Anlegen in Asien Test

Asienanleger Reiner Jahberg hat den DWS Mandarin verkauft und setzt nun auf den Finanztest-­Spitzenreiter von Axa Rosenberg.

Die Menschen in Südostasien leiden noch unter den Folgen der Flut. Doch die Wirtschaftskraft der aufstrebenden Länder ist ungebrochen. Mit Aktienfonds Pazifik können Anleger dort investieren – ohne schlechtes Gewissen.

Seit der furchtbaren Naturkatastrophe Ende 2004 haben nachdenkliche Anleger ein ethisches Problem: Ist es moralisch vertretbar, in Südostasien Geld anzulegen, während viele Einheimische noch immer um ihre Existenz bangen müssen?

Der Gewissenskonflikt ist verständlich, doch den Betroffenen ist in keiner Weise gedient, wenn sich Investoren zurückziehen. Im Gegenteil: Weltweites Interesse von Anlegern ist eine gute Voraussetzung für einen schnellen Wiederaufbau und eine Rückkehr zur Normalität. Anleger sollten sich nicht beirren lassen.

Die aufstrebenden Börsen in Südkorea, Taiwan, Indien oder China versprechen auch in Zukunft eine weitaus größere Dynamik als die etablierten Märkte in Europa oder Nordamerika. Wenn die Weltwirtschaft boomt, wird Asien davon wohl viel stärker profitieren als der Rest der Welt.

Mit Aktienfonds Pazifik können Anleger daran teilhaben. Investitionen in Einzel­aktien von Firmen aus der Region sind ­dagegen sehr schwierig.

Reizvolle Wachstumsaussichten

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Reiner Jahberg hat schon seit einigen ­Jahren einen Pazifikfonds im Depot. Der 50-jährige Beamte aus Bochum, der seit ­jeher einen Teil des Vermögens in Aktienfonds steckt, ist von den Wachstumsaussichten der asiatischen Märkte überzeugt.

Mit dem DWS Mandarin, den er vor längerer Zeit gekauft hat, war er allerdings nicht zufrieden. Anders als viele seiner Konkurrenten schaffte es der Fonds nicht, die Chancen der Fernostbörsen in eine ­gute Rendite umzumünzen.

Mit einer Bewertungszahl von 45,9 liegt er in der Finanztest-Rangliste seiner Fondsgruppe nur im hinteren Mittelfeld – 50 entspräche genau dem Durchschnitt der Fondsgruppe. So entschied sich Reiner Jahberg für einen anderen Pazifikfonds, den Axa Rosenberg Pacific Ex-Japan Small Cap A. Dieser hält schon seit einigen ­Monaten den Spitzenplatz in unserer Fondsgruppe „Aktienfonds Pazifik ohne Japan“ und liegt auch jetzt wieder vorn.

Dieser Fonds beschränkt sich nicht auf die asiatischen Wachstumsmärkte. Vielmehr hat er fast 40 Prozent in Australien investiert. Dabei konzentriert er sich auf kleinere Unternehmen. Seine zehn größten Positionen sind allenfalls gut informierten Anlegern ein Begriff.

Anleger müssen genau hinschauen

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Für Aktienanleger ist Japan immer noch die klare Nummer eins in Asien. Das aufstrebende China spielt im Börsenindex der Region (noch) keine Rolle.

Es gibt wenige Fondsgruppen, die dem Anleger so viel Eigeninitiative abverlangen wie Pazifikfonds. Es gibt keine typischen Länder- oder Branchenmischungen. Der Anleger muss sich also den Fonds sehr ­genau ansehen, um zu wissen, wo genau er investiert. Oft kauft er, wie Reiner Jahberg zum Beispiel, mit einem Pazifikfonds auch Australien ein.

Noch stärker dominiert Japan einige Fonds. Im Index der Region stellt Japan ­einen Anteil von fast 60 Prozent.

Wir unterscheiden zwei Gruppen von Pazifikfonds. Die kleinere enthält auch japanische Aktien, die größere verzichtet völlig auf eine Japan-Beimischung.

