Affäre zeigt, noch heute passieren. Der Ölkonzern Yukos ist mit knapp 17 Prozent immerhin der drittgrößte Wert im MSCI Russland.

Ritt auf dem Tiger

Aber selbst die reiferen Kandidaten unter den Emerging Markets sind nichts für Anleger mit schwachen Nerven. So haben die südostasiatischen „Tigerstaaten“ um Südkorea und Taiwan längst bewiesen, dass sie beste Voraussetzungen für starkes und nachhaltiges Wachstum bieten – und bleiben dennoch anfällig für Wirtschaftskrisen.

Die Entwicklung in den Tigerstaaten steht und fällt mit bestimmten Branchen, ja sogar mit einzelnen Firmen. Die südkoreanische wie die taiwanesische Industrie sind recht technologielastig. In diesen Ländern sitzen zum Beispiel bedeutende Produzenten für den internationalen Mikrochipmarkt. Die einzige Firma von absolutem Weltniveau ist dabei die koreanische Samsung Electronics. Der Konzern, der neben Mikrochips auch Fernseher, Camcorder und Mobiltelefone herstellt, bestreitet gut ein Drittel des koreanischen Aktienindexes. Kein Wunder, dass viele Pazifikfonds diese Aktie als größte Position haben. Solange Samsung läuft und steigende Gewinne einfährt, haben auch die Fondsanleger gut lachen. Allerdings kann einem schon mulmig werden, wenn ein Konzern so dominant ist.

Das gilt nicht nur für Südkorea. So hängt das Wohl und Wehe der finnischen Börse am Handy-Konzern Nokia, und der MSCI Israel besteht zur Hälfte aus Teva Pharmaceutical, einem der wichtigsten Hersteller von Nachahmer-Medikamenten (Generika).

Krisen aussitzen

Wer Aktienfonds für den langfristigen Vermögensaufbau nutzen möchte, sollte von speziellen Länderfonds ganz die Finger lassen und stattdessen auf breit streuende, bewährte Fonds setzen. Leider sind Anleger aber selbst bei ihnen nie vor Verlusten gefeit. Wie anfällig selbst grundsolide Aktienfonds sein können, haben die zurückliegenden Krisenjahre gezeigt. Die Erfahrung lehrt aber, dass die Verlustrisiken mit der Anlagedauer sinken. Wer einen Aktienfonds 15 oder 20 Jahre hält, regelmäßig die Märkte beobachtet und einen günstigen Verkaufszeitpunkt abpasst, hat weitaus bessere Chancen, als die jüngsten Erfahrungen vermuten lassen. Eine Gewinngarantie aber kann es bei Aktienfonds niemals geben.

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