Anlageverluste verrechnen Special

So ärgerlich Anlageverluste sind, sie können zumindest beim Finanzamt noch Geld bringen. Seit diesem Jahr gelten neue Regeln.

Weit ins Minus sind zahlreiche Anleger mit Fonds, Aktien und Zertifikaten in den vergangenen Monaten gerutscht. Aus Frust oder weil sie Geld brauchten, haben viele von ihnen verkauft – mit Verlust. Nun sollten sie prüfen, ob sie sich mit der nächsten Steuererklärung nicht einen Teil ihres Geldes zurückholen können.

Das Finanzamt verrechnet die Verluste unter bestimmten Voraussetzungen mit Gewinnen, die der Anleger zum Beispiel mit anderen Wertpapiergeschäften oder mit einem Immobilienverkauf erzielt hat. Dadurch sinkt die gesamte Steuerlast.

Das funktioniert längst nicht immer. Doch wenn alles passt, holt sich zum Beispiel ein Anleger mit einem Steuersatz von 35 Prozent von seinen 2 000 Euro Verlust über die Steuerersparnis immerhin 700 Euro vom Finanzamt zurück.

Altverluste und Neuverluste

Für die Verrechnung von Verlusten aus Geldanlagen gelten seit Einführung der Abgeltungsteuer Anfang 2009 einige neue Regeln. „Abgeltungsteuer“ heißt der einheitliche Steuersatz von 25 Prozent, der seit Jahresbeginn für Kapitalerträge wie Zinsen und Dividenden, aber auch für Gewinne aus Wertpapierverkäufen fällig wird. Die Bank führt die Steuer an das Finanzamt ab.

Wie Anleger seither die Verluste aus ihren Geldanlagen verrechnen können, hängt vor allem davon ab, wann sie ihre Wertpapiere gekauft haben:

Kauf bis zum 31. Dezember 2008: Hat ein Anleger Aktien, Anleihen und Fondsanteile bis Ende 2008 erworben und innerhalb eines Jahres mit Verlust verkauft, kann er mit diesem Verlust Steuern sparen: Er hat die Spekulationsfrist von einem Jahr eingehalten und darf die Verluste mit Gewinnen aus anderen Wertpapiergeschäften, aus Termingeschäften oder aus dem Verkauf einer Immobilie verrechnen – nur nicht mit Zinsen oder Dividenden.

Zu solchen „Altverlusten“ zählen auch Verluste, die ein Anleger schon in früheren Jahren gemacht hat. Ein Fondskäufer hat zum Beispiel schon um die Jahrtausendwende Anteile mit Verlust verkauft. Den Verlust trägt er nun jedes Jahr in der Steuererklärung mit sich herum, weil er bisher keine Möglichkeit hatte, ihn zu verrechnen. Nun kann er ihn vielleicht noch nutzen.

Anleger, die ihre bis Ende 2008 erworbenen Anlagen erst nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist verkaufen und Minus machen, stehen schlechter da: Sie können mit den Verlusten in der Steuererklärung nichts anfangen.

Kauf ab dem 1. Januar 2009: Verluste aus Fonds oder Anleihen, die erst 2009 erworben wurden, können einen Steuervorteil bringen – ganz gleich, wie lange die Anteile oder Papiere gehalten werden. Ob der Anleger nach zwei Monaten oder zwanzig Jahren verkauft: Die Miesen können mit Gewinnen aus Wertpapiergeschäften und sogar mit Zinsen und Dividenden verrechnet werden. So sinken die steuerpflichtigen Einkünfte aus Kapitalvermögen.

Eine Ausnahme gilt für Verluste aus Aktiengeschäften: Macht ein Anleger Verluste mit Aktien, die er erst 2009 erworben hat, kann er diese nur mit Gewinnen aus Aktiengeschäften gegenrechnen. Es ist nicht mehr möglich, die Aktienverluste zum Beispiel mit Fondsgewinnen auszugleichen.

Jahresfrist für Altverluste beachten

Wertpapierkäufer, die erst in den letzten Monaten des Jahres 2008 investiert haben, sollten sich jetzt die Zeit nehmen, ihr Depot zu überprüfen: Wie sind die Zukunftsaussichten der eigenen Geldanlagen? Hilfe bei der Antwort auf diese Fragen siehe in „Verluste mit Geldanlagen“.

Kommen sie zu dem Schluss, dass von den Investitionen nichts mehr zu erwarten ist, sollten sie die Spekulationsfrist im Auge behalten. Verkaufen sie in der Jahresfrist, können sie für ihre Verluste immerhin noch das Trostpflaster vom Finanzamt bekommen, wenn sie andere positive Kapitalerträge haben, die sie verrechnen können.

