Verluste mit Geldanlagen: Verkaufen – ja oder nein?

Bei all den vielfältigen Möglichkeiten zur Verrechnung von Verlusten sollte eines klar sein: In erster Linie hat die Entscheidung, ob eine Geldanlage verkauft werden soll, mit ihren Zukunftsaussichten zu tun. Der steuerliche Aspekt ist immer zweitrangig.

Investmentfonds

Stehen Fonds im Verlust, müssen Anleger sich zwei Fragen stellen. Erstens: Liege ich mit meiner Anlageidee noch richtig? Zweitens: Hat der Fonds eine gute Qualität?

Anleger, die ihr Geld in einem breitgestreuten Aktienfonds haben, der welt- oder europaweit investiert, können daran auch in schlechten Zeiten festhalten. Anders ist es, wenn sie auf eine Branche gesetzt haben, auf Rohstoffe zum Beispiel oder Biotechnologie. Dann müssen sie überlegen, ob ihre Idee noch Erfolg verspricht.

Ähnliches gilt für Rentenfonds: Rentenfonds Euro sind normalerweise sichere Anlagen, die nur kurzzeitig in die Verlustzone geraten. Solche Rentenfonds können Anleger behalten. Vorsichtiger sollten sie sein, wenn ihr Fonds in Anleihen mit größeren Risiken investiert. Beispielsweise ist ein Rentenfonds mit langlaufenden Papieren in Zeiten steigender Zinsen wenig sinnvoll.

Aber auch wenn die Anlageidee richtig ist – an einem Fonds festzuhalten, empfiehlt sich nur, solange seine Qualität stimmt.

Fonds, die in unserem monatlichen Dauertest schlecht abschneiden, gehören auf die Verkaufsliste. Schlecht, das heißt „stark unterdurchschnittlich“ und entspricht weniger als 35 Punkten in der Finanztest-Bewertung.

Eine Gnadenfrist gewähren können Anleger ihren Fonds, wenn sie „unterdurchschnittlich“ abschneiden, das heißt, 35 bis 45 Punkte bekommen haben. Sie sollten diese aber beobachten – genauso wie durchschnittliche Fonds (45 bis unter 55 Punkte). Unsere Bewertung der kürzeren Zeiträume zeigt, in welche Richtung sich der Fonds entwickelt.

Fonds mit 55 oder mehr Punkten können sowieso im Depot bleiben.

Was bei der Überlegung, einen Fonds zu verkaufen oder zu behalten, nie eine Rolle spielen sollte, ist der Einstiegspreis. Anleger sollten an einem Fonds nur festhalten, wenn sie weiterhin von dieser Anlage überzeugt sind. Viele verkaufen auch ihre schlechten Fonds erst dann, wenn sie ihre Einstiegspreise wieder erreicht haben. Das ist keine gute Strategie. Mit einem neuen, besseren Fonds sind Verluste viel schneller aufgeholt als mit der alten Lusche.

Aktien

Auch an seinen Aktien sollte man nur festhalten, wenn man steigende Kurse oder bei stagnierenden Kursen zumindest regelmäßige Dividendenzahlungen erwartet. Sind die Aussichten schlecht, heißt es verkaufen, ohne Rücksicht auf Verluste. Steuerliche Gründe sollten nur ausschlaggebend sein, wenn der Anleger sich in seiner Einschätzung unsicher ist.

Anleihen

Die meisten Anleger kaufen Anleihen, um sie bis zur Fälligkeit zu halten. Dann bekommen sie ihren vollen Einsatz wieder zurück – es sei denn, der Anleiheherausgeber ist pleite. Ein Grund, warum Anleihen ins Minus rutschen können, sind Zinsänderungen. In einem solchen Fall hilft abwarten. Rühren die Kursverluste jedoch daher, dass sich die Kreditwürdigkeit des Anleiheherausgebers verschlechtert, ist ein sofortiger Verkauf meist besser.

Zertifikate

Ein pauschaler Rat zu Zertifikaten ist schwierig, weil so viele verschiedene Produkte am Markt sind. Übel mitgespielt hat die Finanzkrise vor allem Bonuszertifikaten und komplexen Bonus-Express-Konstruktionen.

Bonuszertifikate, die ihre Sicherheitsbarriere gerissen haben, entwickeln sich wie ihr Basiswert. Das kann zum Beispiel ein Aktienindex sein wie der Euro Stoxx 50. Dann hängt es von den Aussichten des Indexes ab, ob es sich lohnt, das Papier zu halten.

Je verschachtelter das Konstrukt, desto ungeeigneter ist das Papier für private Anleger. Die Devise lautet: Im Zweifel verkaufen und ein besseres Investment suchen. Das gilt auch, wenn diese Papiere mit einer Kapitalerhaltgarantie ausgestattet sind.

Bei Garantiezertifikaten gibt es zwar das Geld zurück, doch erst am Laufzeitende. Darauf zu warten, lohnt sich nicht immer. Oft bekommen die Anleger dann nämlich keine Zinsen. Sie sollten sich ausrechnen lassen, ob sie mit einer anderen Anlage nicht besser fahren – selbst wenn sie ihr Zertifikat während der Laufzeit mit Verlust verkaufen.

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