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Wann gibt es deutliche Signale, dass sich die Weltkonjunktur erholt? Von einem Aufschwung würden die Marktführer aus dem Technologiesektor als erste profitieren.

Mit Technologieaktien sollten die Gewinne ewig sprudeln. Die Euphorie endete im Desaster. Es blieben nur Verluste.

Rund drei Jahre ist es her, da war Cisco Systems die teuerste Firma der Welt. Mit einem Börsenwert von über 500 Milliarden Dollar kostete Cisco mehr als jede Bank oder Versicherung, war auch teurer als jedes Erdöl-, Automobil- oder Pharmaunternehmen dieser Erde. Kein Wunder, dass die vorher nur Fachleuten bekannte Cisco-Aktie zum Liebling von Fondsmanagern und Privatanlegern aufstieg.

Womit das Technologieunternehmen sein Geld verdiente, dürfte den meisten egal gewesen sein. In Anlegermagazinen wurde immer wieder der Vergleich zur Goldgräberzeit bemüht: Die Internetfirmen, die Dot-Coms, seien die Goldsucher, und Unternehmen wie Cisco stellten Schaufeln, Siebe und anderes Werkzeug zur Verfügung. Damit würde man automatisch gutes Geld verdienen, hieß es – weitgehend unabhängig vom Ausgang des Goldrauschs.

Katerfrühstück

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Wie die Internetspekulation endete, ist bekannt. Der Niedergang von Cisco steht exemplarisch für den Niedergang einer ganzen Branche. Aber was heißt schon Niedergang? Noch heute hat Cisco einen Börsenwert von nahezu 100 Milliarden Dollar und ist damit fast viermal so teuer wie etwa Daimler­Chrysler. Und das, obwohl Cisco mit 25 Milliarden Dollar nur einen Bruchteil von dem umsetzt, was DaimlerChrysler erlöst: Über 150 Milliarden Euro betrug der Umsatz des Automobilriesen im Jahr 2001.

Wie Cisco erging es vielen anderen Unternehmen aus den Schlüsselbranchen der Technologie. Gemessen am Nasdaq-Index, dem führenden Börsenbarometer für US-Technologieaktien, sind die Kurse der Hightechs seit dem Höchststand im März 2000 um durchschnittlich 70 Prozent gefallen.

Walter Holick, Teamleiter Technologie bei der DWS Investment GmbH, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, nennt drei Gründe für den Kursverfall der Technologieaktien: die konjunkturelle Schwächephase vor allem in den USA, drastische Einschnitte bei den Ausgaben für Technologie in den Unternehmen und übertriebene Wachstumsprognosen. Die Interneteuphorie der Jahre 1999 und 2000 verleitete Technologieunternehmen und Analysten gleichermaßen zu völlig unrealistischen Annahmen über Umsatz- und Gewinnwachstum.

Hoffen auf die Konjunktur

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Viele Anleger fragen sich, ob noch etwas übrig ist von der viel zitierten Wachstumsfantasie und wie es um die Aussichten des Technologiesektors in den kommenden Jahren bestellt ist. Nach Einschätzung von Walter Holick hängt die Antwort davon ab, ob sich die Welt-konjunktur bald wieder erholt.

Denn eines ist klar: Wenn es wirtschaftlich wieder bergauf geht, gehören Marktführer aus dem Technologiesektor zu den ersten Profiteuren. Mit den Umsätzen und Gewinnen könnten die Kurse nach oben schnellen. Fast alle der in der Tabelle genannten Firmen haben eine überragende Marktposition.

Cisco ist das Topunternehmen für Computernetze, Nokia verkauft die meis­ten Handys, Dell verschickt im Direktvertrieb mehr PCs als jeder andere Hersteller, Hewlett-Packard ist Spitze beim Druckerverkauf, und Intel-Chips sind in den meisten PCs „inside“. Die Marktstellung von IBM drückt sich in seinem Börsenspitznamen aus: „Big Blue“ – Mutter aller Bluechips.

Ein großer Trumpf von Technologiefirmen ist die geringe Halbwertzeit ihrer Produkte. Ein Auto kann man durchaus zehn oder zwanzig Jahre fahren. Ein Computer hingegen ist nach spätestens fünf Jahren hoffnungslos veraltet, ein Handy womöglich noch früher. Auch in den Firmen steht alle paar Jahre eine Modernisierung an.

Die Chipbranche profitiert zuerst

Von einem Aufschwung würde als erste die Halbleiterindustrie profitieren, die Mikroprozessoren für elektronische Geräte herstellt, also Firmen wie Intel und STMicroelectronics. Diese Chips werden nicht nur in Computern benötigt, sondern auch in Mobiltelefonen, in der Unterhaltungselektronik, in Autos und bei der Herstellung von Robotern.

Die Chipbranche selbst schätzt die Zukunft optimistisch ein. Der Branchenverband Semiconductor Industry Association (SIA) erwartet 2003 ein Umsatzwachstum von 20 Prozent. Das Marktforschungsunternehmen Gartner Group rechnet im Jahr darauf sogar mit einen Zuwachs von 26 Prozent. 2002 stagnierte der Umsatz bei 140 Milliarden Dollar. Die meisten Chiphersteller kämpften mit Preisrückgängen und schrieben teilweise tiefrote Zahlen.

Wie realistisch die Prognosen sind, hängt vor allem von der Zukunft der Computerbranche ab, sagen Analysten. 40 Prozent des Umsatzes machen die Chiphersteller mit der PC-Industrie, Intel sogar 80 Prozent.

Doch für die Computerbauer gehen die Experten von einem verhaltenen Wachstum aus. Bis zu 12 Prozent soll der Computerabsatz in diesem Jahr steigen. Das ist kein großes Plus, vergleicht man es mit den Wachstumssprüngen der Neunziger von durchschnittlich 30 Prozent pro Jahr.

Das geringe Wachstum könnte den Preiskampf unter den Computerbauern verschärfen, was den Branchenführern zugute käme: Dell, IBM und Hewlett-Packard würden Marktanteile gewinnen, während es für kleinere Hersteller wie Fujitsu Siemens eng werden dürfte.

Wann die PC-Industrie wieder in Schwung kommt, hängt von den Unternehmen ab. Bis in den Herbst 2002 hinein war es eine ausgemachte Sache unter den Analysten, dass die IT-Ausgaben der Unternehmen wieder steigen.

Eine Umfrage der US-Investmentbank Goldman Sachs im Dezember 2002 fiel aber ernüchternd aus. Die Unternehmen sparen beim Kauf neuer Technologien, zum einen, weil es an umwälzenden Neuerungen fehlt, zum anderen wegen der Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der Konjunktur. Goldman Sachs geht jetzt daher von einem Minus von 1 Prozent bei den IT-Ausgaben in diesem Jahr aus.

Neue Technik nur für neue Handys

Chips werden aber nicht nur im PC gebraucht. Ein weiteres großes Einsatzfeld ist der Mobilfunk. Hier ruhen die Hoffnungen auf dem neuen Übertragungsstandard UMTS. UMTS steht für eine schnelle Übertragung von großen Datenmengen über das Handy.

Die Voraussetzung dafür: Die Nutzer müssen leistungsfähigere Geräte kaufen. Nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens IDC dürfte sich der Handyabsatz bis zum Jahr 2006 von derzeit 391 Millionen auf 600 Millionen pro Jahr erhöhen.

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