Wer auf etablierte Aktienmärkte schwört, ist mit Pazifikfonds inklusive ­Japan besser bedient. Die japanischen Unternehmen sind zum Teil ähnlich bekannt wie ihre europäischen und US-amerikanischen Konkurrenten und bilden einen Gegenpol zu den exotischen Fernostfirmen.

Mit Pazifikfonds ohne Japan begeben sich Anleger dagegen auf weitgehend unbekanntes Terrain. Der riesige asiatisch-pazifische Markt lässt Fondsmanagern reichlich Spielraum, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen. So ist bereits die Länder­mischung von Fonds zu Fonds sehr unterschiedlich, von der konkreten Aktienauswahl ganz zu schweigen.

Allerdings gibt es in den meisten Asien-Fonds eine Konstante: Am südkoreanischen Konzern Samsung Electronics führt kaum ein Weg vorbei. Er ist nicht nur der weltweit größte Chip-Hersteller, sondern mischt auch bei zahlreichen anderen Produkten, von Handys bis zu Flachbildschirmen in der Weltklasse mit.

Sein Anteil am Südkorea-Index der Investmentbank Morgan Stanley (MSCI Korea) ist mit rund 29 Prozent so groß, dass es Fondsmanagern schwer fällt, auf diese Aktie zu verzichten. In der Vergangenheit wäre das ohnehin grundfalsch gewesen, denn Samsung entwickelte sich prächtig.

Ohne Japan lief es besser

Viele Pazifikfonds, die auf japanische Aktien verzichten, schnitten in den vergangenen fünf Jahren, dem Zeitraum unserer Analyse, erstaunlich gut ab. Sie überzeugten nicht nur durch ihre Wertentwicklung, sondern waren auch stabil. 17 dieser Fonds schafften sogar den Sprung in unsere Chance-Risiko-Klasse 7, in der man ansonsten kreuzsolide Aktienfonds Welt findet (siehe Fonds im Dauertest).

Anleger sollten diese Ergebnisse jedoch mit Vorsicht genießen. Die vergangenen fünf Jahre sind kein Garant für die Zukunft. Ihre guten Ergebnisse verdanken diese Pazifikfonds vor allem dem australischen Aktienmarkt, der zwischen 1999 und 2004 zu den besten der Welt gehörte. Langfristig sieht das anders aus. Seit 1970 waren mit australischen Aktien kaum über 7 Prozent pro Jahr zu verdienen. Der viel gescholtene japanische Aktienmarkt hat deutlich mehr erzielt.

Unterschiedliche Ländermischung

Anders als bei anderen Fondsgruppen gibt es bei Pazifikfonds keine strikte Trennung zwischen entwickelten Märkten und den „Emerging Markets“. So nennt man die Länder, deren Börsen noch nicht etabliert und daher entsprechend schwankungsanfällig sind.

Chancen und Risiken sind bei Anlagen in Emerging Markets wie China, Indien, Malaysia oder Thailand ungleich größer als in Ländern mit langer Börsentradition. Auch Südkorea zählt noch zu den Emerging Markets, ist allerdings auf dem Sprung in die Erste Börsenwelt, zu der Australien, Japan, Hongkong und Singapur längst gehören.

In den Fonds sind entwickelte und unentwickelte Märkte unterschiedlich gewichtet. Der Axa-Rosenberg als Spitzenreiter der Pazifikfonds ohne Japan, der Lemanik Asian Opportunity als Erster sowie der Raiffeisen-Pazifik-Aktien VT als Drittplatzierter der Japan-Gruppe setzen größtenteils auf entwickelte Märkte, der Raiffeisen-Fonds sogar zu über 95 Prozent.

Dass auch mit völlig anderer Gewichtung hohe Renditen möglich sind, beweist der Aberdeen Asia Pacific A2, der weit über die Hälfte des Fondsvermögens in unentwickelte Märkte wie Südkorea, Indien, China, Taiwan oder Thailand gesteckt hat.

