Typische Angebote des grauen Kapitalmarkts

In Niedrigzinsphasen verkaufen Anbieter auf dem grauen Kapitalmarkt ihre Angebote besonders leicht. Sie versprechen höhere Renditen, als mit Sparverträgen oder Lebensversicherungen möglich sind. Doch mehr Rendite heißt auch höheres Risiko. Die Kurzübersicht zeigt, welche typischen Angebote sich für Anleger lohnen können und von welchen Angeboten sie besser die Hände lassen.

Angebot
(Investition)

Inhalt

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Risiken

Finanztest-Kommentar

Immobilienangebote

Eigentumswohnung als Kapitalanlage
(Kauf einer vermieteten Wohnung ab 40 000 Euro aufwärts)

Kauf einer vermieteten Immobilie als Kapitalanlage, um von Mieteinnahmen und evt. Steuervorteilen zu profitieren. Ein späterer Verkauf der Wohnung soll weitere Gewinne bringen.

  • Steuervorteile
  • Inflationsgeschützte Sachwertanlage
  • Altersvorsorge, zusätzliche Rente
  • Regelmäßige Mieteinnahmen
  • Wiederverkauf mit Gewinn
  • Überhöhter, nicht marktgerechter Kaufpreis
  • Schlechte Lage
  • Geringere Mieteinnahmen als erwartet
  • Leerstand
  • Verkauf nur mit Verlust möglich

Kann gute Kapitalanlage sein, aber nur, wenn Lage, Preis und Finanzierung für die Immobilie stimmen. Niemals eine Wohnung ohne Besichtigung kaufen!

Immobilienerwerb plus sofort Bargeld
(beim Kauf einer Eigentumswohnung ab 50 000 Euro aufwärts zusätzlich Bargeld erhalten)

In Zeitungsannoncen werben Firmen für den Kauf von Eigentumswohnungen mit dem Versprechen, dass der Käufer einen Teil des Immobilienpreises bei Vertragsabschluss bar auf die Hand bekommt.

  • Bargeld sofort (Käufer erhält bis zu 30 Prozent des Immobilienkaufpreises ausgezahlt)
  • Steuervorteile
  • Immobilienkredit wird durch Mieteinnahmen getilgt
  • Extrem überhöhter Kaufpreis
  • Darlehenssumme völlig überhöht
  • 100-prozentige Finanzierung auf Kredit
  • Überschuldungsgefahr
  • Hohe Verluste bei Verkauf
  • Laufende Kosten übersteigen Mieteinnahmen

Betrug, Hände weg! Es handelt sich um ein Verlustgeschäft. Da die sofortige Barzahlung auf den Immobilienpreis aufgeschlagen wird, ist die Immobilie überteuert und kann regelmäßig nur weit unter Preis weiterverkauft werden.

Geschlossene Immobilienfonds
(Beteiligung an Büro- und Wohnimmobilien ab 10 000 Euro bis 100 000 Euro und mehr)

Investitionen in Einkaufszentren, Hotels oder Seniorenresidenzen, die mit Anlegergeld (Eigenkapital) und Bankdarlehen (Fremdkapital) finanziert werden. Der Fonds wird geschlossen, sobald genügend Eigenkapital für die Immobilien eingesammelt worden ist. Anleger sind für viele Jahre als Mitunternehmer am Gewinn, aber auch am Verlust beteiligt.

  • Inflationsgeschützte Sachwertanlage
  • Steuervorteile
  • Alterssicherung
  • Hohe Schlussausschüttung durch Verkauf der Immobilien am Ende der Fondslaufzeit
  • Unsichere Erträge
  • Langfristige Anlage mit hohen Nebenkosten
  • Vorzeitiger Vertragsausstieg nicht möglich
  • Mietausfall
  • Verkaufserlöse für Fondsimmobilien fallen zum Ende der Laufzeit niedriger aus als erwartet
  • Gefahr des Totalverlusts

Gute Angebote möglich. Geeignet für gut verdienende Anleger, die ihr Geld steuersparend in Immobilien investieren wollen und von der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens überzeugt sind. Wegen des Überangebots an Gewerbeimmobilien an vielen Orten besteht derzeit vermehrt die Gefahr von Mietausfällen. Stark schwankende Immobilienpreise können den späteren Gewinn beim Verkauf der Immobilen mindern.

Unternehmensbeteiligungen

Geschlossene Windkraft- und Solarfonds
(Beteiligung an Wind- oder Solarparks ab 3 000 Euro bis 30 000 Euro und mehr)

Investitionen in Wind- und Solarparks, die mit Anlegergeld (Eigenkapital) und Bankdarlehen (Fremdkapital) finanziert werden. Der Fonds wird geschlossen, sobald genügend Eigenkapital eingesammelt worden ist. Anleger sind für viele Jahre als Mitunternehmer am Gewinn, aber auch am Verlust beteiligt.

