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In einer Raffinerie entstehen aus Rohöl unter anderem Benzin, Schmier- und Kunststoffe.

Ohne Öl können wir nicht leben. Wir heizen, fahren Auto und produzieren Plastik. Das freut Multis und Aktionäre.

Vögel, mit ölverklebtem Gefieder im Meer treibend, die brechenden Augen von Robbenbabys inmitten der Ölpest: Wenn ein Tanker untergeht, bringt uns das Fernsehen die Energiebranche so richtig nahe.

Rohöl ist das wichtigste Handelsgut der Welt. Wie kein anderes bewegt sein Preis die Weltkonjunktur. Kein anderer Rohstoff zuvor hat den Wohlstand derart gefördert. Die heutige Mobilität wäre ohne ihn nicht denkbar.

Keinen Vergleich gibt es auch für die Gefahren, die der unstillbare Durst der Industriegesellschaften nach dem schwarzen Gold für das Überleben auf diesem Planeten gebracht hat. Dafür stehen die Verseuchung der Meere und die Erwärmung des Erdklimas.

1970 schluckte die Weltwirtschaft 2,3 Milliarden Tonnen Rohöl. Im vergangenen Jahr waren es 3,5 Milliarden. Solange die Weltwirtschaft wächst, steigt der Verbrauch weiter.

Mit oder ohne Saddam

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Das aktuelle Thema der Energiebranche lässt sich auf vier Buchstaben reduzieren: Irak. Die Zukunft Saddam Husseins und seines politischen Clans ist ungewiss. Sicher ist, dass die darniederliegende Öl- und Gaswirtschaft des Landes modernisiert wird. Mit oder ohne Saddam.

Die Fachzeitschrift Middle East Economic Survey berichtet von Vorverträgen, die russische und chinesische Konsortien bereits mit der irakischen Führung abgeschlossen haben. Nicht bestätigt sind dagegen Milliarden Dollar schwere Verträge von Total Fina Elf, Shell und Eni sowie einiger kleinerer Unternehmen. Grund für die Zurückhaltung der Kommunikationsabteilungen dürfte sein, dass die Konkurrenten aus den USA natürlich keine Lizenzen zum Bohren im Irak erhalten haben.

Zwei Drittel der bekannten Ölvorräte der Erde – etwa 600 Milliarden Barrel (1 Barrel = 159 Liter) – lagern rund um den Persischen Golf. 10 Prozent der weltweit geschätzten Vorräte schwappen allein unter dem Irak, die zweitgrößten nach Saudi-Arabien. Und anders als in anderen Förderregionen wie dem Golf von Mexiko, der Nordsee und im Kaspischen Meer lassen sie sich bequem von festem Grund aus anzapfen.

Gegen die im Irak nachgewiesenen Reserven nehmen sich die Öl- und Gaslager rund um das Kaspische Meer bescheiden aus. Nach Ansicht von Experten können sie künftig vielleicht 5 bis 8 Prozent Weltmarktanteil erreichen.

Markt-Mechanismus

Es sind nicht Massenvernichtungswaffen, Menschenrechtsverletzungen und Unbotmäßigkeiten des Bagdader Regimes gegen die Auflagen der Weltgemeinschaft, die in den Staatskanzleien und den Chefetagen der Ölkonzerne diskutiert werden. Es sind die ökonomischen Aussichten nach einem friedlich oder militärisch herbeigeführten Regimewechsel, die Politiker und Manager elektrisieren.

Wer am Kaspischen Meer und am Persischen Golf dominiere, der beherrsche die Ölproduktion für ein ganzes Jahrhundert, sagt Udo Steinbach, Leiter des Deutschen Orient-Instituts. Gegen solche Perspektiven verblasst die Bedeutung des Diktators.

Mit einer „Ölbonanza“ wie seit langem nicht mehr rechnet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Gleichgültig, ob die Nachfolger Saddams nur die bestehenden Anlagen modernisieren, die vermuteten Vorkommen in der westlichen Wüste ausforschen oder die sicher nachgewiesenen Öl- und Gaslager ausbeuten lassen – die Branche bekommt zu tun.

Öl bringt immer Kohle

Politische Krisen im Nahen und Mittleren Osten haben die Aktien der Ölkonzerne seit jeher beflügelt.

Wenn es dort kracht, steigt der Ölpreis und mit ihm die Gewinne der Konzerne. Experten sprechen den Papieren eine ähnliche Rolle wie Gold zu. Mit ihnen lasse sich das Portfolio absichern, wenn sich die Situation zuspitze.

Springt zusätzlich nach einer Krise die Weltkonjunktur an, steigt der Bedarf an Öl und den daraus destillierten Produkten. Außerdem verdienen die großen Ölkonzerne meistens genug, um satte Dividenden auszuschütten. Die Anleger dürfte es freuen.

Ob allerdings ein kurzfristiges, spe­kulatives Engagement in diesen Papieren im Augenblick noch lohnt, daran scheiden sich die Geister. Als defensive Werte hätten die Ölaktien bereits in der Folge des Zusammenbruchs des Neuen Marktes und der vom Enron-Betrug ausgelösten Vertrauenskrise profitiert, heißt es bei der WGZ-Bank. Außerdem seien im Barrelpreis seit geraumer Zeit mindestens 2 bis 3 Dollar „Kriegsprämie“ enthalten.

Wie das Geschäft läuft

Exxon Mobil, Royal Dutch/Shell, Total Fina Elf – die Großen der Branche schmücken sich mit dem Zusatz: „integrierte Ölgesellschaft“. Das bedeutet, dass sie entlang der ganzen Wertschöpfungskette Geld verdienen – vom Bohrloch bis zum Zapfhahn. Sie erschließen neue Öl- und Gasfelder, fördern die Rohstoffe und raffinieren sie dann.

Aus den ersten beiden Geschäftsfeldern schöpfen sie Gewinne, weil die Krise den Barrelpreis treibt. Das dritte läuft derzeit schlecht, weil wegen der schlechten Konjunktur die Nachfrage nach Ölprodukten lahmt. Dazu zählen nicht nur Benzin, Diesel und Kerosin, sondern auch Spezialöle, Schmier- und Kunststoffe.

Wie lange noch?

Der ehemalige Fina-Manager Colin J. Campbell schätzt, dass das Zeitalter der fossilen Energie sich seinem Ende zuneigt. Die gewaltigen Investitionen von Politik und Wirtschaft in Mittelasien und im Mittleren Osten deuten aber darauf hin, dass sich Alternativen wie Energie aus Biomasse, Wind und Sonne noch nicht rechnen.

Dafür müsste der Ölpreis deutlich zulegen, schätzt Carl Christian von Weizsäcker, der Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts der Kölner Universität. Der Wissenschaftler geht davon aus, dass die Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Öl noch Jahrzehnte währen wird.

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