Anlegen in Deutschland: Nie mehr zweite Liga

Der MDax hat den Dax überholt und steht so hoch wie nie. Von Reformen würden Nebenwerte am meisten profitieren, sagen Experten. Das dürfte dann auch den kleinen Firmen aus dem SDax und dem TecDax Schwung geben.

So ist das mit den Außenseitern: Keiner hat sie auf dem Plan und plötzlich sind sie besser als die Großen. Huch! So ähnlich verhielt es sich mit dem MDax, dem Index für die Werte aus der zweiten Reihe, der seit ungefähr fünf Jahren besser läuft als der Dax. Gemerkt hat es am Anfang fast keiner, jetzt ist es für einen Einstieg vielleicht schon zu spät.

„Ich schätze, ein Großteil der Aufwärtsbewegung ist abgeschlossen“, sagt Heiko Breiholz, der das Aktienfondsmanagement bei Signal Iduna Asset Management leitet. Der MDax hat in diesem Jahr 22,7 Prozent zugelegt, 2004 waren es 20,3 Prozent und im Jahr 2003 sogar 47,8 Prozent. „Das muss aber nicht heißen, dass es nicht noch ein bisschen weitergeht“, sagt Breiholz.

„Vor einem Jahr hat man auch schon ­gesagt, jetzt ist die MDax-Rallye vorbei“, erinnert sich Peter Ott von UBS.

Gut, aber günstig?

Für seinen Fonds, den UBS (D) EF Mid Caps Germany findet Peter Ott aber immer noch niedrig bewertete Titel.

Zum Beispiel den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate aus München, der früher der Hypovereinsbank gehört hat. „Wir gehen davon aus, dass die schlechten Immobilien abgeschrieben sind“, sagt Ott. „Mit einem KGV von elf ist die Aktie günstig.“ Mit dem KGV, dem Kurs-­Gewinn-Verhältnis, stellen Fondsmanager fest, ob eine Aktie billig oder teuer ist. Auch Maschinenbauer haben es Peter Ott angetan. „Krones, Heidelberger Druck, Rheinmetall, IWKA, Vossloh“, zählt er ein paar auf, die niedrig bewertet sind. „Das sind solide Unternehmen, die sich gut auf dem Weltmarkt positioniert haben.“

Investiert hat Ott trotz Inlandsflaute auch in Konsumwerte wie zum Beispiel die Modefirma Boss – im Ausland läuft Boss gut. Puma gefällt ihm auch, obwohl das Unternehmen seinen Kurs schon um über 1 500 Prozent gesteigert hat. Weniger gut findet er aber die neuen, 500 Millionen Euro teuren Expansionspläne Pumas.

Puma liegt in vielen Fonds. Auch der dit-­Nebenwerte Deutschland hat von der ­Aktie profitiert. Inzwischen sind aber ­andere Werte stärker gewichtet. Fondsmanager Frank Hansen ist überzeugt ­davon, dass sich im MDax noch keine ­Spekulationsblase gebildet hat.

Das denkt auch Christian Zimmermann von Activest. „Aber es ist schwer zu sagen, wie lange der MDax den Dax noch schlägt“, sagt der Manager des Activest Deutschland Potential. Er schätzt, dass noch Übernahmefantasie im Markt steckt. Kaufinteressenten für MDax-Werte gibt es sowohl hierzulande als auch im Ausland. Den Kursen gibt das Auftrieb.

Auch die Wahlen könnten den Aktienmarkt beflügeln. „Sollten die Reformen greifen, dann profitieren die MDax-Werte, die hier produzieren, mehr als die weltweit tätigen Dax-Unternehmen“, stimmt dem auch Heiko Breiholz zu.