Der Verkauf zur passenden Zeit kann sich lohnen: Nehmen wir an, ein Anleger wollte die niedrigen Kurse durch die Finanzkrise nutzen und hat Ende Oktober 2008 einen Aktienfonds gekauft. Leider hat sich der Fonds nicht wie erhofft entwickelt und er will sich davon trennen. Zwei Varianten sind möglich:

Verkauf nach über einem Jahr: Stößt der Anleger zum Beispiel erst im November 2009 die im Oktober 2008 gekauften Fondsanteile mit Verlust ab, wären die Verluste ohne Wert. Er hat die Spekulationsfrist nicht eingehalten und kann die Verluste nicht beim Finanzamt abrechnen.

Im Gegenzug bedeutet das aber auch: Kommt der Fonds doch noch ins Plus, bleiben die Gewinne steuerfrei und sind für das Finanzamt uninteressant.

Verkauf binnen zwölf Monaten: Gibt der Mann seine im Oktober 2008 erworbenen Anteile schon am 30. September 2009 zurück, bleibt er innerhalb der Spekulationsfrist. Verkauft er seine Fondsanteile zu diesem Zeitpunkt mit einem Minus von 1 200 Euro, kann er diesen Verlust in der Steuererklärung für 2009 geltend machen.

Er trägt den Verlust wie in früheren Jahren in der Anlage SO zur Steuererklärung ein. In dieser Anlage stehen Gewinne und Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften. Dazu zählt auch der Verkauf der vor 2009 erworbenen Fondsanteile.

Je nachdem, welche anderen Geschäfte der Anleger noch über die Steuererklärung abrechnet, kann ihm der Anlageverlust etwas bringen. Das gilt zum Beispiel, wenn er 2009 eine vermietete Wohnung mit Gewinn verkauft und dabei die für Immobilien geltende Spekulationsfrist von zehn Jahren eingehalten hat.

Auch das ist ein privates Veräußerungsgeschäft, sodass die Verluste und Gewinne gegeneinander aufgerechnet werden können. Bei einem Steuersatz von 40 Prozent bringen die 1 200 Euro Anlageverlust immerhin noch 480 Euro als Trostpflaster.

Hat der Mann keine Gewinne dieser Art, geht ihm der Steuervorteil nicht verloren. Dank einer Ausnahmeregelung können Anleger ihre Altverluste bis einschließlich 2013 auch mit neuen Gewinnen aus dem Verkauf von Aktien, Fonds oder Zertifikaten verrechnen. Danach können Altverluste nur noch mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden.

Mehr möglich mit Neuverlusten

Anleger, die erst im Jahr 2009 in einen letztlich erfolglosen Fonds investiert haben, müssen sich zumindest aus steuerlichen Gründen um den Verkaufszeitpunkt keine Gedanken machen. Ganz egal, wann sie mit Verlust verkaufen – der Verlust kann ihnen schon im Laufe des Jahres oder spätestens mit der Steuererklärung einen Vorteil bringen, wie das folgende Beispiel zeigt:

Eine junge Frau hat bei einer Bank zwei Sparbriefe sowie ein Depot mit zwei Mischfonds. Sie hat einen Freistellungsauftrag in Höhe von 400 Euro gestellt.

Ihre Sparbriefe laufen am 30. September 2009 aus, dann bekommt die Frau 500 Euro Zinsen ausgeschüttet. Da ihre Fonds im Minus festzusitzen scheinen, entscheidet sich die Anlegerin, die Anteile Ende September ebenfalls zurückzugeben – leider mit 300 Euro Verlust.

Fallen bei einer Bank positive und negative Kapitaleinkünfte an – also zum Beispiel Zinsen auf der einen Seite und Fondsverluste auf der anderen Seite – rechnen die Banken diese gegeneinander auf. Im Beispielfall lohnt sich das: Die Frau kommt am Ende der Rechnung auf positive Kapitalerträge von 200 Euro (500 Euro Zinsen minus 300 Euro). Damit bleibt sie unter ihrem Freistellungsauftrag von 400 Euro. Die Bank wird für sie keine Abgeltungsteuer an das Finanzamt abführen.

Verrechnung durch die Bank

Im Fall der Frau war die direkte Verrechnung der Zinsen und Verluste völlig problemlos. Denn die positiven und negativen Erträge sind zur selben Zeit angefallen. Etwas mehr Mühe haben die Banken, wenn zwischen den Geldgeschäften größere Abstände liegen.

Überschreitet ein Kunde mit den Zinsen auf einem Festgeldkonto schon im Juni seinen Freistellungsauftrag, wird die Bank für ihn Abgeltungsteuer abführen. Fallen im Verlauf desselben Jahres bei diesem Geldinstitut noch Verluste an, muss die Bank sie nachträglich mit den Zinsen verrechnen und Steuern vom Finanzamt zurückholen.

