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Der Versorgermarkt bleibt noch lange eine Baustelle.

Strom, Wasser, Gas – jeder brauchts und deshalb versiegen die Einnahmequellen der Versorger nie.

Sieben Uhr früh in Deutschland: Der Radiowecker dudelt los. Wie jeden Morgen erst mal die Kaffeemaschine anschalten, dann ab zur Morgentoilette. Danach gibts noch ein Spiegelei auf dem neuen Herd. Gas, versteht sich, darauf kocht es sich schließlich schicker.

Gleich, wie verschlafen wir die ersten Dinge des Tages erledigen, einer ist hellwach und glücklich: unser Versorger. Vom Kaffeewasser und dem Strom für die Maschine über das Duschwasser und die Liter, die das Klo hinabrauschen, bis hin zum Gas für das Eierbraten: Jede der morgendlichen Handlungen bedeutet Umsatz für unsere Energie-, Wasser- und Gaslieferanten.

Onkel Dagoberts Traum

Das klingt so, als ob die Branche der Versorger eine Lizenz zum Gelddrucken besitze. Schließlich lässt sich der Verbrauch von Energie und Wasser in den Industrienationen schlicht nicht vermeiden.

Aber wer und was genau sind denn diese Versorger? In Deutschland sind dies zum einen rund 900 kommunale Unternehmen, die Strom, Wasser und Gas an die Bewohner ihrer Städte verteilen. Vor allem in kleineren Gemeinden reicht die selbst erzeugte Energie nicht aus, um alle privaten Haushalte und die Industrie, das Gewerbe, die öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Universi­täten, den Verkehr und die Landwirtschaft zu beliefern. Deshalb kaufen die kommunalen Unternehmen von den großen Erzeugern wie Eon, RWE oder Energie Baden-Württemberg zu. Die Großen sind entweder in privater Hand oder teilweise noch im Besitz der Länder und der Kommunen. Teilweise in öffentlicher Hand zu sein, hindert diese Unternehmen aber nicht, mit den kommunalen Stadtwerken um die Gunst des Endverbrauchers zu wetteifern.

In der Tat sackten die Versorger bis vor wenigen Jahren so genannte Monopol-Renditen ein. Das heißt, sie verlangten überhöhte Preise, die keinem Wettbewerb ausgesetzt waren. Das ist jetzt vorbei. 1998 hat die Bundesrepublik die EG-Stromrichtlinie von 1996 umgesetzt. Mit dem Energiewirtschafts­gesetz war der Strommarkt in Deutschland freigegeben. Die meisten EU-Mitglieder hinken allerdings noch hinterher. Doch auch die großen USA liberalisierten ihre Energiemärkte.

Die Monopole geknackt

„Seither gibt es zwei Tendenzen, die die Branche weltweit bestimmen: die Liberalisierung und der Umbau der Unternehmen in Richtung Multi-Utility“, sagt Thomas Deser von Union Investment. Multi-Utility bedeutet, dass ein Unternehmen Strom, Wasser, Gas und Entsorgung aus einer Hand anbietet.

Gleichzeitig trennen sich die großen Versorger zunehmend von branchenfremden Beteiligungen. Das geschieht aus zwei Gründen. Zum einen brau­chen die Unternehmen Geld, um andere Versorgungsunternehmen aufkaufen zu können. Zum anderen lassen die Regulierungsbehörden in den USA nur reine Versorger miteinander konkurrieren. Und natürlich gilt der gesamte Strom-Wasser-Gas-Markt als sehr zukunftsträchtig. In Westeuropa betrug im Jahr 1998 der Gesamtumsatz mit diesen Gütern 500 Milliarden Euro. Die Umsätze in den USA liegen noch einmal deutlich höher.

Die Farben des Stroms

Seit Sommer 1999 ist Strom plötzlich gelb oder blau. Jedenfalls ist er irgendwie privat – und billiger. Um die mit der Liberalisierung aufgebrochenen Monopole zu schützen, senkten die regionalen Energieunternehmen die Preise.

Zahlte 1999 der deutsche Drei-Personen-Musterhaushalt 48,20 Euro im Monat für den Strom, waren es im ­vergangenen Jahr nach Angaben des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) noch 41,72 Euro. Weil alle billiger wurden, hat kaum jemand seinen Versorger gewechselt. „Der Effekt ist, dass der Wettbewerb zu Regionalmonopolen geronnen ist“, sagt Deser.

Die Liberalisierung nützt vor allem der Industrie. Die Research-Abteilung der Deutschen Bank hat ausgerechnet, dass Industriekunden Ende 2000 ein Viertel bis die Hälfte weniger für den Strom bezahlten als noch ein Jahr zuvor. Großabnehmer erhalten eben überall bessere Preise.

Mann, hat der Gas, Mann

Gas gilt als sauber und umweltfreundlich. Außerdem lässt es sich auch aus Ländern beschaffen, die nicht der Opec angehören. 16,5 Millionen Wohnungen hängen nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung am Netz. Bei Neubauwohnungen liegt der Marktanteil bereits bei 76 Prozent. Deutschland deckt seinen Erdgasverbrauch zu 20 Prozent aus eigener Förderung. 35 Prozent des Verbrauchs decken Importe aus Russland, große Lieferanten sind auch die Niederlande, Großbritannien und Norwegen.

Doch die Zukunft liegt in der Ferne. Vorkommen in Mittelasien, Nordafrika und Südamerika müssen erschlossen werden. Die Risiken für die Versorgerbranche liegen vor allem im Transport und den damit verbundenen Investitionen. Pipelines von vielen tausend Kilometer Länge, zum Beispiel auch über die Gebiete Afghanistans und des Irans, sollen einmal den steten Zufluss nach Westeuropa garantieren. Das birgt politische wie wirtschaftliche Risiken.

Zum Beispiel verlangten die Förderländer sehr langfristige, bindende Lieferverträge, beschreibt die BHF-Bank in einem Report die Situation. Da sich Gas unterschiedlicher Herkunft im Leitungsnetz schlecht mischen lässt, erwarten Analysten wie Thomas Deser, dass sich trotz des liberalisierten Gasmarkts einige wenige den Kuchen teilen werden. Die Gewinne sind für die Branche und den Geldanleger, der in sie investiert, erfreulich. Bezahlen muss sie allerdings der Verbraucher.

Wasser marsch

Am wenigsten weit gediehen ist die ­Liberalisierung des Wassermarkts. Hier bestehen die Gebietsmonopole der rund 8 000 Kommunen in Deutschland weitgehend fort. Wasser ist das Lebensmittel Nummer eins. Aus diesem Grund gibt es starke Bedenken dagegen, die Wasserförderung und -verteilung dem Wettbewerb auszusetzen.

Interessant für die Unternehmen sind daher die Märkte außerhalb Deutschlands, zum Beispiel in den USA. „Dort ist die Infrastruktur schwach. Die Leitungen sind alt, es gibt viele Lecks“, sagt Thomas Deser. Gleichzeitig verlangten die Amerikaner aber verstärkt nach besserer Wasserqualität. Nach Ansicht von Dieter Küffer vom SAM Water Fund steigt der Bedarf an sauberem Wasser, an Kläranlagen und anderen Einrichtungen rund um das kostbare Gut stark an.

Allein mit Strom kann die Branche in den entwickelten Ländern kaum noch wachsen, doch wenn am Abend der Kühlschrank das Bier kühlt, der Fernseher läuft und die Gasheizung gemütliche Wärme verbreitet, heißt das immer noch: Umsatz, Umsatz, Umsatz. Das sorgt für Ruhe im Depot.

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