Anlegen in Deutschland: Made in Germany

Deutsche Standardwerte profitieren vom Wachstum der ­Weltwirtschaft. Im internationalen Vergleich sind die Aktien billig.

Komisch. Wenn Lidl billig Bahntickets verkauft oder Aldi einen neuen Laptop zum Schleuderpreis anbietet, stehen die Deutschen Schlange. Wenn es allerdings Aktien im Sonderangebot gibt, hauen sie lieber ab. 1,3 Milliarden Euro haben Anleger in diesem Jahr aus deutschen Aktienfonds abgezogen. Und das ausgerechnet jetzt, da die Aktien erstens steigen und zweitens günstig sind wie selten – was weitere Kursanstiege wahrscheinlich macht.

Seit Jahresbeginn hat der Dax um 13,8 Prozent zugelegt. Der breitere Index MSCI Deutschland von Morgan Stanley, der 100 Werte umfasst, verzeichnet sogar ein Plus von 14,3 Prozent (Stand 25. Juli 2005).

Für einen längerfristigen Vermögensaufbau gibt es nichts Besseres als Aktien, weil sie die größten Renditechancen haben. Um das Risiko einzugrenzen, sollten Anleger zu Fonds greifen. Am deutschen ­Aktienmarkt kann sich das richtig lohnen.

In keiner anderen Fondsgruppe schlagen so viele Manager den Markt wie in Deutschland. Fast die Hälfte der Fonds in unserem Dauertest ist besser als der MSCI Deutschland. In der Gruppe der Aktienfonds Welt ist nur ein Fünftel der Fondsmanager besser als der Vergleichsindex.

Auf Schnäppchenjagd

Seit über einem halben Jahr an der Spitze unseres Fondsdauertests liegt der Adig Fondak. Er hat im vergangenen Jahr um 17,8 Prozent zugelegt.

Managerin Heidrun Heutzenröder macht genau das, was die Verbraucher im Supermarkt tun: Sie hält Ausschau nach Produkten, die weniger kosten, als sie wert sind. Aus diesem Grund hat sie zum Beispiel DaimlerChrysler im Portfolio, eine Aktie, die Anleger in den letzten Jahren nur enttäuscht hat. „Die Restrukturierung in den USA hat gut angeschlagen“, sagt sie. „Im Vergleich zu Ford und General Motors steht Daimler besser da.“

Auch der Software-Riese SAP erntet in Amerika gerade die „Früchte der Restrukturierung“, wie Henning Gebhardt sagt. Er zeichnet bei der Fondsgesellschaft DWS für mehrere Deutschland-Fonds verantwortlich, unter anderem den DWS Select-Invest. SAP macht in dem Fonds fast ein Zehntel des Portfolios aus.

Günstig sind Gebhardts Ansicht nach auch die Aktien der Chemiekonzerne BASF und Bayer.

Der Export boomt

Aber nicht nur in den USA sind deutsche Unternehmen gut aufgestellt. Sie sind Nutznießer des internationalen Wirtschaftswachstums. Sie profitieren davon, dass deutsche Produkte auf dem Weltmarkt stark nachgefragt werden.

Selbst als der Euro sehr teuer war, hat das Interesse kaum nachgelassen. Auch der hohe Ölpreis und die immensen Rohstoffkosten konnten den Exportweltmeister Deutschland nicht stoppen.

Hans-Joachim König von Union Investment hat anders als viele seiner Kollegen die T-Aktie nicht untergewichtet. „Wir schätzen die Telekom“, sagt er. „Sie hat, was Festnetz- und Mobiltelefonie angeht, eine gute Ausgangsstellung in Osteuropa. Außerdem ist sie günstig bewertet.“

Übergewichtet hat König den Maschinenbauer MAN und den Industriegaseproduzenten Linde. „Beide werden derzeit neu aufgestellt. Damit besteht eine gute Chance, dass die Aktien ein langfristig ­höheres Ertragsniveau erreichen.“

Deutsche Standardwerte sind die Gewinner der Globalisierung. Einer Studie der Hypovereinsbank zufolge arbeitet im Schnitt die Hälfte der Beschäftigten dieser Unternehmen im Ausland.

Am stärksten globalisiert ist demnach Fresenius Medical Care, der Spezialist für Dialyse-Produkte. Lediglich 6 Prozent der Beschäftigen arbeiten in Deutschland.

Hoffnung auf Reformen

Dass die deutschen Aktien billig sind, ist aber nur einer der Gründe für ein Engagement in Deutschland. Ein weiterer ist politischer Art. Sollte die CDU die Wahl ­gewinnen, hoffen die Fondsmanager auf zügige Reformen.

„Der deutsche Markt hat sich jetzt zehn Jahre lang schlechter entwickelt als andere, was an den verkrusteten Strukturen lag“, sagt Henning Gebhardt von der DWS. „Wenn die Reformen gelingen und das Wachstum in Deutschland an Dynamik gewinnt, kann das den Aktien zusätzlichen Auftrieb geben.“

Da wäre außerdem noch die Fußballweltmeisterschaft, die 2006 in Deutschland stattfindet und den dümpelnden Konsum anschieben könnte. „Die WM könnte zumindest psychologischen Auftrieb geben“, spekuliert Heidrun Heutzenröder. Wie gut das klappt, hängt natürlich stark von Klinsmanns Kickern ab.

Dass die Unternehmen jetzt schon gut verdienen, zeigen ihre Ausschüttungen. 2,3 Prozent beträgt die aktuelle Dividendenrendite im Dax. DaimlerChrysler schüttete bezogen auf den Kurs vom 31. Juli großzügige 3,7 Prozent aus. Auch die Deutsche Telekom zahlte eine Dividende. Für jede Aktie gab es 62 Cent, das sind ­sogar 3,8 Prozent.

Wer gezielt die Dividendenkarte spielen will, kann sich zum Beispiel den DivDax kaufen – entweder in Form von Indexfonds oder von Zertifikaten. Der DivDax enthält die Werte aus dem Dax mit der höchsten Dividende. Dazu gehören zum Beispiel die Versorger RWE und Eon. Bei Eon hoffen die Aktionäre sogar auf eine Sonderausschüttung.

Ein solcher Geldsegen hat aber nicht nur sein Gutes: Schließlich steht das ausgezahlte Geld den Unternehmen nicht mehr für Investitionen zur Verfügung. Das schmälert die Aussichten.

Deutschland vor, noch ein Tor

Auch den Dax gibt es in Form von Indexfonds und Zertifikaten. Doch so toll seine Erfolge auch sein mögen, im größeren Vergleich schneidet der Index der größten deutschen Aktien nur durchschnittlich ab. Besser schlägt sich noch der MSCI Deutschland. Anleger können auch ihn als Indexfonds kaufen (siehe Kasten S. 30).

Wer längerfristig anlegen möchte, was am Aktienmarkt das Vernünftigste ist, sollte sich aber lieber einen aktiv gemanagten Fonds suchen. Die Auswahl ist groß.

Nur Anleger, die die Erfolgswelle bloß kurze Zeit reiten wollen, sind mit Indexprodukten besser bedient, weil sie weniger kosten als gemanagte Fonds. Vor allem die Vergütung für die Manager entfällt.

Schwung haben die Papiere zurzeit alle. Die Aufholjagd hat begonnen. Wir werden Weltmeister.

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