Auch der DWS Top 50 Asien setzt, anders als der Name erwarten lässt, vor allem auf ­Unternehmen aus unentwickelten Märkten und liegt damit besser als der Durchschnitt seiner Fondsgruppe.

Besonders wagemutig gibt sich der Templeton Asian Growth A, der außer einem rund 5-prozentigen Hongkong-Anteil nur auf die asiatischen Aufsteiger setzt und fast 19 Prozent in China investiert hat.

Mit den Ländergewichtungen verbinden sich nicht nur unterschiedliche Risikoneigungen, sondern auch verschiedene ­Investmentideen. So setzen Fondsmanager und Anleger mit Ländern wie Südkorea oder Taiwan stark auf moderne Technik. Vor allem in Taiwan tummeln sich die ­Produzenten von Mikrochips und Zulieferer für die Elektronikindustrie.

Entwickelt sich die Weltwirtschaft gut, profitieren solche Branchen besonders stark. Allerdings sind sie auch sehr anfällig für Krisen an den Finanzmärkten.

Dagegen ist ein hoher Anteil austra­lischer Aktien Balsam für die sehr schwankungsanfälligen Fonds. Australien ist ein gediegener Markt, in dem neben Banken die Rohstoffindustrie ein hohes Gewicht hat. Das ist zwar keine Versicherung gegen Krisen, dämpft aber auf jeden Fall die Kursausschläge.

Wenig China in den Fonds

Anleger, die am chinesischen Wirtschaftswunder teilhaben wollen, werden von den untersuchten Fonds nur zum Teil befriedigt. Neben dem genannten Templeton-Fonds haben der Nestor-Fernost und der State Street Active Asie mit etwa 17 bis 18 Prozent noch den größten China-Anteil.

Die Scheu der Fondsmanager, China noch mehr Raum zu geben, hat ihren Grund. Die Börsenentwicklung in China hat mit dem explosionsartigen Wirtschaftsaufschwung nicht Schritt halten können. Es gibt dort kaum jene Bluechip-Aktien, die gern gekauft werden, um dem Fonds eine solide Basis zu geben.

Bis sich in China eine Aktienkultur wie in Japan oder Hongkong etabliert hat, dürften noch einige Jahre vergehen.

Japanische Firmen haben Weltruf

Die Tokioter Börse gehört zu den weltweit wichtigsten Finanzplätzen. Es ist also keine abwegige Idee, einen Pazifikfonds zu nehmen, der auch japanische Aktien berücksichtigt. Zwar sind die unentwickelten Märkte Südostasiens dynamischer und versprechen deshalb höhere Gewinnchancen, aber dafür hat Japan zahlreiche ­Firmen von Weltruf.

So ist Toyota einer der weltweit profi­tabelsten Autobauer, Canon ein führendes Unternehmen bei Kopierern und Digitalkameras und Sony zählt noch immer zu den ­bekanntesten Marken in der Unterhaltungselektronik. Auch der Pharmagigant Takeda oder der Reifenhersteller Bridgestone ist global gut im Geschäft und für ­Investoren einigermaßen berechenbar.

Das unterscheidet sie von vielen aufstrebenden Unternehmen aus China, Thailand oder Indonesien, deren Geschäftsmodelle sich erst noch langfristig beweisen müssen. Obwohl der japanische Aktienmarkt auf eine beispiellose Durststrecke zurückblickt, scheint er solider als die ­unentwickelten Märkte seiner Region.

In den vergangenen Jahren haben sich Pazifikfonds ohne Japan zwar besser entwickelt als Fonds mit japanischen Aktien, aber das muss nicht auf Dauer so bleiben. An den asiatischen Märkten ändern sich Stimmungen und Trends noch schneller, als es an den ohnehin schon launischen Weltbörsen üblich ist.

Anleger, die sich an Pazifikfonds heranwagen, sollten deshalb die Markt- und Fondsentwicklung regelmäßig beobachten. So wie Reiner Jahberg, der mit dem DWS Mandarin viel Geduld hatte, dann aber doch die Reißleine zog. Schließlich soll sich das Wachstum in Asien irgendwann auch auf dem Depotkonto bemerkbar machen.

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