Er bleibt trotzdem skeptisch. „Eine neue Regierung muss die Reformen auch erst mal durchsetzen“, sagt er. „Bleiben sie aus, sind die ausländischen Investoren, die derzeit massiv in Deutschland investieren, schnell wieder weg.“

MDax für Anleger

Finanztest rät: Anleger, die Indexzerti­fikate oder -fonds auf den MDax kaufen wollen, sollten vorsichtig sein. Einige ­Aktien sind so gut gelaufen, dass sie nicht mehr billig sind. „Ich denke, wir sind sogar eher in einer Phase, die überschießt“, sagt Heiko Breiholz.

Gute Fonds, die sich die noch günstigen Aktien herauspicken, sind als Beimischung für ein breit gestreutes Depot jedoch durchaus geeignet. Wie unsere Analyse zeigt, war der MDax in der Vergangenheit sogar weniger schwankungsanfällig als der Dax, der die Spekulationsblase um die Jahrtausendwende voll mitgemacht hat.

Nach Jahren, in denen wenig passierte, steht der MDax nun im Mittelpunkt. Auch viele Standardwerte-Fonds investieren hier ihr Geld. Sehr viel Geld, wie Guido Cameron von HSCB Trinkaus Capital Management findet. „Der MDax ist teuer. Aber Trends sind oft sehr stark.“

TecDax ist nicht gleich Nemax

Für seinen Fonds, den HSBC Trinkaus Special Inka, kauft er lieber im TecDax ein oder er kauft Aktien, die in keinem Index gelistet sind. „Dort gibt es einfach die interessanteren Werte“, sagt Cameron, der den Fonds erst im Frühjahr übernommen hat. Anders als er mögen viele Manager und Anleger den TecDax nicht. Für sie hat der Nachfolger des Neue-Markt-Indexes Nemax immer noch das Böse-Buben-Image. Lieber lassen sie die Finger davon, als sie sich erneut zu verbrennen.

Zurzeit entwickelt sich der Index eher zäh. In diesem Jahr hat er zwar schon 12,7 Prozent zugelegt (Stand 25. Juli), das Jahr davor aber 3,9 Prozent verloren. Selbst der Überflieger Solarworld ist vom Wahnsinn des Neuen Marktes noch entfernt. Plus 460 Prozent in einem Jahr, so die Bilanz der Bonner – echte Nemax-Werte schafften 1 000 Prozent und mehr in kürzerer Zeit.

Am TecDax scheiden sich die Geister. Während Guido Cameron ihn interessant findet, hält Christian Zimmermann von Activest ihn für eher teuer. Er sucht lieber im SDax, dem Index für Small Caps, nach Alternativen zum MDax. Günstig findet er Unternehmen wie etwa den Autovermieter Sixt oder den Modefabrikanten Gerry Weber. 2004 hat der SDax um 21,6 Prozent zugelegt, dieses Jahr um 25,1 Prozent.

Auch für andere Nebenwerte-Fonds ist der SDax eine gern genutzte Alternative zum MDax. Möglicherweise ist er auch deshalb so gut gelaufen. Jedenfalls sind sich die Experten auch bei diesem Index uneins, ob er nun billig oder teuer ist.

Feld für Zocker

Anleger, die nicht in Fonds, sondern direkt in die Indizes investieren wollen, können natürlich gerade darauf spekulieren: Dass nämlich die kleineren Indizes in nächster Zeit laufen werden, weil große Investoren nach Alternativen zum MDax suchen.

Eine vernünftige Strategie ist das nicht, vielleicht bringt es Spaß und kurzfristig Erfolg. Vernünftiger ist es, das Feld der Technologiefirmen und Small Caps den Experten zu überlassen, den Fondsmanagern.

Selbst dann ist Vorsicht angebracht: Fonds nur beimischen und ihre Qualität regelmäßig prüfen, heißt die Devise. Das Segment der Kleinen, manche sprechen auch von Mikrowerten, ist riskant. Kleine Werte schwanken stärker als große.

Unbekannte aus der zweiten und dritten Liga feiern immer mal wieder Überraschungserfolge. Doch was Bayern Münschen für den deutschen Fußball, das ist für die Börse der Dax.

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