Industriekonzerne im Überblick

BAE Systems

BAE Systems hieß bis Mai 2000 British Aerospace. Von der Ausrüstung für Bodentruppen bis zum Flugzeugträger hat das Unternehmen alles im Angebot, was Verteidigungsministerien so auf ihre Einkaufszettel schreiben. So gehört das Unternehmen zum europäischen Konsortium, das den Tornado und den Eurofighter baut. Die Analysten sind dennoch nicht zufrieden. Zum einen hat sich das britische Verteidigungsministerium noch nicht entschieden, ob es ein Flugzeugträgergeschäft im Gesamtwert von rund 10 Milliarden Pfund (16,6 Milliarden Euro) mit BAE oder lieber mit der Konkurrenz abwickelt. Zum anderen hat sich BAE bei der Entwicklung neuer Flugzeuge und Atom-U-Boote verrechnet und 1 Milliarde Pfund (1,5 Milliarden Euro) verloren. Mit 20 Prozent ist BAE an Airbus beteiligt. 70 100 Mitarbeitern erzielten 2001 einen Umsatz von 9 Milliarden Pfund (13,6 Milliarden Euro). 128 Millionen Pfund (194 Millionen Euro) Verlust blieben übrig.

Boeing

Was 1916 mit dem Bau zweier Wasserflugzeuge begonnen hat, ist heute der größte Luft- und Raumfahrtkonzern der Welt. Die Turbulenzen in diesem Sektor – 11. September 2001, Columbia-Absturz – haben Boeing ins Trudeln gebracht. Der Konzern aus Chicago halbierte die Produktion von Verkehrsmaschinen. 21 000 der 187 000 Mitarbeiter mussten im vergangenen Jahr gehen. Der Gewinn aus einem Umsatz von 54 Milliarden Dollar (50,5 Milliarden Euro) brach um etwa 20 Prozent auf 492 Millionen Dollar (460 Millionen Euro) ein. Gerade noch 275 Flugzeuge dürfte Boeing im laufenden Jahr losschlagen, schätzen Analysten. 2001 waren es noch 527 zivile Jets. Die Zwangspause bei den außerirdischen Aktivitäten an der Internationalen Raumstation und im kommerziellen Satellitengeschäft nagt ebenfalls am Umsatz, auch wenn das angekündigte Geld von der Regierung für das Raumfahrtprogramm der USA den Konzern für die Zukunft hoffen lässt. Gleiches gilt für die Rüstungssparte. Zwar machen die laufenden Umsätze mit Waffensystemen wie zum Beispiel dem F18-Kampfflugzeug den Kohl nicht fett. Rüsten die USA aber wie geplant weiter auf, kann Boeing eventuell einen Teil seiner Einbußen mit Rüstungsgütern wettmachen.

3M

Hinter dem Logo 3M verbirgt sich die Minnesota Mining and Manufacturing Company. Die stellte ab 1902 raues Sandpapier her. Heute kennen die meisten Büromenschen 3M vor allem von Disketten und als kleine gelbe Post-it-Zettel. Der Konzern in St. Paul, Minnesota, ist allerdings mehr. Er produziert in über 40 Industriesparten. Ganz oben stehen derzeit die Displays und Grafiklösungen für die Computerindustrie. Unter der Marke Vikuiti bietet 3M die Minibildschirme der neuen Handygeneration an. Dies und das starke Standbein im konjunkturunabhängigen Markt für elektronische Geräte für Ärzte machen 3M zu einem Börsenliebling in den USA. Mit Sicherheitsdienstleistungen macht 3M derzeit den Graffitisprayern in den USA zu schaffen. Eine klare Folie auf Glasfassaden lässt die Kunstwerke aus der Dose über Nacht wieder verschwinden. Die 71 600 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr 16,3 Milliarden Dollar (15,2 Milliarden Euro) Umsatz. 1,9 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) Gewinn blieben übrig.

General Electric

Kiosk oder Bank? Ausgerechnet beim weltgrößten Unternehmen lässt sich die Frage nicht leicht beantworten. Immerhin 40 Prozent seines Reingewinns von 14,1 Milliarden Dollar (13,2 Milliarden Euro) im Jahr 2002 machte der Konzern General Electric mit seiner Finanzsparte. Die übrigen 60 Prozent verdienten die 310 000 Mitarbeiter mit dem Verkauf von Flugzeugturbinen, zum Beispiel an Airbus, mit der Herstellung von Lokomotiven und Informationstechnologie für die Verkehrsinfrastruktur, mit dem Bau und Betrieb von Atomkraft-, Wasser- und Windkraftwerken sowie mit der Entwicklung von medizinischer Bildverarbeitung. Dazu kamen Industriesysteme, Kunststoffe und der US-weite Fernsehsender ABC. Und natürlich stecken in den insgesamt 131 Milliarden Dollar (122 Milliarden Euro) Umsatz auch die 15 Millionen Haushaltsgeräte, die GE im vergangenen Jahr produzierte, und die Abteilung Lampen und Leuchten. Damit ging es übrigens 1878 los, als Thomas A. Edison die Glühbirne in Serie gehen ließ. GE ist auch das einzige Unternehmen, das seit 1896 ununterbrochen dem Dow Jones Industrial Index angehört.

