Anlegen mit Aktien Meldung

Mehr als Glückssache: Ohne Informationen und sorgfältige ­Analyse stürzen ­Anleger ab.

Nach wie vor gelten Aktien als eine der renditestärksten Geldanlagen. Doch ohne Wissen kein Erfolg. Finanztest zeigt, wie man die richtigen Papiere finden kann.

Gerade der heiße Tipp ist es nicht, der die Aktienanlage rentabel macht. Vielmehr erfordert sie Geduld – nichts ist schlimmer, als wenn man das Geld braucht, wenn der Kurs im Keller ist. Sie verlangt auch eine ebenso gewissenhafte wie fundamentale Analyse.

„Investieren Sie in kein Unternehmen, dessen Geschäft Sie nicht verstehen“, raten die Experten von Finanztest. „Beachten Sie, dass Unternehmen in der Regel keine Gewinne erwirtschaften können, wenn die Konjunktur nicht läuft“, lautet ein anderer Tipp. Und: „Mischen Sie Branchen, die möglichst wenig miteinander korrelieren.“ Das heißt: Wenn die eine Branche leidet, sollte sie eine andere nicht unbedingt in Mitleidenschaft ziehen.

Zu viele Infos, zu viele Meinungen

Leichter gesagt als getan: Über die konjunkturellen Entwicklungen der Länder, Regionen und der Welt wird einiges geschrieben. Doch einheitlich sind die Prognosen der Experten selten. Woher wissen, welche Vorhersage eintreffen wird? Woher wissen, welcher Wirtschaftszweig als nächstes brummt? Wie oft galt beispielsweise die Biotechnologie als die Boombranche der folgenden Monate und Jahre. Bislang gab es lediglich einige Kursausschläge, von einem Boom konnte nie die Rede sein.

Wie das Unternehmen finden, welches – nachhaltig – mehr verdient als die Konkurrenten? Und vor allem – wie den richtigen Zeitpunkt erkennen? Eine Frage des glücklicheren Händchens, wie im Übrigen das gesamte Börsenge­schäft? Nein! Zwar kann Rendite Glückssache sein, doch in der Regel gewinnt, wer mehr weiß – über die Konjunktur, die Branchen und die verschiedenen Unternehmen.

Ausgangspunkt jeder Analyse ist die konjunkturelle Lage. Das hat einen guten Grund: Es gibt Wirtschaftszweige, wie beispielsweise die Technologiebranche, die laufen auf Hochtouren, wenn die Wirtschaft wächst, und brechen ein, sobald die Nachfrage nachlässt. Fachleute nennen dieses Verhalten zyklisch.

Auch die Rohstoffbranche reagiert ­zy­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­klisch, allerdings hat sie ihre beste Zeit nicht im, sondern vor dem Boom. Konsumwaren laufen dagegen am besten, wenn die Konjunktur ihren Höhepunkt schon überschritten hat. Dann wirken sich zum Beispiel höhere Löhne auf die Nachfrage aus.

Andere Branchen, wie Pharma, mit Abstrichen auch Luxuswaren, sind weniger vom Wirtschaftswachstum abhängig: Kranke und Reiche gibt es immer.

Entwicklungen in der Branche

Natürlich entscheidet nicht nur die allgemeine Wirtschaftslage über das Wohl und Wehe einer Branche, sondern auch die Branche selbst. Entwickelt sie nützliche neue Technologien, wie im Mobilfunk geschehen, kann das lukrative Geschäftsfelder eröffnen. Das Versenden von Kurznachrichten, SMS, ist ein Beispiel für einen Erfolg. Dagegen ist die neue Übertragungstechnik UMTS umstritten. Zwar würden dadurch tolle Dinge wie Videogucken auf Handy möglich, doch ist die große Frage, ob das jemand machen und vor allem bezahlen will. Auch Nahrungsmittel aus der Gentechnologie, um ein anderes Beispiel zu nennen, bescheren den Betrieben keine Gewinne. Das liegt daran, dass die Verbraucher diese Produkte nicht akzeptieren und daher nicht kaufen.

Wie man an die Betrachtung von Branchen herangehen kann – das ist es, was Finanztest in den kommenden Monaten zeigen will. Vorgestellt werden sollen zunächst die Branchen Auto, Banken, Pharma, Rohstoffe, Telekommunikation und Versorger. Die Reihenfolge hängt nicht von der jeweils aktuellen Börsenlage ab. Was Finanztest vermitteln will, ist zeitlos: Das Handwerkszeug für die erfolgreiche Aktienanlage nämlich.

Und dazu gehört nicht nur die Auswahl der richtigen Branche. Was nützt es, wenn die Aussichten für Pharmakonzerne rosig sind, die ausgewählte Gesellschaft aber patzt? Wie die deutsche Firma Bayer, die ihren bis dahin viel verkauften Cholesterinsenker Lipobay wegen tödlicher Nebenwirkungen vom Markt nehmen musste. Der Kurs brach ein.

Ärgerlich für die Aktionäre, doch solche Ereignisse lassen sich nie vorhersehen. Andere schon: Als beispielsweise der Automobilgigant Daimler die Verbindung mit dem US-Konzern Chrysler einging, sagten einige Kenner der Börse voraus, dass der Deal nicht gut gehen würde. Zeitweise war der neue Auto­riese denn auch weniger wert als zuvor Daimler allein.

Langer Atem nötig

Beide Konzerne haben sich von diesen Rückschlägen wieder erholt oder sind auf dem Weg dahin. Die Beispiele zeigen: Wenn die Substanz stimmt, nimmt der Kurs höchstens kurzfristig Schaden.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Anlage in gesunde Werte zahlt sich langfristig aus.

Bleibt die Frage, wie ein Anleger ein gutes Unternehmen aus den vielen, die es gibt, herausfinden kann. Auch hier gilt: Je mehr Informationen der Anleger einholt, je sorgfältiger er sich seine Meinung bildet, desto größer sind die Chancen, dass seine Suche zum Erfolg führt.

Finanztest warnt davor, heißen Tipps, egal ob aus dem Internet, Fernsehsendungen oder aus Aktionärsbriefen, blind zu folgen. Kaufempfehlungen von Analysten und Banken sind nicht selten interessengeleitet.

Der Anleger sollte Geschäftsberichte zurate ziehen und die Unternehmensmeldungen ver­folgen. Bei seiner Auswahl unterstützen können ihn außerdem Bilanzkennzahlen. So zeigt zum Beispiel der Cashflow an, wie viel Geld dem Unternehmen zur Schuldentilgung oder zu neuen Investitionen zur Verfügung steht. Entscheidend ist jedoch der Gewinn der Gesellschaft. Die Aktionäre partizipieren daran entweder in Form von Dividenden oder Kurssteigerungen der Aktie.

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