  • Investitionen in die Umwelt
  • Hohe Rendite
  • Staatlich subventioniert
  • Unsichere Erträge
  • Langfristige Anlage mit hohen Nebenkosten
  • Schwacher Wind, zu wenig Sonnenschein
  • Vorzeitiger Vertragsausstieg nicht möglich
  • Gefahr des Totalverlusts

Gute Angebote möglich. Geeignet für gut verdienende Anleger, die durch Anfangsverluste Steuerersparnisse haben und langfristig auf ihr Geld verzichten können. Nicht mehr als 10 Prozent des Vermögens investieren, da es hier in der Vergangenheit häufiger Unternehmenspleiten gab! Hände weg von Angeboten in Form von Sparplänen! Wegen der hohen Verlustgefahren und Kosten in Höhe von 15 bis meist 25 Prozent der Anlagesumme sind Sparpläne zu riskant.

Geschlossene Schiffsfonds
(Beteiligungen an Schiffsfonds ab 20 000 Euro und viel mehr)

Investitionen in Schiffe, die mit Anlegergeld (Eigenkapital) und Bankdarlehen (Fremdkapital) finanziert werden. Der Fonds wird geschlossen, sobald genügend Eigenkapital eingesammelt worden ist. Anleger sind für viele Jahre als Mitunternehmer am Gewinn, aber auch am Verlust beteiligt.

  • Steuervorteile
  • Hohe jährliche Ausschüttungen
  • Hoher Gewinn zum Ende der Beteiligung bei Verkauf des Schiffes
  • Unsichere Erträge
  • Langfristige Anlage mit hohen Nebenkosten
  • Vorzeitiger Vertragsausstieg nicht möglich
  • Anbieter verlangen Ausschüttungen zurück, wenn der Fonds nicht gut läuft
  • Kündigung der Fondskredite durch Banken wegen der Krise auf den Schifffahrtsmärkten
  • Nachschussforderungen für Versuche, den Fonds zu sanieren
  • Gefahr des Totalverlusts

Ein Neueinstieg in Schiffsfonds ist im Moment wegen der Krise auf den Schifffahrtsmärkten nicht empfehlenswert. Viele Fondshäuser, Banken und Reedereien können derzeit ihre finanziellen Verpflichtungen nicht erfüllen. Sollten sich die Schifffahrtsmärkte erholen, eignen sich Schiffsfonds für vermögende Anleger. Gewinne bleiben wegen der günstigen Besteuerung weitgehend steuerfrei. Anleger sollten aber wegen der hohen Verlustgefahren nicht mehr als 10 Prozent ihres Vermögens in Schiffsfonds investieren.

Inhaberschuldverschreibungen / Genussscheine / Direktanleihen
(Beteiligung an Unternehmen ab 1 000 Euro und mehr)

Anleihen von Unternehmen, die von Privatanlegern Geld für Investitionen einsammeln und für die Papiere gute Zinsen zahlen. Am Ende der Laufzeit bekommen Anleger ihr Geld zurück.

  • Attraktive, meist jährliche Zinsen
  • Zinsen fallen geringer aus als erwartet
  • Oft kein zwischenzeitlicher Verkauf möglich
  • Keine Rückzahlung der Einlage, falls das Unternehmen Pleite macht

Gute Angebote möglich. Geeignet nur für Anleger, die von der guten wirtschaftlichen Zukunft eines Unternehmens überzeugt sind und notfalls Verluste verkraften können.

Wertpapieranlagen

Börsentermingeschäfte
(Einsätze ab 5 000 Euro und mehr)

Spekulationen an der Börse, bei denen Anleger auf steigende oder fallende Preise einer Ware, Aktie oder Währung in der Zukunft wetten.

  • Steuerfreie Spitzengewinne
  • Verdoppelung der Einlage
  • Falsche Gewinnversprechen
  • Hohe Gebühren der Vermittlerfirma machen Gewinne von vornherein unmöglich
  • Verluste durch Kosten für übertriebenes, häufiges Handeln an den Wertpapierbörsen
  • Gefahr des Totalverlustes

Immer sehr riskant. Geeignet nur für risikobewusste Börsenprofis, die fundierte Unternehmenskenntnisse haben und ohne Vermittlerfirma auskommen. Hohen Gewinnchancen stehen ebenso hohe Verlustrisiken gegenüber!

Aktien ohne Börsennotierung
(Einsätze hängen von Preis und Zahl der gekauften Aktien ab)

Verkauf von Aktien nicht börsennotierter, junger aufstrebender Unternehmen.

  • Gewinne bei Börsengang
  • Papiere aufstrebender, junger Firmen
  • Unsichere Erträge für hochspekulative Papiere
  • Extreme Wertschwankungen und schwerverkäuflich, weil kaum Handel stattfindet
  • Gefahr des Totalverlusts

Immer sehr riskant. Geeignet nur für risikobewusste Finanzprofis, die von der guten wirtschaftlichen Zukunft eines Unternehmens überzeugt sind und notfalls Verluste verkraften können.