Die privaten Anleger kehren an die Börsen zurück. Noch sind sie vorsichtig. ­Finanztest zeigt ihnen, wie sie die für sie ­passenden Aktien finden können.

Die Medien verbreiten wieder Optimismus: „Die 10 besten deutschen Aktien“ will uns „Das Wertpapier“ präsentieren, die Zeitschrift der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Endlich wieder Börsengänge“, schwärmt das Magazin „Börse Online“. „Privatanleger trauen sich an den Aktienmarkt zurück“, titelt nüchterner die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Finanztest-Leser Klaus Kaiser kauft schon länger Aktien. Fachkundigen Rat, zum Beispiel bei seiner Bank, holt er sich nicht ein. „Ich will lieber selber schuld sein, wenns schief geht.“

Auch unser Leser Christian Löffler verlässt sich lieber auf sich selbst: „Wenn die Bankberater das richtig könnten, würden sie nicht in der Filiale vor Ort, sondern in der Zentrale sitzen und lukrative Großkunden beraten“, sagt er. „Wenn man sich selber kümmert, ist das genauso gut oder schlecht. Es ist zeitaufwendiger, aber billiger.“

Der Vorsprung der Laien

Anlegen mit Aktien Special

Peter Lynch ist Fondsmanager und Autor des Buchs „Der Börse einen Schritt voraus“. Er gesteht darin ein, dass er sehr gerne selbst die Perspektive eines Laien einnimmt. Anleger würden im täglichen Leben einer Erfolgsstory eher begegnen als Fondsmanager hinterm Schreibtisch, die sich vor allem auf Kennzahlen konzentrierten.

Beispielsweise könnten Laien bemerken, dass auf der Autobahn plötzlich viel mehr Porsches überholen als früher. Oder sie hören, dass Handys auf einmal immer so klingen wie der neueste Hit im Radio. Tatsächlich hat das Herunterladen von Klingeltönen im vergangenen Jahr der Tonträgerbranche 3,5 Milliarden Dollar (2,85 Milliarden Euro) Umsatz verschafft.

Die Börse ist kein Niemandsland

Ausgangspunkt eines Aktienkaufs könnte auch sein, dass ein Anleger bemerkt, wie alle seine Bekannten – sagen wir einmal – bei ebay bestellen (wahlweise Alcopops trinken, ins Kino gehen, mit Digitalkameras fotografieren etcetera). Nun könnte er daraus schließen, dass die Unternehmen, die dahinter stehen, von solch einem Trend eigentlich profitieren müssten. Und nicht nur sie: Auch ihre Zulieferer müssten gut verdienen, Speditionen, Netzbetreiber oder auch der Fachhandel.

Gute Analyse ist die halbe Miete

Doch eine gute Idee allein garantiert noch nicht den Erfolg. Vielleicht hat die Firma ja zu viele Schulden, als dass sie an der Börse gut abschneiden könnte? Möglicherweise ist das künftige Wachstum bereits im Kurs enthalten?

Wer Aktien kauft, kommt nicht umhin, sich mit der infrage kommenden Gesellschaft näher zu beschäftigen. Er sollte sich über die Geschäftsaussichten informieren und Antworten auf Fragen suchen wie: Überzeugt mich das Geschäftsmodell? Welche Position nimmt das Unternehmen im Markt ein? Läuft die Konjunktur? Welche Zukunft hat die Branche?

Nicht zuletzt muss sich der Anleger auch mit den Bilanzzahlen befassen. Wie hoch ist der Umsatz? Wie hoch der Gewinn? Wie steht das Unternehmen im Vergleich zu anderen derselben Branche da? Wie teuer ist die Aktie? Lohnt sich ein Einstieg noch?

Wie Anleger sich ein Urteil über die wirtschaftliche Lage und über ein spezielles Unternehmen bilden können, zeigen wir auf den folgenden Seiten. Womit sie beginnen, hängt von ihrer Idee ab.

Bottom up

Wer sich zunächst mit dem Unternehmen beschäftigt und dann das wirtschaftliche Umfeld untersucht, verfolgt den Bottom-up-Ansatz. Das machen zum Beispiel Anleger, die über einen Bericht im Fernsehen oder in der Zeitung auf ein Unternehmen aufmerksam geworden sind.

Sie haben dort vielleicht von einer Firma erfahren, die trotz schwierigem Umfeld erfolgreich ist. Zurzeit leidet zum Beispiel die Autobranche unter einer Flaute, nicht aber Porsche. Auch BMW kann sich dem Trend entziehen. Oder Puma: Während in Deutschland der Konsum stagnierte, verkauften sich die Sportschuhe der Herzogenauracher hervorragend.

Die Bottom-up-Analyse empfiehlt sich ebenso für die, die Aktien aus einer Neuemission zeichnen wollen. Ein Einstieg lohnt sich nur, wenn die Aktie günstig angeboten wird. Auch den Wert von Übernahmekandidaten sollten sich Anleger genau anschauen.

Anleger, die unsere Aktienstrategien im Dauertest verfolgen, sollten die Top-Kandidaten ebenfalls erst unter die Lupe nehmen, ehe sie sich diese ins Depot legen. Denn auch ein Börsenschwergewicht kann abstürzen, wie es zum Beispiel der Deutschen Telekom passiert ist.

Top down

Für Anleger, die noch keine konkrete Idee haben, empfiehlt sich der Top-down-Ansatz. Sie beschäftigen sich erst mit den konjunkturellen Aussichten und treffen die Einzelauswahl danach.

Dahinter steckt folgender Gedanke: Wenn die Kurse steigen oder Dividenden fließen sollen, müssen die Unternehmen Gewinne erwirtschaften. Das funktioniert nur, wenn die Wirtschaft brummt oder zumindest die Branche, in der das Unternehmen arbeitet.

Wie es unsere Leser machen

Der Finanztest-Leser Christian Löffler interessiert sich weniger für Konjunkturaufsätze. Er hält sich lieber an Unternehmensberichte, die er vor allem in der Süddeutschen Zeitung findet. Außerdem schaut er gern 3-sat-Börse und n-tv, um Ideen zu bekommen.

„Ich schau mir alles an“, sagt dagegen Klaus Kaiser, „sowohl Konjunktur- als auch Unternehmensberichte.“ Er informiert sich in der Regel über Tageszeitungen, vor allem die „Welt am Sonntag“ hat es ihm angetan. Doch die Entscheidungen trifft er letztlich aus dem Bauch heraus. „Wenn ich das Gefühl habe, es ist okay, dann kaufe ich die Aktie.“

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