So kann es passieren, dass der Kunde mithilfe der Verluste schon im Laufe des Jahres zu viel gezahlte Abgeltungsteuer zurückbekommt. Er kann sich somit die Mühe sparen, mit der nächsten Steuererklärung die Anlage KAP auszufüllen, um sich erst auf diesem Weg die Steuer vom Finanzamt zurückzuholen.

Stichtag 15. Dezember

Den Umweg über die Steuererklärung müssen hingegen die Anleger gehen, die bei mehreren Banken aktiv sind und noch nicht ausgeglichene Verluste bei einem Institut mit Gewinnen bei einem anderen verrechnen wollen. Die Banken kümmern sich nicht von sich aus darum, dass die Erträge eines Anlegers zwischen den Banken verrechnet werden.

Will ein Anleger die Verluste aus Fondsinvestments bei Bank A zum Beispiel mit Zinsen bei Bank B über die Steuererklärung verrechnen, muss er den Stichtag 15. Dezember des jeweiligen Steuerjahres beachten. Bis dahin muss er bei der Verlustbank die Verrechnung beantragen.

Verpasst der Anleger diesen Termin, trägt die Bank die Verluste automatisch in das nächste Jahr vor. Vielleicht erzielt der Anleger dann ja Gewinne und Erträge, die hausintern verrechnet werden können.

Übergangsregel für Zertifikate

Gesonderte Regeln für die Verrechnung von Verlusten gelten bei Zertifikaten. Und sie unterscheiden sich auch noch je nach Art der Papiere. Einige Zertifikate gelten als „Finanzinnovationen“, andere nicht.

Zu den Finanzinnovationen gehören unter anderem die Garantiezertifikate. Bei ihnen haben Anleger den Vorteil, dass ihnen zumindest ein Teil ihrer Investition durch die Garantie sicher ist.

Erträge aus Finanzinnovationen waren schon früher in jedem Fall steuerpflichtig. Während die Anleger dafür früher den persönlichen Steuersatz zahlen mussten, zahlen sie heute für Erträge aus Finanzinnovationen den pauschalen Steuersatz von 25 Prozent. Es spielt keine Rolle, wann die Papiere gekauft und wieder verkauft werden.

Anleger müssen beim Verkauf erfolgloser Finanzinnovationen keine Spekulationsfrist beachten. Egal, wann sie verkaufen, sie können die Verluste zum Beispiel mit Gewinnen aus Fonds verrechnen lassen.

Für die übrigen Papiere wie Bonus- oder Discountzertifikate gelten andere Regeln: Gewinne aus den Zertifikaten, die bis zum 14. März 2007 gekauft wurden, waren und bleiben steuerfrei, wenn die Papiere mindestens ein Jahr im Besitz des Anlegers sind. Erzielt er mit den Papieren Verluste, sind diese für die Steuererklärung nicht mehr von Bedeutung – sie fallen außerhalb der einjährigen Spekulationsfrist an.

Für ab dem 15. März 2007 gekaufte Zertifikate existiert eine Übergangsregel: Gewinne aus diesen Papieren waren nur steuerfrei, wenn die Papiere mindestens ein Jahr gehalten und bis 30. Juni 2009 wieder verkauft wurden. Haben Anleger die Frist verpasst, müssen sie für Gewinne 25 Prozent Abgeltungsteuer zahlen.

Während der verpasste Verkaufstermin für ein erfolgreiches Zertifikat steuerlich von Nachteil ist, entpuppt er sich für schlechte Zertifikate zumindest steuerlich als Vorteil. Hat ein Anleger zum Beispiel am 1. April 2007 ein Discountzertifikat gezeichnet und verkauft dieses erst am 30. September 2009 mit Verlust, kann er den Verlust mit Gewinnen aus Wertpapiergeschäften verrechnen lassen. Hätte er schon vor dem 1. Juli 2009 mit Verlust verkauft, wäre eine Verrechnung nicht möglich gewesen.

Gold und Immobilien wie früher

Anleger, die in Immobilien oder Gold investiert haben, müssen sich um die neuen Verrechnungsregeln im Zuge der Abgeltungsteuer keine Gedanken machen. Hier bleibt es dabei: Wer durchweg vermietete Immobilien innerhalb der Spekulationsfrist von zehn Jahren verkauft, muss einen Gewinn beim Finanzamt abrechnen. Bei Gold gilt dasselbe für Verkäufe in der Spekulationsfrist von einem Jahr.

Im Gegenzug kann der Anleger auch Verluste aus diesen privaten Veräußerungsgeschäften in der Steuererklärung abrechnen und so seine Steuerlast senken.

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