Saint-Gobain

Wer auf seiner Autoscheibe den Aufdruck „Sekurit“ findet, dem verschafft Saint-Gobain den Durchblick. Der französische Konzern stellt Flachglas quadratkilometerweise her. Glasfassaden, wie zum Beispiel die der Pyramide beim Louvre in Paris, stammen von dem in Courbevoie ansässigen Unternehmen. Eine frühe Vorläufermanufaktur lieferte bereits 1 660 die Scheiben für das Versailler Schloss. Seither hat sich viel getan: Über 1 000 Firmen weltweit sind unter dem Dach Saint-Gobain aktiv und machen den Konzern zum weltgrößten Baustoffhersteller. Zum Angebot zählen auch Keramik für die Raumfahrt und Kunststoffe für hochspezialisierte technische Anwendungen. 30 Milliarden Euro Umsatz erzielte die Gruppe im vergangenen Jahr. Der Gewinn betrug rund 1 Milliarde Euro. Auf der Lohnliste stehen 173 000 Menschen. Ungemach droht der Gruppe aus den USA, wo in den vergangenen beiden Jahren über 125 000 Klagen wegen möglicher Folgen von Asbestverseuchungen eingereicht wurden. Das erfordert hohe Rückstellungen.

Schneider Electric

Schneider Electric gehört zu den Unternehmen, die Licht ins Dunkel bringen. Die Franzosen aus Rueil-Malmaison gehören zu den größten Herstellern von Stromverteilersystemen überhaupt. Unter den vier Marken Merlin Gerin, Modicon, Square D und Telemecanique beschäftigt sich Schneider Electric ferner mit der Automatisierung industrieller Abläufe, vor allem in den Branchen Automobil und Wasseraufbereitung. Außerdem baut Schneider Flughäfen, Straßen- und Schienennetze sowie Hafenanlagen. Im Jahr 2002 setzte das Unternehmen 9 Milliarden Euro um. Zum Gewinn gibt es noch keine Angaben. Der Halbjahresgewinn 2002 nach Abschreibungen lag bei 176 Millionen Euro. Der Konzern beschäftigt etwa 63 000 Mitarbeiter.

Siemens

Den Transrapid gibt es wirklich. Seit Anfang des Jahres fährt er im chinesischen Shanghai. Die Magnetschwebebahn brachte Siemens einen Teil der 3,2 Milliarden Euro ein, die der Konzern vergangenes Jahr im Reich der Mitte umsetzte. Die Geschäftsfelder Information und Kommunikation, Automation, Energie, Transport, Medizintechnik und Licht sorgten 2002 für insgesamt 84 Milliarden Euro Umsatz. 2,5 Milliarden Euro Gewinn blieben übrig. Das 155 Jahre alte Unternehmen beschäftigt 426 000 Mitarbeiter. Die weltweiten Krisen gehen auch an dem Industrieriesen nicht vorbei. Sein Vorteil ist, dass weltweit aktive Sparten wie die Kraftwerkstechnik, der Aufbau von Energieübertragungs- und -verteilernetzen, Medizintechnik und Schienenverkehr von akuten Konjunktureinbrüchen schwächer getroffen werden. Aber Siemens hat seine Achillesferse. Die Informations- und Kommunikationsabteilung schreibt rote Zahlen. Sorgen bereitet die größte Kundengruppe: Die Telekomindustrie ist klamm und erteilt weniger Aufträge. Auch die Beteiligungen an Infineon und Epcos dürften in der Münchner Siemens-Zentrale keinen Jubel auslösen.

Smiths Group

Konkurrenz belebt das Geschäft: Produkte der Smiths Group stecken sowohl im Airbus als auch in Boeing-Flugzeugen. Gefragt sind die elektronischen Präzisionsinstrumente aus London natürlich auch bei den Militärs. Im Angebot sind Geräte zum Aufspüren von chemischen und biologischen Kampfstoffen. Da passt die medizinische Abteilung des Konzerns ganz gut dazu. Geräte zur Behandlung von Atemwegserkrankungen und zur Überwachung von Patienten in kritischen Zuständen tragen einen wesentlichen Teil zum Umsatz von 5 Milliarden Dollar (4,7 Milliarden Euro) im Jahr 2002 bei. An Gewinn haben die Briten 77 Millionen Dollar (72 Millionen Euro) eingefahren. Vergangenes Jahr waren 33 000 Menschen beschäftigt.

Tyco

200 Firmen hat Tyco in 8 Jahren für 64 Milliarden Dollar (60 Milliarden Euro) gekauft: Das war riskant. Vergangenes Jahr schrieb Tyco nicht zuletzt deshalb bei einem Umsatz von 35,6 Milliarden Dollar (33,3 Milliarden Euro) einen Nettoverlust von 9,4 Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro). Außerdem geriet die kreative Buchführung des Konzerns ins Gerede und wird von amerikanischen Behörden streng untersucht. Der Topmanager wurde ersetzt. Der Aktienkurs und damit der Unternehmenswert ist überproportional stark gesunken. Die über 250 000 Mitarbeiter des Konzerns verlegen Glasfaser-Unterseekabel, stellen Sprinkleranlagen her und fertigen Instrumente für die Feinchirurgie. In zahlreichen Mobiltelefonen und Autoelektronik-Systemen stecken Komponenten des Unternehmens mit Sitz auf den Bermudainseln.

United Technologies

Die Marken sind bekannt: Pratt & Whitney stellt Propeller- und Raketenmotoren her, Carrier ist für Heizung, Klimaanlagen und Kühlsysteme zuständig, Otis ist weltweit die Nummer 1 für Aufzüge und Rolltreppen, Sikorsky und Hamilton Sundstrand kümmern sich um den Bau von Hubschraubern und Flugsystemen und UTC Power entwickelt und baut Brennstoffzellen, auch die für das im Augenblick brachliegende Space-Shuttle-Programm. Alle Marken zusammen bilden den Konzern United Technologies (UTC), der im vergangenen Jahr mit 155 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 28 Milliarden Dollar (26,2 Milliarden Euro) und 2,2 Milliarden Dollar (2,06 Milliarden Euro) Gewinn erzielte. Das Unternehmen wird von George David geführt, der im vergangenen Jahr in den USA zum Manager des Jahres gekürt wurde.

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